Donald Trumps' & Co. Hairstyling-Tipps
: Die schrägsten Politiker-Frisuren: „Du hast die Haare schön“

Welche(r )Politiker(in) hat die schrägste Frisur? Donald Trump, Geert Wilders oder Boris Johnson, Margaret Thatcher, Angela Merkel oder Claudia Roth? Wir stellen einige der schlimmsten Coiffeur-Sündenfälle vor.
Von
Markus Brauer
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Kennen Sie diesen Haarschnitt? Ja klar, es ist die berühmte curry-orangefarbene Tolle von US-Präsident Donald Trump.

Kennen Sie diesen Haarschnitt? Ja klar, es ist die berühmte curry-orangefarbene Tolle von US-Präsident Donald Trump.

Imago/Dreamstime
  • Porträt der „schrägsten“ Politiker-Frisuren – von Trump bis Merkel und Roth.
  • Frisuren werden als Ausdruck von Persönlichkeit, Ego und Stil inszeniert.
  • Beispiele: Trumps „Beton“-Tolle, Johnsons Wischmopp-Look, Wilders’ gefärbter Blondschopf.
  • Weitere Typen: Kim Jong-un und Kim Jong-il mit Fön-Beton, Berlusconi mit gefärbtem Ansatz.
  • Kontrastfiguren: Kretschmann mit grazer Stoppelfrisur, Thatcher mit Haarspray-Helm.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Figaro! Figaro! Figaro! Figaro! Figaro! Figaro! Bin das Faktotum der schönen Welt! Ha, bravo, Figaro! bravo, bravissimo! Ich hab’ die schönste Kunst erwählt!“

(„Il barbiere di Siviglia“ – „Der Barbier von Sevilla“, Opera buffa von Giachino Rossini, 1816)

„Schönes Haar ist dir gegeben – Lass es leben“

„Du hast die Haare schön, das liegt bestimmt am Fön. Wo gehst du zum Friseur? Zu dem muss ich auch mal gehn!“ Party-Kanone Tim Toupet bringt’s auf den Punkt (gecovert von DSDS-Sternchen Johanna: „Ich hab die Haare schön“): Die Haare sind nicht nur eine wirre, mehr oder weniger üppige Ansammlung von Hornfäden aus Kreatin. Sie sind Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen. Stylisches Aushängeschild seines Egos und Spiegel seines Seelenlebens.

Wie hieß es 1981 in dem unvergessenen Werbeslogan eines Shampoo-Herstellers, der an Aktualität bis heute nichts eingebüßt hat: „Schönes Haar ist dir gegeben – Lass es leben“.

„So schön kann doch kein Mann sein“

Schon viele Frauen sind in der Geschichte der Figaro-Kunst dem erotischen Charme männlicher Frisuren erlegen. Man denke nur an den legendären Hit von Gitte. „So schön kann doch kein Mann sein, dass ich ihm lange nachwein’.“

Dabei wusste die Schlagersängerin (die mit bürgerlichem Namen Gitte Hænning-Johansson heißt), als sie 1974 den Song trällerte, noch gar nichts von den politischen Egomanen mit ihren brettharten Betonfrisuren (wie die von Donald Trump und Kim Jong-un) und wilden Mähnen (wie die von Boris Johnson und Geert Wilders).

Auch Männer sind Diven

„Jeder ist heute eine Diva“, sagte Modedesigner Wolfgang Joop 1997 in einem „Spiegel“-Interview über den modernen Mann. Seine Worte von damals haben bis heute nichts von ihrem prophetischen Charakter verloren: „Die Jungs sind sogar schlimmer als die Mädchen geworden. Neulich in New York habe ich beobachtet, wie sechs junge Männer stundenlang vor dem Spiegel standen. Sie machten sich Komplimente und halfen sich gegenseitig dabei, die Frisur zurechtzurücken.“

Psychologie der Frisur

Seit Menschengedenken kategorisieren Philosophen und Psychologen wie Empedokles, Carl Gustav Jung oder Ernst Kretschmer die Menschen in Typenlehren nach deren Charaktereigenschaften.

Wenn man diese Seelen-Analyse um die individuelle Haartracht ergänzt, ergibt sich ein Bild, das oft mehr über die Persönlichkeit von Politikern, ihrem Denken und ihren geheimen Wünschen aussagt als die offiziellen Reden und Wahlkampfspots.

Bildergalerie

Unsere Bildergalerie zeigt eine (nicht unbedingt repräsentative) Typologie der schrägsten Politiker(innen)-Frisuren.

Der Abenteurer: Die golden-rötlich schimmernde Beton-Frisur von US-Präsidentschaftskandidat und Milliardär Donald Trump garantiert unzerstörbaren Halt bei jeder politischen Wetterlage. Die einschüchternde Botschaft: Widerstand ist zwecklos.

Der Abenteurer: Die golden-rötlich schimmernde Beton-Frisur von US-Präsident Donald Trump garantiert unzerstörbaren Halt bei jeder politischen Wetterlage. Die einschüchternde Botschaft: Widerstand ist zwecklos!

