Zukunft der Bauausstellung
: IBA '27 – Stuttgarter Hauptsponsor kehrt überraschend zurück

Nach dem Ausstieg 2023 ist der Hauptsponsor Wolff & Müller wieder an Bord der Internationalen Bauausstellung IBA '27. Warum das Stuttgarter Unternehmen zurückkehrt und mehr „Stadt am Fluss“ fordert.
Von
Nicole Golombek
Stuttgart
Seeblickweg Neugereut Steg, Brücke, Überweg Wolff & Müller Ingenieurspreis .

IBA '27-Projekt: Der Steg am Seeblickweg zwischen Neugereut und Steinhaldenfeld, entworfen von Harrer Ingenieure und gebaut von  Wolff & Müller, ist auch für den Deutschen Ingenieurbaupreis nominiert.

Jan Potente/Tiefbauamt Stadt Stuttgart
  • Wolff & Müller kehrt nach dem Ausstieg 2023 als Hauptförderer zur IBA’27 zurück.
  • Begründung: klareres Profil, stärkerer Rückhalt der Stadt und entscheidende Phase vor dem Start.
  • IBA’27 zeigt bis 2027 Projekte zu Nutzungsmischung, resilienten Typologien und ressourcenschonendem Bauen.
  • Wunsch des Sponsors: ein übergreifender Ansatz „Stadt am Fluss“ mit Fokus auf den Neckar.
  • Geplant sind ein Branchenevent „IBA meets Bauwirtschaft“ und der Steg am Seeblickweg als Projekt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Countdown läuft, in weniger als einem Jahr beginnt die Internationale Bauausstellung IBA '27 in Stuttgart und der Region. Einige Gebäude wachsen in die Höhe, etwa das Wohnquartier in Stuttgart-Rot, andere werden umgebaut, darunter die Brenzkirche in Stuttgart-Nord und das Klett-Areal am Stuttgarter Feuersee.

Und alle hoffen, dass bis zum Start der Internationalen Bauausstellung 2027 vieles vorzeigbar ist. Seit 2017 wird geplant, seit 2021 hatte sich das Stuttgarter Bauunternehmen Wolff & Müller als Hauptsponsor engagiert. Doch Ende 2023 stieg der erste Hauptsponsor der IBA 27 aus. Nun kehrt das Unternehmen als Hauptförderer bis zum Ende der IBA zurück.

Der Stuttgarter Hauptsponsor der IBA 27 kehrt zurück

„Wir hatten beim Ausstieg gesagt, dass wir die Bauausstellung weiter aufmerksam verfolgen und bei veränderten Bedingungen zu einer Rückkehr bereit sind“, sagt Albert Dürr, geschäftsführender Gesellschafter von Wolff & Müller. „Für uns war dabei immer klar: Die IBA'27 ist eine einzigartige Chance für Stuttgart und die Region. Einiges hat sich bewegt – und die entscheidende Phase steht kurz bevor. Jetzt kommt es darauf an, dass wir alle gemeinsam das Beste daraus machen. Dazu wollen wir beitragen.“ Über die Höhe des finanziellen Engagements schweigt sich das Unternehmen aus.

Aus Sicht von Wolff & Müller, so teilt das Unternehmen mit, war das Profil der Bauausstellung nicht klar genug, um eine ähnliche Strahlkraft zu entfalten wie die Weißenhofsiedlung vor 100 Jahren. Diese gilt bis heute als Manifest des Neuen Bauens – eine Antwort auf die Frage, wie Menschen in einer modernen Gesellschaft wohnen wollen. Zudem sei der Rückhalt der Landeshauptstadt, die eine zentrale Führungsverantwortung für die IBA trägt, aus Sicht des Bauunternehmens nicht stark genug gewesen.

