Cannstatter Volksfest
: Im Rollstuhl über den Wasen: Das Volksfest im Praxistest

Lucas Zehnle testet den Cannstatter Wasen im Rollstuhl. Wie barrierefrei ist das Volksfest für Menschen mit Behinderung?
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red/epd
Stuttgart
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Wie barrierefrei ist das Volksfest für Menschen mit Behinderung? (Symbolfoto)

IMAGO / Arnulf Hettrich
  • Ein Rollstuhlfahrer testete den Cannstatter Wasen auf Barrierefreiheit.
  • Er nutzte Schießstand, Kraftmesser, Dosenwerfen, Achterbahn und Autoscooter.
  • Fazit: Vieles klappte besser als erwartet, teils gab es Hürden und zu hohe Theken.
  • Freizeitparks zeigen ein gemischtes Bild – Europa-Park bietet zahlreiche Anpassungen.
  • Gesetzgebung: Seit Juni 2025 digitale Barrierefreiheit, Reform des BGG wird beraten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Pfeil landet knapp neben dem Ziel. Lucas Zehnle lacht, gibt den Bogen zurück und sagt: „Es scheint wohl, als ob aus mir kein Bogenschütze mehr wird.“ Zuvor war er im Rollstuhl an den Schießstand gefahren und hatte von einer Frau den Bogen entgegengenommen. Zehnle ist Rollstuhlfahrer und Volksfest-Fan. Auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart, der an diesem Freitag (25. September) wieder beginnt, hat er im vergangenen Jahr getestet, wie barrierefrei das Gelände für ihn ist.

Das Volksfest zählte 2025 rund 4,2 Millionen Besucher – darunter auch zahlreiche Menschen mit Behinderung. Eine amtliche Statistik zu Rollstuhlnutzern gibt es in Deutschland nicht. Geschätzt wird ihre Zahl bundesweit auf rund 1,5 Millionen Menschen. Überträgt man diesen Anteil auf Baden-Württemberg, ergibt sich eine Größenordnung von bis zu 200.000 Personen – eine Modellrechnung, keine Erhebung.

„Hau den Lukas“ im Sitzen

Sein Programm für den Tag hat sich Rollstuhlfahrer Zehnle vorher zurechtgelegt. Achterbahn fahren gehört dazu, sonst sei „irgendwie kein richtiges Rummelgefühl“, außerdem Autoscooter. „Und irgendwas abwerfen muss auch sein“, sagt er. An der Station zum Kraftmessen spricht Zehnle mit dem Schausteller, nimmt den großen Hammer und holt aus. „Der ist schon extrem schwer“, sagt er. Am Dosenwerfstand greift Zehnle nach den Bällen und wirft auf die Pyramide. Selbstkritisch kommentiert er: „Ich bin so ein schlechter Werfer.“

Am Ende zieht er Bilanz. An vielen Ständen konnte er die Aktivitäten besser ausführen, als er das erwartet habe, sagt er. Es habe allerdings auch Buden gegeben, an denen es schwieriger gewesen sei: Das betreffe zum einen Hürden beim Hinkommen, zum anderen die Höhe der Ladentheke, über die er nicht immer habe schauen können.

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Barrierefreier Autoskooter. 175. Cannstatter Volksfest auf dem Cannstatter Wasen. Ohne Corona-Beschränkungen werden bis zum 9. Oktober 3,5 Millionen Besucher beim Stuttgarter Traditionsfest erwartet. // 25.09.2022: DEU, Deutschland, Baden-Württemberg, Stuttgart. *** Barrier-free bumper car 175 Cannstatter Volksfest at the Cannstatter Wasen Without Corona Restrictions 3.5 million visitors are expected at the traditional Stuttgart festival until October 9 25 09 2022 DEU, Germany, Baden Württemberg, Stuttgart

Der Autoskooter bot in der Vergangenheit Barrierefreiheit an (Archivfoto).

IMAGO/Arnulf Hettrich

Das Bild in der Freizeitbranche ist auch jenseits des Cannstatter Wasens uneinheitlich. Große Anbieter wie der Europa-Park in Rust haben Attraktionen umgerüstet, halten Rollstuhlplätze bei Shows vor und betreiben rund 20 rollstuhlgerechte Toiletten. In anderen Parks dagegen können Rollstuhlfahrer nach Erfahrungsberichten von Betroffenen kaum ein Fahrgeschäft nutzen. Vollständige Barrierefreiheit gilt bei Achterbahnen wegen der Sicherheitsvorgaben der Hersteller ohnehin als kaum erreichbar.

Gesetzgeber will Barrierefreiheit stärken

Politisch ist das Thema in Bewegung. Seit Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz die Privatwirtschaft zu digitaler Barrierefreiheit, physische Räume erfasst das ausdrücklich nicht. Über eine Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes berät der Bundestag seit der ersten Lesung im Mai 2026. In der Anhörung im Juni bewerteten Sachverständige den Entwurf als unzureichend, vor allem weil die Privatwirtschaft baulich gar nicht in die Pflicht genommen werde und Betroffene ihre Rechte nur schwer einklagen könnten.