Frankreich, Portugal, Spanien
: Nächste Hitzewelle: So ist die Lage in den Waldbrand-Gebieten

Vor einer neuen Hitzewelle in Südwesteuropa haben die Einsatzkräfte in Frankreich und Spanien weiter unter Hochdruck gegen die schlimmsten Waldbrände seit Jahrzehnten gekämpft. Auch in Portugal brachen am Montag mehrere Brände aus.
Von
Markus Brauer
Bordeaux/Madrid/Lissabon
Jetzt in der App anhören
Rauchwolken von den Waldbränden südöstlich des Badeortes Lacanau-Ocean (hinten, r) verdunkeln den Himmel, während sie über die Dünen am Nordstrand hinwegziehen.

Rauchwolken von den Waldbränden südöstlich des Badeortes Lacanau-Ocean (hinten, r) verdunkeln den Himmel, während sie über die Dünen am Nordstrand hinwegziehen.

Jan Athmann/dpa
  • Südwesteuropa vor neuer Hitzewelle – Brände in Frankreich, Spanien und Portugal halten an.
  • In der Gironde verwüstete ein Großbrand seit Mittwoch rund 42.000 Hektar, 220.000 evakuiert.
  • Macron spricht von den heftigsten Bränden seit dem Zweiten Weltkrieg und warnt vor harten Wochen.
  • EU und Deutschland helfen: Hubschrauber und Löschflugzeuge unterstützen bei Bordeaux und in Spanien.
  • Spanien meldet 80.000 Hektar verbrannt; ab Dienstag sehr hohe bis extreme Brandgefahr erwartet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vor einer erneuten Hitzewelle in Südwesteuropa haben die Einsatzkräfte in Frankreich und Spanien weiter unter Hochdruck gegen die schlimmsten Waldbrände seit Jahrzehnten gekämpft. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilte am Montag (27. Juli) mit, dass ein Waldbrand im Südwesten Frankreichs „eingedämmt“ worden sei. Derweil wütete ein weiterer, weitaus größerer Brand nahe Bordeaux weiter. In Portugal brachen am Montag mehrere Brände aus. Die EU sieht ihre Einsatzkapazitäten zunehmend erschöpft.

Macron: „Die kommenden Wochen werden hart“

Angesichts der heftigen Waldbrände im Südwesten warnte Macron beim Besuch eines Krisenzentrums der Einsatzkräfte in Bordeaux: „Die kommenden Wochen werden hart.“ Es seien die heftigsten Waldbrände in Frankreich seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Menschen am Strand von Andernos-Les-Bains während eines Waldbrands in Lege Cap-Ferret im Südwesten Frankreichs nachdem ein Teil der umliegenden Gegend evakuiert worden war.

Menschen am Strand von Andernos-Les-Bains während eines Waldbrands in Lege Cap-Ferret im Südwesten Frankreichs nachdem ein Teil der umliegenden Gegend evakuiert worden war.

Olivier Morin/AFP/dpa

Der Waldbrand zwischen Bordeaux und der Atlantikküste hat seit Mittwoch (22. Juli) vergangener Woche eine Fläche von rund 42.000 Hektar verwüstet. Die Flammen breiteten sich am Montag weiter aus, 220.000 Menschen wurden bereits in Sicherheit gebracht. Zwar ist das Feuer nach den Worten von Innenminister Laurent Nuñez „stabilisiert“, aber noch nicht unter Kontrolle.

Im ganzen Land haben Waldbrände in diesem Jahr bereits 116.000 Hektar zerstört. In Zukunft müsse der Wald „anders“ wieder aufgeforstet werden, erklärte Macron in Bordeaux. Pflanzen und Bewirtschaftung müssten an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst werden.

Diese Luftaufnahme zeigt ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand in Le Porge im Departement Gironde im Südwesten Frankreichs

Diese Luftaufnahme zeigt ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand in Le Porge im Departement Gironde im Südwesten Frankreichs

Florian Plaucheur/AFP/dpa

Feuersturm facht die Brände an

Ein von Waldbränden erzeugter Feuersturm facht die Brände derweil weiter an. Zudem droht die Rückkehr extremer Temperaturen die Löscharbeiten zu erschweren. In beiden Ländern wird eine erneute Verschärfung der Lage angesichts Temperaturen von bis zu 40 Grad befürchtet.

Mit Sorge blickten die Einsatzkräfte auf die Wettervorhersage: Ab diesem Dienstag (28. Juli) werde in weiten Teilen Frankreichs eine neue Hitzewelle erwartet, wie der Wetterdienst Météo-France mitteilt. Diese sollte am Mittwoch (29. Juli) ihren Höhepunkt erreichen mit Spitzenwerten von 40 Grad im Südwesten des Landes.

Der Brand in der Gironde war am Mittwoch (22. Juli) in Saumos im Westen des Départements ausgebrochen. Er breitete sich zunächst in Richtung der Halbinsel Cap-Ferret an der Atlantikküste aus, dann in die Bucht Bassin d'Arcachon. Am Sonntag waren die Feuer Behördenangaben zufolge bis auf 15 Kilometer an das Ballungsgebiet von Bordeaux herangerückt.

