Apokalypse Now!: Wie der Klimawandel Waldbrände in Feuerhöllen verwandelt

21.07.2026, Spanien, Lozoyuela: Blick auf das von einem Feuer verwüsteten Gebiet bei Lozoyuela in der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Der Waldbrand, der am 16. Juli 2026 ausbrach, zerstörte 865 Hektar Wald- und Buschland und zählt damit zu den schwersten Bränden, die in der Region jemals verzeichnet wurden.
Ricardo Rubio/Europa Press/dpa- Brände in Spanien und Frankreich breiten sich rasant aus – Trockenheit, Hitze und Wind begünstigen sie.
- Spanien: Feuchtes Frühjahr ließ Vegetation wachsen, die nun vertrocknet als Zunder wirkt.
- Seit Jahresbeginn verbrannten in Spanien über 115.000 Hektar, in Frankreich mehr als 40.000 Hektar.
- Klimawandel verstärkt Hitzewellen und Trockenheit, sagen Aemet und Météo France.
- Spanien zählt Tote und Verletzte, in Frankreich starben drei Feuerwehrleute bei Einsätzen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Spanien und Frankreich ist die Feuerwehr gegen immer neue Waldbrände im Dauereinsatz. Die Flammen breiten sich auf riesigen Flächen aus. Wetterlagen mit anhaltender Trockenheit und Hitze, die wegen des Klimawandels häufiger werden, begünstigen oft in Kombination mit starkem Wind den Ausbruch der Feuer.
Warum gibt es derzeit so viele Brände in Frankreich und Spanien?
Ein wichtiger Grund für die außergewöhnlich heftige Waldbrandsaison ist in Spanien nach Einschätzung von Experten die Wetterentwicklung der vergangenen Monate. Der ungewöhnlich regenreiche Winter und das feuchte Frühjahr ließen in vielen Regionen Gräser, Sträucher und Unterholz stark wachsen. Diese zusätzliche Vegetation ist inzwischen durch Hitzewellen und ausbleibenden Niederschlag weitgehend ausgetrocknet.
Die große Menge an trockener Biomasse wirkt nun wie Zunder und bietet den Flammen reichlich Nahrung. Dadurch breiten sich Brände deutlich schneller aus. Verstärkt wird dies oft durch starke Winde, die Funken über weite Strecken tragen und neue Brandherde entstehen lassen. Auch in Frankreich begünstigt die anhaltende Trockenheit, in Kombination mit inzwischen drei Hitzewellen, den Ausbruch von Bränden.
Sind die Feuer schlimmer als in den Vorjahren?
Seit Jahresbeginn sind in Spanien nach Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) bereits mehr als 115.000 Hektar Land verbrannt. Das entspricht mehr als dem Doppelten der Fläche, die im gleichen Zeitraum des Vorjahres zerstört wurde. Allerdings erreichte die Brandsaison 2025 ihren Höhepunkt erst Anfang August: Innerhalb weniger Tage schnellte die verbrannte Fläche von knapp 50.000 Hektar Ende Juli auf etwa 380.000 Hektar nach oben.

Blick auf das Brandgebiet in der Provinz Guadalajara, nachdem ein Waldbrand Zehntausende Hektar verwüstet hatte – einer der größten Waldbrände der letzten Jahre in Spanien.
Manu Fernandez/AP/dpaIn Frankreich sind seit Jahresbeginn schon mehr als 40.000 Hektar Naturfläche von Bränden zerstört worden, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum oder im besonders von Bränden geprägten Jahr 2022. Frankreich erlebe die umfangreichsten Waldbrände seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte Präsident Emmanuel Macron vor wenigen Tagen.

Den Feuerwehrleuten ist es gelungen, den heftigen Brand einzudämmen, der in weniger als einem Tag 2550 Hektar im Departement Var verwüstet hatte und die Evakuierung von rund 500 Menschen erzwang.
Thibaud Moritz/AFP/dpaWelche Rolle spielt der Klimawandel?
Experten sind sich einig, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel eine bedeutende Rolle spielt. Nach Angaben des Wetterdienstes Aemet werden in Spanien immer mehr und immer intensivere Hitzewellen registriert. Aemet-Sprecher Ruben del Campo: „Eines ist klar: Der Klimawandel verstärkt extreme Wetterereignisse.“
Auch der französische staatliche Wetterdienst Météo France betonte kürzlich, dass die immer häufigeren und heftigeren Hitzewellen eine Folge des Klimawandels seien. Und diese verursachten eine immer intensivere Trockenheit, was Brände begünstigt.

