Nerviger Ton in Stuttgart-West
: Mysteriöses Piepsen raubt Mann aus Stuttgart den Schlaf

Ein nervtötendes Geräusch stört einen Anwohner in der Silberburgstraße. Woher es stammt, ist unklar.
Von
Michael Bosch
Stuttgart
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Baustelle des IBA’27-Projekts »Klett-Areal« in Stuttgart (März 2025; Bild: IBA’27 / Matthias Dengler)

Auf der Baustelle am Klett-Areal stehen inzwischen auch Kräne - kommt das Geräusch von dort?

Archiv/Matthias Dengler
  • In Stuttgart-West stört ein nächtliches Piepen einen Anwohner der Silberburgstraße.
  • Der Ton ist ab etwa 23 Uhr hörbar, variiert in Lautstärke und klingt wie Pfeifen oder Piepen.
  • Eine nahe Baustelle am Klett-Areal steht im Verdacht – Bauunternehmen und Stadt wissen von nichts.
  • Die Baustelle hat keine entsprechenden Geräte, Alarme seien selten; Messungen oder Meldungen fehlen.
  • Der Mann hat das Geräusch per Video dokumentiert und sucht weiter nach der Quelle, notfalls mit Ohrstöpseln.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Philipp Jakobs kann nicht schlafen. Ein Piepton bringt ihn seit einiger Zeit um seine verdiente Nachtruhe. Das Problem: Der Mann, der im Stuttgarter Westen in der Silberburgstraße wohnt, weiß nicht, woher es kommt – und das macht ihn ein wenig kirre.

„Man hört das Piepen erst am Abend, wenn die Stadt ein bisschen zur Ruhe kommt“, sagt Jakobs, der seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Das Grundrauschen nehme meist gegen 23 Uhr so weit ab, dass der Ton dann hörbar sei.

Woher kommt der Piepton?

Einen Tinnitus könne er ausschließen, sagt Jakobs. Seine Freundin höre das Geräusch nämlich auch. Es hindere sie im Gegensatz zu ihm aber nicht daran, einzuschlafen. Das Paar bewohnt eine Dachgeschosswohnung, mit offenem Fenster zu schlafen sei bei den hochsommerlichen Temperaturen zuletzt immer wieder unumgänglich gewesen.

Auch ein Marder-Schreck oder ähnliche Geräte zur Vergrämung kämen eher nicht in Frage, glaubt der Betroffene: „Was muss das für ein Gerät sein, wenn das bis in den fünften Stock zu hören ist?“ Wann genau das Piepen begonnen hat, das kann Philipp Jakobs nicht mehr so genau sagen. Ob es auch tagsüber da ist und dann übertönt wird, ebenfalls nicht.

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Baukräne: ARCHIV - 11.03.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: Baukräne stehen auf einer Baustelle in der Innenstadt. (zu dpa: «20-Jährige klettert auf Kran und fällt - schwer verletzt») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Auch im Stuttgarter Westen wird viel gebaut.

Bernd Weißbrod/dpa

Fälle, in denen Menschen durch lästiges Pfeifen oder Piepen gestört werden, gibt es immer wieder. Manchmal werden die Quellen gefunden, manchmal auch nicht. In Minden ist in diesem Sommer ein unerklärliches Geräusch gemessen worden. Urheber: unklar. In Offenbach waren vor rund zwei Jahren Pumpen von Kühlgeräten auf einem Rechenzentrum für ein nervtötendes Geräusch verantwortlich. In Duisburg pfiff im vergangenen Jahr ein undichtes Sicherheitsventil am Dampfnetz des Stahlwerks. Auch Kamine können ein Pfeifgeräusch verursachen – oder Kräne. In Essen schlugen vor einigen Jahren Windsensoren auf einer Baustelle an, das Geräusch war so laut, dass mehrere Beschwerden bei der Polizei eingingen.

Auch in der direkten Nachbarschaft von Philipp Jakobs gibt es eine Baustelle. Die Vermutung liegt nahe, dass das Geräusch von dort stammt. Im Zuge der Internationalen Bauausstellung im kommenden Jahr wird das Klett-Areal umgestaltet, das an das Haus, in dem Jakobs wohnt, angrenzt.

„Ein nächtliches Piepen ist auf unserer Baustelle nicht bekannt“

„Ein nächtliches Piepen ist auf unserer Baustelle nicht bekannt“, teilt die Gottlob Rommel Bauunternehmung, die für die Baustelle zuständig ist, mit. „Wir haben keine Gerätschaften vor Ort, die dafür sorgen könnten.“ Die Baustelle sei alarmüberwacht, vereinzelt könne es vorkommen, dass bei unbefugtem Betreten ein Alarmton ertöne. „Die Art dieser Vorfälle lässt sich bisher jedoch an einer Hand abzählen und sind keine Regelmäßigkeit.“

Auch Mitarbeiter des Bauherren, die unmittelbar an der Baustelle wohnen, hätten „kein derartiges Geräusch“ festgestellt. Allerdings hat Philipp Jakobs das Geräusch dokumentiert. Auf einem Video, das die nächtliche Umgebung zeigt und unserer Redaktion vorliegt, ist es zu hören. Jakobs beschreibt das Geräusch als „diffus“. Es changiert zwischen Pfeif- und Piepton und wird lauter und leiser. Eins scheint sicher: Es ist nicht natürlichen Ursprungs.

Auch im Stuttgarter Rathaus weiß man nichts über das Geräusch oder dessen Ursprung. In Form von „gelben Karten“ seien keine Hinweise aus dem betroffenen Gebiet eingegangen, teilt ein Sprecher der Stadt mit. Bei dem Geräusch handle es sich wohl um „nichts Offensichtliches“.

Für Philipp Jakobs ist das kein Trost. „Wobei ich mich schon langsam frage, ob das sonst wirklich niemand hört. Es müssten sich doch mehr Leute davon gestört fühlen“, sagt er. Ihm bleibt wohl nichts anderes übrig, als weiter nach der Quelle des Geräuschs zu suchen – oder nachts auf Ohrstöpsel zurückzugreifen.

Was Menschen in Stuttgart tun können, die sich von Lärm gestört fühlen, hat die Stadt hier zusammengefasst.