Gartengespräch in der Wilhelma
: Wie reagieren auf den Klimawandel im Stuttgarter Kessel?

Zum ersten Mal hat das Bundesamt für Naturschutz in der Wilhelma zu einer Diskussion über das Klima und die Biodiversität eingeladen. Wie war der Austausch?
Von
Iris Frey
Stuttgart
Jetzt in der App anhören
  • Sabine Riewenherm, Thomas Kölpin, Almut Sattelberger, Leonie Fischer, Andreas Neft, Sabine Metzger, Daniela Schätzel (von rechts) beim Gartengespräch im Aquarium der Wilhelma.

    Iris Frey
  • Beim ersten Gartengespräch in der Wilhelma: Staatssekretärin Gisela Splett vom Finanzministerium Baden-Württemberg, die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Sabine Riewenherm und Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin (von links).

    Sebastian Berger
  • Das Bundesamt für Naturschutz hat zum ersten Gartengespräch in die Wilhelma Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden eingeladen. Die Veranstaltung im Aquarium ging um „Klimawandel und Biodiversität“.

    Iris Frey
  • Sabine Riewenherm lobte den Stuttgarter zoologisch-botanischen Garten: „Sie haben hier eine Schatzkammer.“

    Sebastian Berger
  • Professorin Leonie Fischer, Leiterin des Instituts für Landschaftsplanung und Ökologie der Universität Stuttgart, gab Impulse aus der Stadtentwicklung bezüglich der Anforderungen für Klimawandel und Biodiversität.

    Iris Frey
  • Nach der Diskussion ging es in mehreren Gruppen unter dem Motto „Walk and Talk“, geführt von Mitarbeitenden durch die Wilhelma.

    Sebastian Berger
  • Die Wilhelma stellt sich seit Jahren auf den Klimawandel ein und hat an der Lindenallee klimaresistente Pflanzen gesetzt.

    Iris Frey
  • Auch dieser Bereich vor dem Aquarium ist ein klimaresistentes Dauerbeet.

    Iris Frey
  • Sowohl die Mammutbäume in der Wilhelma als auch die Magnolien wie hier im Maurischen Garten haben Feuchtigkeitsmesser wegen der zunehmenden Trockenheit, die den Bäumen zu schaffen macht.

    Iris Frey
1 / 9

Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Sabine Riewenherm, äußerte beim Gartengespräch in der Wilhelma vor rund 100 Teilnehmern aus Politik, Wissenschaft und Verbänden eine klare Forderung: „Wir brauchen nicht nur Schwammstädte, sondern auch Biodiversitätsstädte.“ Also Städte mit vielen naturnahen Lebensräumen, Bäumen und Grünflächen. Mit Blick auf den Veranstaltungsort, den zoologisch-botanischen Garten in Stuttgart, betonte sie: „Sie haben hier eine kleine Schatzkammer“, und auch die Stadt biete Möglichkeiten der Verbindung durch die grünen Adern.

Gisela Splett: Stuttgarter Zoo weckt Begeisterung

Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (Grüne) beschrieb den Stuttgarter Zoo als einen Ort, der „Begeisterung weckt für die Artenvielfalt und das Bewusstsein für die Biodiversität, auch mit den großen botanischen Sammlungen“. Sie sei beeindruckt von der wissenschaftlichen Arbeit und dem Einsatz der Parkpflege.

Preisgekröntes Schmetterlingsschutz-Projekt

Die Wilhelma kooperiert seit fünf Jahren mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und hat 2021 den Landesnaturschutzpreis der Stiftung Naturschutzfonds für ein Schmetterlingsschutz-Projekt erhalten. Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin verwies darauf, dass der Stuttgarter Zoo auch für etliche Biotope in der Stadt verantwortlich ist und die Botanik mit dem internationalen Samentausch auch Pflanzen wieder in die Natur zurückbringe. Die Wilhelma kümmere sich zugleich weltweit um 40 Projekte im Artenschutz.

Impulse gab zudem Professorin Leonie Fischer, die Leiterin des Instituts für Landschaftsplanung und Ökologie der Universität Stuttgart. Die ausgebildete Landschaftsgärtnerin berichtete, wie bei Stadtentwicklung und Bauten die Anforderungen für den Klimawandel und die Biodiversität integriert werden können. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Urbaninsects“ vom Institut für Akustik und Bauphysik der Universität Stuttgart, Daniela Schätzel, erklärte begeistert, wie problemlos sich Insektenhotels bei energetischen Gebäudesanierungen einbauen lassen.

Klimaanpassungskonzept mit 70 Maßnahmen

Die Stadt Stuttgart verzeichnet zunehmend Hitzetage. Das bestätigte auch Andreas Neft, der Leiter des Amtes für Umweltschutz der Stadt Stuttgart. Stuttgart sei aufgrund der dicht bebauten Kessellage auf dem Weg zur heißesten Stadt Deutschlands zu werden. Unter der Federführung des Umweltamts arbeite deshalb die Verwaltung an einem Klimaanpassungskonzept mit 70 Maßnahmen. Bei der Begrünung von Gebäuden sieht Neft noch viel Potenzial. Und er betonte mit Blick aufs Bauen: „Barrieren für Kaltluftschneisen kosten Geld und Quadratmeter.“

Mehr Kleingärten in Stuttgart gefordert

Dass Stuttgart eine Gartenstadt ist, betonte Sabine Metzger, Erste Vorsitzende des Bezirksverbands der Gartenfreunde Stuttgart. Doch es gebe in der Landeshauptstadt noch zu wenig Schrebergärten. „Wir arbeiten ehrenamtlich, um die Kosten niedrig zu halten, doch es ist wichtig, den Menschen die Zugänge zu Kleingärten zu ermöglichen.“

Naturschutz fange klein an. Fischer betonte, dass es besonders für kleine Kinder wichtig sei, Natur und Artenvielfalt kennenzulernen, damit sie sich später dafür einsetzen. Dazu passte der Hinweis von Almut Sattelberger, Naturschutzreferentin beim BUND-Landesverband Baden-Württemberg, die von einem erfolgreichen Wildbienen-Projekt an einer Schule berichtete.

„Aufträge für Parkpflege nicht dem Billigsten geben“

Mit Blick auf Biodiversität und Qualität bei der Parkpflege in den Städten forderte Neft unter Beifall: „Alle Städte können noch zulegen und ihre Aufträge nicht einfach dem Billigsten geben.“ Wie sich die Wilhelma vor Ort seit Jahren auf den Klimawandel einstellt, zeigten die Mitarbeiter beim anschließenden „Walk and Talk“. So gibt es schon seit längerem Feuchtigkeitsmesser bei den Mammutbäumen, die unter Trockenheit leiden und Wechselflorbeete wurden in klimaresistente Dauerbeete umgewandelt.

StN Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.30 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.