Marbacher Alexanderkirche
: Wunderschön, aber total krank – Prächtiger Baum in Marbach steht vor Exitus

Immer wieder posieren Hochzeitspaare unter der Esche der Alexanderkirche in Marbach (Kreis Ludwigsburg). Der schöne Baum soll nun aber gefällt werden – droht jetzt wieder Protest?
Von
Oliver Schaewen
Ludwigsburg
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Die Esche von vorne und hinten aus gesehen – sie ziert die Alexanderkirche, muss jedoch nun weichen.

Werner Kuhnle

Bäume genießen in Marbach einen hohen Stellenwert. Das hat im Vorjahr der Widerstand gegen die geplante Abholzung einer Eiche vor der Filiale der VR-Bank am König-Wilhelm-Platz gezeigt. Auch gegen das Aus einer Linde vor der Stadtbücherei regte sich unlängst Protest. In vorauseilender Umsicht, um Ärger mit Baumschützern zu vermeiden, kündigt die evangelische Kirchengemeinde das Abholzen einer etwa 120 Jahre alten Esche vor der Alexanderkirche an und bezeichnet den Schritt als unabwendbar.

Bei der Esche handelt es sich nicht um irgendeinen Baum. Wer sich dem spätgotischen Juwel, das die Alexanderkirche an exponierter Stelle darstellt, nähert, dem fällt sofort auch das hohe Gewächs auf dem Kirchplatz auf. Hochzeitspaare posieren vor ihr, Kirchenbesucher finden unter ihr Schatten – angesichts des emotional stark besetzten Themas bittet die Kirchengemeinde um Verständnis dafür, dass sie die Besucher des Kirchplatzes vor herabstürzenden Ästen schützen will.

Blick von oben: Auf dem Kirchplatz sind Besucher durch herabfallende Äste gefährdet.

Foto: Werner Kuhnle

Krank sei der Baum, erklärt Jochen Wittlinger, Mitglied des Kirchengemeinderats und im Bauausschuss. Er ist schon seit fast einem Vierteljahrhundert mit der Alexanderkirche vertraut. „Der Baum fault aufgrund des Eschentriebsterbens“, sagt Wittlinger, der den Rat eines Gutachters einholte, nachdem er auf die Stadtverwaltung zugegangen war. Die Verantwortlichen der Stadt rieten der Kirchengemeinde, den Baum näher untersuchen zu lassen.

Der Bereich um die Esche ist abgesperrt

Die Kirchengemeinde trennt sich ungern von dem Baum, erklärt Wittlinger. Herabfallende Äste können jedoch Teilnehmer des Kirchencafés gefährden. Das Café findet in den Sommermonaten immer draußen statt und bietet Gelegenheit, nach dem Gottesdienst miteinander ins Gespräch zu kommen.

Den Bereich unmittelbar am Baum sowie das darunterliegende Grundstück habe man absperren lassen. Gefällt werden soll der Baum nach dem 1. Oktober, da dann das Verbot während der Vegetationszeit endet. Eine Neupflanzung ist laut Kirchengemeinde in Planung.

In den vergangenen Monaten wurden Baumfällungen in Marbach immer wieder durch die Naturschutzverbände Nabu und BUND kritisch begleitet – zum Leidwesen von Stadt und Gemeinderat, die in der jüngsten Vergangenheit keine Baumschutzsatzung wie etwa in Ludwigsburg beschließen wollten. Obwohl die Kirchengemeinde nun selbst einen alten Baum fällt, bewertet sie das Engagement der Naturschützer positiv.

„Im Zweifel muss bei Bauprojekten nach wie vor eher die Natur weichen“, beobachtet Ekkehard Graf, geschäftsführender Pfarrer der Kirchengemeinde und Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Marbach. „Wer sich dem widersetzt, neigt meines Erachtens nicht zum Dogmatismus, sondern befindet sich meist am kürzeren Hebel gegenüber profitorientierten Unternehmen.“

Die gerettete Eiche ist laut Dekan ein erfreuliches Beispiel

Der nicht gefallene Baum an der Volksbank war laut Graf „ein seltenes, aber umso erfreulicheres Gegenbeispiel“. Hingegen handele es sich bei der geplanten Abholzung der unrettbar kranken Esche an der Alexanderkirche um einen Tausch: „alt und krank gegen neu und gesund“.

Was den Zustand der Natur in der Region wie auch allgemein angeht, denkt der Dekan aber noch weiter: „Persönlich bin ich davon überzeugt, dass wir in Deutschland endlich von der unsäglichen Versiegelung des Erdbodens wegkommen müssen.“ Es gehe darum, gute Möglichkeiten zu schaffen, dass Flora, Fauna und Menschen „in einem guten Miteinander“ leben.

Zu einem besseren Verhältnis zur Natur gehören laut Graf auch viele Bäume inmitten urbaner Siedlungen, weniger Asphalt auf den Straßen und kreative Ideen, Gebäude zu begrünen. Theologisch lasse sich das untermauern mit dem biblisch beschriebenen Auftrag Gottes an die Menschheit, „die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren“.