Angst vor körperlichen Angriffen: Kevin Kühnert erklärt erstmals seinen Rückzug aus der Politik
Etwas über ein halbes Jahr ist es nun schon her, dass sich der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert (35) überraschend aus der Politik zurückgezogen hat. Die genauen Beweggründe für diesen Schritt behielt er bislang für sich, erläutert sie nun jedoch im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Demnach sei in seinem alltäglichen Leben ein Punkt erreicht worden, an dem er die Wahrscheinlichkeit körperlicher Angriffe auf seine Person als zu hoch ansah.
Dieser "roten Linie" seien Menschen selbst während Urlaubsaufenthalten gefährlich nahe gekommen und in ihm eine fatalistische Denkweise - "ein Gefühl von absoluter Vergeblichkeit" - gereift. Schließlich sei ihm bewusst geworden: "Wenn ich in Ruhe gelassen werden will, muss ich dahin, wo gar keine Menschen sind."
Die genaue Natur von Kühnerts gesundheitlichen Probleme war lange unklar. Spekulationen in den Medien reichten von Burnout bis hin zu möglichen mentalen Problemen. Das Magazin Cicero berichtete, dass es sich um „eine psychische Erkrankung“ handeln soll. Das nahe liegende Thema Burnout bleibt dabei jedoch unbestätigt.
Die Nachrichtenagentur dpa konnte jedoch über mehrfach geprüfte Quellen herausfinden, dass Kevin Kühnert "keine physischen Probleme" hatte, sondern "mentale". Kevin Kühnert scheint es nach einigen Monaten Auszeit inzwischen sichtlich besser zu gehen. Ist er womöglich für ein neues Amt in der schwarz-roten Koalition im Gespräch?
Gelebter Diskurs mit Kevin Kühnert
Ebenfalls im Gespräch mit "Die Zeit" verrät Kühnert, dass der Mann an seiner Seite, mit dem er schon seit mehreren Jahren zusammen ist, der FDP angehört. In seinem tagtäglichen Leben werde ihm so vor Augen geführt, wie wichtig die Akzeptanz anderer Meinungen ist. Denn es brauche "das ständige Bewusstsein, dass der politische Gegner auch recht haben könnte."
Eines Tages, so Kühnert, beteiligt er sich womöglich auch wieder als Politiker an diesem wichtigen Diskurs. So sei er "nicht ausgestiegen, weil ich das alles lächerlich oder überflüssig fände" und schließe eine Rückkehr folglich nicht kategorisch aus.
Kevin Kühnert bei "3nach9"
Im Fernsehen wird Kevin Kühnert derweil bald schon ein Comeback feiern. Am 25. April ist er Teil der Runde in der Radio-Bremen-Talkshow "3nach9" und wird erläutern, wie es ihm in den vergangenen Monaten abseits des Politik-Rummels ergangen ist.
Gäste bei Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo
Ab 22:00 Uhr ist das Moderatoren-Duo Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo mit seinen Gästen im TV zu sehen.