Ein Waldbrand breiten sich in der Nähe der Region Le Proge im Westen Frankreichs aus.

Ein Waldbrand breiten sich in der Nähe der Region Le Porge im Westen Frankreichs aus.

Caroline Blumberg/AP/dpa

Deutschland und EU entsenden Flugzeuge

Am Montag (27. Juli) entsandte die Bundeswehr zwei Transporthubschrauber und Feuerlöschmaterial in den Südwesten Frankreichs, um beim Kampf gegen die verheerenden Waldbrände zu helfen.

Der Einsatz der deutschen Unterstützungskräfte solle nach aktueller Planung bei den Waldbränden in der Umgebung von Bordeaux erfolgen und sei in Absprache mit den französischen Partnern zunächst auf fünf Tage begrenzt, erklärte das Bundesverteidigungsministerium in Berlin.

Die EU wollte zusätzliche Flugzeuge nach Spanien entsenden, um bei der Brandbekämpfung zu helfen. Derzeit seien neun Flugzeuge vor Ort im Einsatz, berichtet die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib. Am Dienstag würden es elf sein, diese würden über das EU-Zivilschutzprogramm RescEU bereitgestellt.

Die EU unterstützt die französische Brandbekämpfer durch Spezialflugzeuge.

Die EU unterstützt die französische Brandbekämpfer durch Spezialflugzeuge.

Caroline Blumberg/AP/dpa

„Absolut entscheidende“ Tage in Spanien

Ein Kommissionssprecher verwies auf die ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit, mit der das Feuer in Spanien sich ausbreite. Demnach haben die Brände dort bereits eine Fläche von 80.000 Hektar verwüstet.

Rauch steigt auf, während sich ein Waldbrand in der Nähe von Hoyo de Pinares in der Provinz Madrid ausbreitet.

Rauch steigt auf, während sich ein Waldbrand in der Nähe von Hoyo de Pinares in der Provinz Madrid ausbreitet.

Manu Fernandez/AP/dpa

Die Regionalregierung von Madrid teilte am Montag mit, bei den heftigen Waldbränden westlich der spanischen Hauptstadt verbessere sich die Situation zwar leicht. Das Feuer wüte aber weiterhin. Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte, der Montag und der Dienstag seien „absolut entscheidende“ Tage. Ab Mittwoch würden die Wettervorhersagen für die Brandbekämpfung „äußerst ungünstig“.

Rauch und Flammen steigen auf, während sich ein Waldbrand in der Nähe von San Martín de Valdeiglesias ausbreitet.

Rauch und Flammen steigen auf, während sich ein Waldbrand in der Nähe von San Martín de Valdeiglesias ausbreitet.

Manu Fernandez/AP/dpa

Dem spanischen Wetterdienst Aemet zufolge steigt die Brandgefahr ab Dienstag fast im gesamten Land auf ein sehr hohes oder extremes Niveau. „Diese Situation wird in den folgenden Tagen anhalten oder sich sogar verschlimmern.“ In Teilen des Landes wurden Temperaturen von 40 Grad erwartet.

San Martín de Valdeiglesias: Ein Mann beobachtet, wie sich das Feuer während eines Waldbrandes ausbreitet. Am Donnerstag brach in der Autonomen Gemeinschaft Madrid ein neuer Waldbrand aus.

San Martín de Valdeiglesias: Ein Mann beobachtet, wie sich das Feuer während eines Waldbrandes ausbreitet. Am Donnerstag brach in der Autonomen Gemeinschaft Madrid ein neuer Waldbrand aus.

Carlos Luján/EUROPA PRESS/dpa

Wegen der Brände in der Umgebung der Hauptstadt, in der Region Ávila westlich von Madrid und Toledo südlich der spanischen Hauptstadt sowie nahe der Stadt Valencia im Osten des Landes mussten insgesamt rund 75.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Einsatzkapazitäten der EU zunehmend erschöpft

Die EU-Kommissarin Lahbib warnt, dass die Einsatzkapazitäten der EU zunehmend erschöpft seien. Es stehe zu befürchten, dass die Einsatzkräfte bald andernorts gebraucht würden. Ungarn, der Slowakei und Tschechien stünden „extreme Bedingungen bevor“. Zudem verweist die EU-Kommissarin auf mehrere Waldbrände in Portugal.

Dort kämpften am Montag mehr als 1000 Einsatzkräfte gegen die Flammen in Buschlandschaften im Zentrum und im Norden des Landes, wie die Behörden mitteilten. Rund zwanzig Löschflugzeuge und Hubschrauber waren im Einsatz.

Die größten Brände breiten sich den Angaben zufolge bei Braga und Bragança im Norden Portugals sowie bei Santarém im Zentrum des Landes aus. Fast im gesamten Land gilt wegen der hohen Temperaturen die maximale oder eine sehr hohe Brandgefahr. Einzig an den Küsten ist das Risiko nach Angaben des Wetterdienstes etwas geringer. (Text: dpa-Agenturmaterial)