Imago/ANP
Der Wankelmütige: Die (echte) blonde Mähne von Londons konservativem Ex-Bürgermeister und Brexit-Anführer Boris Johnson ist absolut trendy. Sie erinnert mehr an einen Wischmopp oder die Füllung eines aufgeplatzten Sofas als an eine akkurat gescheitelte Tolle. Sie soll den wilden, ungestümen Mann zum Ausdruck bringen, der sich nicht um Konventionen schert. Johnsons wirklich Rolle ist allerdings die des politischen Hofnarren.

Der Wankelmütige: Die (echte) blonde Mähne von Londons konservativem Ex-Bürgermeister, Ex-Premier und einstigem Brexit-Rebell Boris Johnson ist absolut trendy. Sie erinnert mehr an einen Wischmopp oder die Füllung eines aufgeplatzten Sofas als an eine akkurat gescheitelte Tolle. Sie soll den wilden, ungestümen Mann zum Ausdruck bringen, der sich nicht um Konventionen schert. Johnsons wirklich Rolle ist allerdings die des politischen Hofnarren gewesen.

Imago/Avalon.red
Der Trügerische: Anders als bei seinen politischen Gesinnungsgenossen Donald Trump und Boris Johnson trügt beim niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders der Schein. Sein Blondschopf ist gefärbt. Ob’s seine Politik auch ist?

Der Trügerische: Anders als bei seinen politischen Gesinnungsgenossen Donald Trump und Boris Johnson trügt beim niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders der Schein. Sein Blondschopf ist gefärbt. Ob’s seine Politik auch ist?

Imago/ANP
Der Advokat: Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ist von Hause aus ein literarischer Schöngeist. Das wirre rötlich-schüttere Haar samt Rübezahl-Bart passt zum Bild des weltabgewandten Gelehrten. Dabei ist der ostdeutsche Politiker einer der größten Taktiker in der SPD.

Der Advokat: Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ist von Hause aus ein literarischer Schöngeist. Das wirre (früher weit mehr) rötlich-schüttere Haar samt Rübezahl-Bart passt zum Bild des weltabgewandten Gelehrten. Dabei ist der ostdeutsche Politiker einer der begnadetsten Taktiker in der SPD gewesen.

Imago/Future Image
Der Besserwisser: Der Mediziner Karl Wilhelm Lauterbach ist Ex-Bundesgesundheitsminister der SPD. Seine stets strähnig wirkenden dünnen Haare lassen ihn als den ewigen Oberprimaner-Streber erscheinen, der immer alles besser weiß.

Der Besserwisser: Der Mediziner Karl Wilhelm Lauterbach ist Ex-Bundesgesundheitsminister der SPD. Seine stets strähnig wirkenden dünnen Haare lassen ihn als den ewigen Oberprimaner-Streber erscheinen, der immer alles besser weiß.

dpa
Der Aktivist: Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter tanzt gerne aus der Reihe. Bei seiner Langhaarfrisur ist er dem Jesus-Look und der Hardrock-Mähne der späten 1960er treu geblieben – und wohl auch sich selbst.

Der Aktivist: Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter tanzt gerne aus der Reihe. Bei seiner (inzwischen gestutzten) Langhaarfrisur ist er dem Jesus-Look und der Hardrock-Mähne der späten 1960er treu geblieben – und wohl auch sich selbst.

Imago/Frank Turetzek
Der Unberechenbare: Wie sein vater Kim Jong-Il gehört auch Nordkoreas jugendlicher Diktator Kim Jong-Un zur Beton-Frisurfraktion. Seine areodynamische, schwarz-(gefärbte?) Tolle ist genauso irre schnittig wie seine Politik.

Der Unberechenbare: Wie sein Vater Kim Jong-il gehört auch Nordkoreas Diktator Kim Jong-un zur Beton-Frisurfraktion. Seine aerodynamische, schwarz-(gefärbte?) Tolle ist genauso irre schnittig wie seine Politik.

Imago/ZUMA Press
Der Entrückte: Kim Jong-il (1941-2011), Vater und Vorgänger von Kim-Jong-un führte Nordkoreas Kommunisten von 1994 bis 2011 durch die Zeitenläufe. Neben einem luxuriösen Lebensstil machte er die hochtoupierte Fön-Beton-Friseur zu einem politischen Markenzeichen des abgeschotteten kommunistischen Landes. 2012 wurde der der Welt Entrückte postum zum „Ewigen Generalsekretär“ ernannt.AP

Der Entrückte: Kim Jong-il (1941-2011), Vater und Vorgänger von Kim-Jong-un führte Nordkoreas Kommunisten von 1994 bis 2011 durch die Zeitenläufe. Neben einem luxuriösen Lebensstil machte er die hochtoupierte Fön-Beton-Friseur zu einem politischen Markenzeichen des abgeschotteten kommunistischen Landes. 2012 wurde der der Welt Entrückte postum zum „Ewigen Generalsekretär“ ernannt.

