Cannstatter Wasen: Wohnungslose wegen des Volksfests vertrieben?

Alles blitzeblank unter der Brücke – doch daran wird jetzt deutliche Kritik geübt. Was sagt die Stadt dazu?
privatSollen die Schattenseiten des Lebens in Stuttgart das Vergnügen auf dem Cannstatter Volksfest nicht stören? Recht blitzeblank präsentiert sich der Platz unter der König-Karls-Brücke am Rand des Wasens – doch ein Graffito an einem Pfeiler erweckt den Eindruck und erhebt den Vorwurf, die für Sicherheit und Sauberkeit zuständigen Behörden hätten die Szene der Wohnungslosen kurzfristig räumen lassen.
Tatsächlich ist die Aktion in der Unterführung unter der König-Karl- und Mercedesstraße wohl auf die Polizei zurückzuführen. „Wir haben der Stadt den Hinweis gegeben, dass der Platz sehr vermüllt ist“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Matratzen, Sperrmüll aller Art. Mehr hätten die Beamten des Reviers Wiesbadener Straße aber nicht unternommen. Es habe ihrerseits keine Platzverweise, keine Räumung gegeben. Der Hinweis auf die Vermüllung sei lange vor der Eröffnung des Volksfests erfolgt: „Am 17. September“, sagt Polizeisprecher Widmann.
„Der öffentliche Raum gehört allen“
Und die Verwaltung hat reagiert: „Die Stadt ist verpflichtet, im öffentlichen Raum für hygienische Zustände zu sorgen“, sagt Susanne Kaufmann, Sprecherin des Oberbürgermeisters. Auch in der Unterführung: Mitarbeiter des Ordnungsamts hätten dort ein Lager vorgefunden, „mit Einkaufswägen, Matratzen und nach Augenschein deutlich vermüllt“. Die Menschen dort seien am 20. September aufgefordert worden, das Lager zu räumen, dem seien sie nachgekommen. Die Überreste seien am 23. September von der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) entsorgt worden.
Die OB-Sprecherin vermag an dem Vorgang kein Grund zur Kritik erkennen. Gerade während der Wasen-Zeit bewegten sich täglich Tausende von Menschen durch diese Unterführung. „Sie dürfen von der Stadt erwarten, dass sie sich in einem guten und sauberen Zustand befindet“, so Susanne Kaufmann. „Der öffentliche Raum gehört allen, alle sollen sich dort gerne aufhalten und wohlfühlen.“
Freie Plätze in Notübernachtungen
Gleichzeitig seien die Lagernden unter der König-Karls-Brücke über die Angebote der Sozialdienste informiert worden – denn auch die aufsuchende Sozialarbeit zähle zu den städtischen Aufgaben. „In den zentralen Notübernachtungen gibt es noch freie Plätze“, so die Sprecherin der Stadt. Das Nächtigen im öffentlichen Raum dagegen sei in Stuttgart von 20 bis 6 Uhr grundsätzlich verboten.