Internationale Medien: „AfD will salonfähig werden“

Der geschäftsführende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze (re.) gratulierte der AfD sogar mit Blumen zur Wahl von Tobias Rausch. Seine Fraktion scheint ihm nicht mehr zu folgen.
JAN WOITAS/afp- Wahl von Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten sorgt international für Aufmerksamkeit.
- SRF deutet die Wahl als Schritt zur Normalisierung der AfD – mögliche Vorstufe Regierung.
- Kritik an Doppelrolle: Rausch will AfD-Generalsekretär bleiben, muss dennoch unparteiisch sein.
- El País fragt nach zusätzlichen Stimmen, spricht von möglichen CDU-Abweichlern und geheimer Wahl.
- Mediapart nennt die Entscheidung „Zäsur“, Euronews betont die zentrale, nicht nur zeremonielle Rolle.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Wahl von Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt am 6. Oktober 2026 findet auch international Beachtung. Dabei steht weniger die Zusammensetzung des Präsidiums im Mittelpunkt als die politische Bedeutung eines Präsidenten aus den Reihen der AfD. Besonders deutlich wird das beim Schweizer Rundfunk SRF, der die Entscheidung als Schritt zur Normalisierung der Partei und als mögliche Vorstufe einer Regierungsübernahme betrachtet.
„Die AfD will salonfähig werden. Heute mit dem Landtagspräsidenten, morgen mit dem Ministerpräsidenten.“ Mit diesen Worten beschreibt Deutschland-Korrespondentin Simone Fatzer in ihrer Analyse für SRF die Strategie, die sie hinter der Übernahme des Präsidentenamtes erkennt. Für sie ist die Wahl nicht nur ein personeller Wechsel an der Parlamentsspitze, sondern mehr.
Fatzer richtet den Blick zugleich auf die Verantwortung des neuen Amtsinhabers. Rausch müsse beweisen, dass er allen Abgeordneten mit Respekt und Fairness begegne. Seinen angekündigten Verbleib im Amt des AfD-Generalsekretärs sieht sie deshalb kritisch. Wer die Interessen einer Partei nach außen vertritt, soll gleichzeitig das gesamte Parlament unparteiisch repräsentieren. Genau in dieser Doppelrolle liegt aus Sicht der Korrespondentin ein Spannungsverhältnis.
El País: Woher kamen die Stimmen?
Die spanische Zeitung El País konzentriert sich auf die Unterstützung jenseits der bereits erwarteten Mehrheit mit dem BSW. Korrespondent Cristian Segura schreibt: „Die Überraschung war, dass sich auch vier Abgeordnete mehr als erwartet für Rausch entschieden haben.“ Er verbindet dies mit möglichen Abweichlern aus der CDU und der bevorstehenden Ministerpräsidentenwahl. Zugleich erwähnt der Bericht die geheime Abstimmung. Woher die zusätzlichen Stimmen tatsächlich kamen, lasse sich daher nicht sicher feststellen.
Mediapart: „Zäsur in der Geschichte Deutschlands“
Das reichweitenstarke französische Online-Medium Mediapart setzt einen ausdrücklich historischen Akzent. „Eine Zäsur in der Geschichte Deutschlands“, lautet die deutsche Übersetzung eines Satzes aus der Analyse von Romaric Godin. Der Autor hebt hervor, dass Rausch mehr Stimmen erhielt, als seine eigene Fraktion Abgeordnete zählt, und verweist insbesondere auf die Unterstützung durch das BSW.
Wichtige Rolle für Landtagspräsident
Während SRF und Mediapart die politische und historische Tragweite betonen, erläutert der internationale Nachrichtensender Euronews die institutionelle Bedeutung der Entscheidung. „Das Amt des Landtagspräsidenten ist nicht bloß zeremoniell“, heißt es in Übersetzung aus dem englischsprachigen Beitrag. Der Präsident leite die Plenarsitzungen, führe den Vorsitz im Ältestenrat und stehe an der Spitze der Parlamentsverwaltung. Seine Rolle reiche damit weit über öffentliche Auftritte und repräsentative Aufgaben hinaus.
Euronews zieht zugleich eine wichtige Grenze: Mit der Wahl des Parlamentspräsidenten sei noch nicht entschieden, wer die künftige Landesregierung führt. Die Besetzung der Parlamentsspitze und eine mögliche Regierungsübernahme durch die AfD blieben unterschiedliche Vorgänge.