Im Südosten Frankreichs bei Cotignac wird ein Haus von einem Feuer zerstört. Ein Waldbrand breitet sich mit überraschender Geschwindigkeit in Südfrankreich aus.
Thibaud Moritz/AFP/dpaWie viele Tote und Verletzte gibt es bereits?
In Spanien starben beim Waldbrand von Los Gallardos in Almería 13 Menschen - mehrheitlich ältere, in der Provinz Almería wohnende Ausländer, darunter sieben Briten und drei Belgier. Außerdem gab es mehrere Verletzte. In Frankreich gab es unter der Bevölkerung bislang keine Toten. Drei Feuerwehrleute kamen allerdings beim Bekämpfen der Flammen ums Leben.
Inwiefern ist der Tourismus betroffen?
Der Tourismus wird in Spanien gelegentlich getroffen, Campingplätze und Hotels müssen schon mal evakuiert werden. Urlauber bekommen von den schlimmsten Bränden meistens aber wenig mit. Diese ereignen sich nämlich fast immer im Landesinneren fern der touristischen Hotspots. Hauptgründe sind laut Experten das Aufgeben landwirtschaftlicher Flächen, geringere Weidewirtschaft und Landflucht, die Verbuschung nimmt dadurch zu.
In Frankreich sind immer wieder auch Campingplätze und damit Touristen von Bränden und eiligen Evakuierungen betroffen. Die touristischen Küstenregion bleiben dagegen von den Bränden in der Regel verschont - im vergangenen Jahr allerdings näherten sich die Flammen bedrohlich der Hafenstadt Marseille.

Richtiges Verhalten bei Waldbrandgefahr.
dpa-InfografikWie sind die Länder vorbereitet?
In Spanien gibt es seit Jahren eine breite Debatte darüber, dass zu wenig in Prävention und Waldmanagement investiert wird, während der Schwerpunkt zu stark auf der Brandbekämpfung liege. Experten, Umweltverbände, Forstfachleute und auch Teile der Politik kritisieren vor allem den Zustand vieler Wälder.
Es sei billiger, vorzubeugen als zu löschen, meinte dieser Tage im spanischen Fernsehen der angesehene Forstfachmann Paco Castañares. „Warum tun wir es nicht? Warum wählen wir immer den kompliziertesten, den schwierigsten Weg – den, der uns auch am meisten Natur kostet und der uns am meisten Menschenleben kostet?“
In Frankreich wird neben der Brandbekämpfung auch auf die Prävention geschaut. Dazu gehört etwa das Durchforsten des Unterholzes, zu dem auch Privatleute auf ihren Grundstücken und Flächen angehalten werden. Denn wo totes, trockenes Gestrüpp rechtzeitig entfernt wird, können Brände sich nicht so schnell ausbreiten.
Angesichts der vielen Brände will Frankreich aber auch bei der Bekämpfung aufrüsten. So soll das riesige Militärflugzeug A400M zu einem Löschflugzeug umgerüstet werden, das während eines einzigen Einsatzes 20 Tonnen Wasser abwerfen kann.
Wie häufig sind Brandstifter für die Brände verantwortlich?
Sehr häufig. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Madrid wurden in Spanien zum Beispiel zwischen 2021 und 2025 insgesamt 478 Urteile gegen Verantwortliche von Waldbränden gesprochen. Die Zahl sank von 109 Verurteilungen im Jahr 2021 auf 86 im Jahr 2025. Staatsanwälte für Umweltdelikte gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Ähnlich ist es in Frankreich. Landesweit seien alleine in diesem Jahr bereits 111 Menschen wegen des Verdachts der Brandstiftung festgenommen worden, die meisten hätten die Vorwürfe eingeräumt, sagte Innenminister Laurent Nuñez.

Feuerwehrleute und die örtliche Polizei sind am Ort eines Waldbrands nahe Roms im Einsatz.
Francesco Benvenuti/LaPresse/AP/dpaWarum ist Griechenland dieses Jahr kaum betroffen?
Griechenland ist dieses Jahr bislang weitgehend von Hitzewellen verschont geblieben. In den vergangenen Jahren gab es solche Wellen teils wochenlang. Die resultierende Dürre und starke Winde schafften dann perfekte Bedingungen für schlimme Waldbrände.
Zudem hat der Staat Lehren aus den verheerenden Bränden der vergangenen Jahre gezogen. Neben den 85 staatlichen Löschflugzeugen zählt die Feuerwehr nunmehr 18.000 Berufs- und Saisonkräfte. Wichtig ist auch der Einsatz von Technologie: Mittlerweile unterstützen mehr als 100 Drohnenbasen in besonders gefährdeten Regionen die möglichst frühzeitige Erkennung von Bränden. Zudem wurden vier speziell für Brandbekämpfung entwickelte Satelliten ins All gebracht, die besonders trockene Regionen beobachten. (Text: dpa)