Imago/CPA Media
Der Gestalter: Mao Zedong (oder Mao Tsê-tung, 1893-1976) ist der Vater aller Beton-Frisuren. Von 1943 bis 1976 war sein Wort als Vorsitzender der Kommunistischen Partei in China Gesetz. Seine kulturrevolutionäre Wellen-Frisur machte bei linken Führern Schule (siehe Kim-Jon-il und Kim Jong-un).

Der Gestalter: Mao Zedong (oder Mao Tsê-tung, 1893-1976) ist der Urvater aller Beton-Frisuren. Von 1943 bis 1976 war sein Wort als Vorsitzender der Kommunistischen Partei in China Gesetz. Seine kulturrevolutionäre Wellen-Frisur machte bei linken Führern Schule (siehe Kim-Jon-il und Kim Jong-un).

Imago/ZUMA Press
Der Unechte: Silvio Berlusconi liebte den schönen Schein. Was am italienischen Medienzaren und Ex-Ministerpräsidenten (noch) echt war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Sein Haaransatz jedenfalls war definitiv eine Färbung.

Der Unechte: Silvio Berlusconi liebte den schönen Schein. Was am italienischen Medienzaren und Ex-Ministerpräsidenten (noch) echt war, darüber gehen die Meinungen bis heute auseinander. Sein Haaransatz jedenfalls war definitiv gefärbt.

Imago/Insidefoto
Der Authentische: An Winfried Kretschmann ist alles echt. Der Politiker mit der grauen Stoppelfrisur amtierte als neunter Ministerpräsident von Baden-Württemberg und als erster Grüner in diesem hohen Amt. Dass er mehrmals wiedergewählt wurde, hat ganz wesentlich mit seinem ehrlichen Äußeren zu tun.

Der Authentische: An Winfried Kretschmann ist alles echt. Der Politiker mit der grauen Stoppelfrisur amtierte als neunter Ministerpräsident von Baden-Württemberg und als erster Grüner in diesem hohen Amt. Dass er mehrmals wiedergewählt wurde, hat ganz wesentlich mit seinem ehrlichen Äußeren zu tun.

Imago/Arnulf Hettrich
Die Anführerin: Der Haarspray-Wahnsinn von Margaret Thatcher (1925–2013), Britanniens Premierministerin von 1979 bis 1990 (die mit der Tasche), ist Inbegriff der politisch-haarigen Beton-Frisur.

Die Anführerin: Der Haarspray-Wahnsinn von Margaret Thatcher (1925–2013), Britanniens Premierministerin von 1979 bis 1990 (die mit der Tasche), ist Inbegriff der politisch-haarigen Beton-Frisur.

Imago/United Archives
Die Vermittlerin: Als Bundesumweltministerin (1994-1998) gab Angela Merkel nicht viel auf mondäne Figaro-Stile. Mit Beginn ihrer Kanzlerschaft begannen indes ihre vielen äußeren und politischen Häutungen.

Die Vermittlerin: Als Bundesumweltministerin (1994-1998) gab Angela Merkel nicht viel auf mondäne Figaro-Stile. Mit Beginn ihrer Kanzlerschaft begannen indes ihre vielen äußeren und politischen Häutungen.

Imago/STAR-MEDIA
Die Aufgedrehte: Für Grünen-Aushängeschild Claudia Roth ist vor allem eins wichtig: grell und schrill zu sein. Ihre Haare und Gesinnung variieren zwischen rot, orangefarben und eidottergelb.

Die Aufgedrehte: Für Grünen-Aushängeschild Claudia Roth ist vor allem eins wichtig: grell und schrill zu sein. Ihre Haare und Gesinnung variieren zwischen rot, orangefarben und eidottergelb.

Imago/Shotshop

Was der Haarschnitt über die Persönlichkeit aussagt

Empedokles (495–435 v. Chr.), der griechische Philosoph und Naturforscher, war der erste große Typologisierer. Er glaubte, die Menschen seien von den „Vier Elementen“ Feuer, Wasser, Erde und Luft geprägt. Auf die Haarfarbe übertragen hieße das: rot, blau, braun, blond

Der Schweizer Psychoanalytiker C. G. Jung (1875-1961) versuchte mit Hilfe von psychologischen Typen zu ergründen, welche unterschiedlichen Therapien Patienten brauchen. Haarstyle und -farbe könnten ihm bei der Anamnese durchaus hilfreich gewesen sein.

Der deutsche Psychiater Ernst Kretschmer (1888-1964) klassifizierte vier Körperbautypen und wies ihnen Charaktereigenschaften zu :

  • Pykniker: breit-rundlich - manisch-depressiv - schütteres Haar oder Pläte
  • Athletiker: knochig-muskulär - epileptisch - volles oder lockiges Haar
  • Leptosom: lang-schmal - schizophren - langes, strähniges Haar
  • Dysplastiker: atypisch-missgebildet - epileptisch - wilde, ungepflegte Mähne

Berühmte Persönlichkeitspsychologen wie Raymond Bernard Cattell (1905-1998), Carl Ransom Rogers (1902-1987) und Hans Jürgen Eysenck (1916-1997) haben weitere wichtige Anregungen für die Typologie des Menschen gegeben, die Rückschlüsse auf die haarigen Vorliegen des Delinquenten geben.