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Das Stuttgarter Unternehmen hat große Erwartungen

„Seitdem hat sich erkennbar etwas bewegt“, heißt es in einem Statement: „Die Stadt nimmt ihre Verantwortung spürbarer wahr, etwa mit einem eigenen IBA-Ausschuss im Gemeinderat und der Realisierung des Weissenhof.Forums. Die IBA'27 will in der Region Stuttgart einen präemptiven Strukturwandel vorantreiben – vorausschauend, bevor Krisen entstehen – und hat aus ihrer Projektarbeit relevante Thesen und Arbeitsfelder abgeleitet: Nutzungsmischung, multifunktionale und resiliente Gebäudetypologien, Reshoring und neue Gewerbekonzepte sowie einfaches und ressourcenschonendes Bauen.“

Die Internationale Bauausstellung 2027

Mit den Bauprojekten will die Internationale Bauausstellung zeigen, wie das Zusammenleben, Wohnen und Arbeiten in der Region Stuttgart zukünftig funktionieren kann. 2017 gestartet, arbeitet das IBA’27-Team gemeinsam mit Verwaltungen, Investorinnen, Fachleuten und den Menschen vor Ort an der Umsetzung von Ideen. 2027, genau hundert Jahre nach der weltweit beachteten Architekturschau am Stuttgarter Weissenhof, zeigt die IBA’27 ihre Ergebnisse in einer großen Ausstellung.

Gesteuert wird die Bauausstellung von der IBA’27 StadtRegion Stuttgart GmbH. Gesellschafterinnen sind die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die Architektenkammer Baden-Württemberg sowie die Universität Stuttgart. Die Gesellschafterinnen übernehmen anteilig die laufende Finanzierung der GmbH. Zusätzliche Unterstützung erhält die IBA’27 vom Land Baden-Württemberg und aus der Wirtschaft. Der Verein IBA’27 Friends e.V. fördert und initiiert Veranstaltungen und Projekte, die die IBA begleiten.

„Wir freuen uns sehr, Wolff & Müller wieder im Kreis unserer Hauptförderer begrüßen zu können“, sagt  Gabriele König, Geschäftsführerin der IBA’27. „Das erneute Engagement ist ein starkes Zeichen der Verbundenheit mit der IBA’27 und ihren Zielen. Gerade auf dem Weg ins Ausstellungsjahr 2027 ist die Unterstützung aus der Bauwirtschaft für uns von großer Bedeutung.“

Auch IBA’27-Intendant Andreas Hofer unterstreicht die Bedeutung der wieder aufgenommenen Kooperation: „Die Transformation der Städte und Gemeinden gelingt nur im Zusammenspiel von Planung, Bauwirtschaft, Politik und Gesellschaft. Deshalb ist es besonders wertvoll, dass sich Wolff & Müller erneut in die IBA’27 einbringt und den Austausch über die Zukunft des Bauens unterstützt.“

Der Stuttgarter Neckar gerät stark in den Fokus

Kritisch im Blick behalten will der Hauptsponsor das große Ganze. „Die IBA'27 hat viele gute Einzelprojekte“, sagt Albert Dürr. „Was mich umtreibt, ist die Frage nach dem übergreifenden Gedanken, der sie zusammenhält. Eine ‚Stadt am Fluss' könnte genau das sein: Ein Masterplan, der den Neckar besser zugänglich macht und ihn als Stadtraum erlebbar werden lässt, wäre für die breite Öffentlichkeit verständlich und greifbar. Dieses Potenzial bleibt auch nach der IBA.“

An die Stadt und alle verantwortlichen Parteien richtet Wolff & Müller einen Wunsch: Sie könnten noch aktiver dazu beitragen, dass die Menschen in der Stadt und Region die IBA'27 wahrnehmen und verstehen, wofür sie steht.

Engagement des Hauptsponsors im Ausstellungsjahr 2027

Neben dem finanziellen Engagement will sich das Bauunternehmen auch fachlich in den Diskurs und das Netzwerk der IBA'27 einbringen. Geplant ist eine Abendveranstaltung unter dem Motto „IBA meets Bauwirtschaft“.

Auch bei den Projekten ist Wolff & Müller vertreten: Der Steg über den Seeblickweg zwischen den Stadtteilen Neugereut und Steinhaldenfeld – eine Kombination aus Holz und Carbonbeton und damit ein Beispiel für innovatives und ressourcenschonendes Bauen – ist eines der rund 100 Vorhaben im Programm der IBA'27. Die Planung des Brückenbauwerks stammt von Harrer Ingenieure aus Ostfildern-Nellingen. Das Bauwerk ist für den Deutschen Ingenieurbaupreis nominiert.