Verstorbener Schatzmeister
: Auch für Kreuzfahrt? Mehr als 40.000 Euro bei der Stuttgarter AfD veruntreut

Ein verstorbener Schatzmeister soll sich aus der Parteikasse der Stuttgarter AfD bedient haben. Wie hat er das angestellt?
Von
Michael Bosch
Stuttgart
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Müssen klären, wie das Geld abhanden kam: Markus Frohnmaier (links) und Emil Sänze, der Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag von Baden-Württemberg.

Marijan Murat/dpa

Der ehemalige Schatzmeister der AfD in Stuttgart soll sich aus der Parteikasse bedient und sich persönlich bereichert haben. Den Untreue-Fall bestätigte nun auch der Co-Landesvorsitzende, Emil Sänze, der dpa. Der vor kurzem gestorbene Schatzmeister habe private Rechnungen vom Konto des Kreisverbands bezahlt. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Offenbar hatte der Mann, der nur 46 Jahre alt wurde, alles mögliche mit dem Geld aus der Parteikasse gezahlt. Zunächst hatte die „Bild“ darüber berichtet. Von Einkäufen bei C&A, über Überweisungen in vierstelliger Höhe - sogar eine Kreuzfahrt soll der verstorbene Mann auf Kosten der Partei gemacht haben. Tatsächlich war der Sozialversicherungsangestellte wohl viel unterwegs. In einem Nachruf der Partei hieß es, er „lag am Strand zwischen Seerobben und beobachtete vom Deck seines Schiffes die Weite des Meeres und die Schönheit der untergehenden Sonne“. Das Geld dafür kam wohl von der Partei.

Sechsstelliger Betrag wohl von AfD-Konto abgeflossen

Die Justiz war Anfang Mai auf den Fall aufmerksam geworden. Der Kreisvorstand war zuvor wegen „finanzieller Klärungsbedarfe“ komplett abberufen worden. Mutmaßlich hatte der verstorbene Schatzmeister über mehrere Jahre Geld auf sein privates Konto überwiesen, insgesamt geht es laut Berichten um einen sechsstelligen Betrag. Nach Recherchen von „Bild“ und „SWR“ soll der Schatzmeister selbst Inhaber des Kontos gewesen sein. Andere haben demnach nicht von dem Betrug profitiert.

Insgesamt soll der 46-Jährige 143.000 Euro auf sein privates Konto überwiesen haben.

Foto: Silas Stein/dpa

Wie aber stellte der Mann das an? Er soll den Namen einer Firma in Böblingen genutzt haben, um den Betrug zu verschleiern. Die Böblinger Firma teilte dem SWR mit, sie gehe davon aus, dass ihr Name missbraucht worden sei. Der Landesvorsitzende der AfD in Baden-Württemberg, Emil Sänze, bestätigte demnach, die Firma habe in der Vergangenheit drei Aufträge des AfD-Kreisverbandes erhalten, „danach habe der ehemalige Schatzmeister den Namen der Firma für seine eigenen Zwecke genutzt“, heißt es.

Insgesamt habe der Mann 143.000 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen. Die veruntreute Summe beläuft sich laut Sänze auf 43.000 Euro. Mutmaßlich spielte die Techniker Krankenkasse bei dem Betrug eine Rolle. Darüber hatten unsere Redaktion bereits berichtet. Mutmaßlich soll der verstorbene Schatzmeister seine Anstellung dort genutzt haben und Überweisungen auf das AfD-Konto veranlasst haben, um es liquide zu halten.

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