Viessmann übernimmt Zweites Leben für Modellbau Vollmer

Von Konstantin Schwarz 

Firmenchefin Susanne Vollmer mit einem Dauerbrenner aus dem Programm, dem Bahnhof Neuffen Foto: Peter Petsch
Firmenchefin Susanne Vollmer mit einem Dauerbrenner aus dem Programm, dem Bahnhof Neuffen Foto: Peter Petsch

Im Juni hat sich die Modelleisenbahnfirma Vollmer in Zuffenhausen von der Kundschaft verabschiedet. Nun wird Vollmer durch die Viessmann Modellspielwaren GmbH wiederbelebt.

Stuttgart - Die Miniaturhäuschen für Modellbahnen der Traditionsmarke Vollmer sollen weiter produziert werden. „Wir haben die Lizenz an der Marke und alle Werkzeuge erworben“, sagt Wieland Viessmann, Geschäftsführer der Viessmann Modellspielwaren GmbH aus der Kleinstadt Hatzfeld (Hessen).

Der 64-jährige Unternehmer, mit den Eigentümern der bekannten Heiztechnik-Firma verwandt, ist in der Modellbau-Branche kein Unbekannter. Der gelernte Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker hatte sich 1988 selbstständig gemacht und seine ersten H0-Modelle – verschiedene Leuchten – auf den Markt gebracht. Seit 1993 produzierte er auch in Ungarn.

2010 griff Viessmann zu und übernahm die ins Trudeln gekommene Marke Kibri. Die Kindler und Briel GmbH war 1895 in Böblingen gegründet worden. Viessmann hatte seit 2009 in Ungarn für Kibri Zubehör in Kunststoff-Spritzgusstechnik produziert. Mit der Übernahme des Namens und der Werkzeuge stieg Viessmann in den Markt der Gebäude- und Fahrzeugmodelle ein.

Über den Erwerb von Vollmer war in der Branche seit Dezember 2013 spekuliert worden. Geschäftsführerin Susanne Vollmer hatte damals den „geordneten Rückzug“ aus einem schrumpfenden Markt angekündigt. Der Fachhandel war nach der Spielwarenmesse Ende Januar in Nürnberg mit den letzten Neuheiten des 1946 gegründeten Herstellers versorgt worden. Betriebsgebäude und das 6000 Quadratmeter große Grundstück in Zuffenhausen gingen an den Autobauer Porsche.

Vor allem die Spritzguss-Formen bilden im Modellbau den eigentlichen Firmenwert. „Dazu kommt der Marktzugang“, kommentierte Horst Neidhard, Geschäftsführer des Konkurrenten Faller (Gütenbach im Schwarzwald) die Entwicklung. Faller war vor Jahren selbst ein Übernahmekandidat. „Seit der Planinsolvenz stehen wir vernünftig da“, sagte Neidhard. Wenn Vollmer anklopfe, „sprechen wir, aber nicht über jeden Preis“, hatte er Interesse signalisiert.

Wieland Viessmann sagt, man habe kurze, erfolgreiche Verhandlungen mit Vollmer geführt, und man könne sicherstellen, dass die Marke fester Bestandteil am Modellbahnmarkt bleibe. „Der Kunde hat ein Markendenken und liebt den romantischen Stil von Vollmer“, so Viessmann. Die Traditionsmarke habe eine große Fangemeinde.

Vollmer hatte insgesamt rund 1000 Modelle im Programm, für die rund 4000 Formen benötigt werden. Weil es Überschneidungen mit Kibri gibt und sich zum Beispiel „Baureihen mit Fachwerkhäusern ähneln“, könnten nur 70 bis 80 Prozent weitergeführt werden. Die Werkzeuge seien von einer ausländischen Viessmann-Tochterfirma erworben und bereits abgeholt worden. „Sie sind sehr gepflegt“, lobt Viessmann. Sein Unternehmen hatte in der jüngsten veröffentlichten Bilanz (2012) rund 100 000 Euro Überschuss ausgewiesen. „Wir stehen gesund da, bei der langfristigen Finanzierung des Kaufs hat uns der niedrige Zins geholfen“, sagt der 64-Jährige, der Nachfolger in der eigenen Familie sieht. Gekauft hat Viessmann „nur“ den Namen, Werkzeuge und Lagerware. Eine komplette Betriebsübernahme wäre steuerlich anders betrachtet worden, außerdem hätte das Personal mit übernommen werden müssen. Geschäftsführerin Susanne Vollmer wollte am Freitag zum Verkauf keine Stellung nehmen.

Bereits montierte Schaustücke, einige kleine Anlagen und den Rest der früheren Betriebsausstattung hat nach wie vor die Herrenberger Firma Liquitrade im Angebot. Von ursprünglich über 1000 Vollmer-Artikeln stehen noch rund 100 auf der Liquit­rade-Homepage, darunter eine Spritzgussmaschine und das Vorratssilo für Polystyrol-Granulat sowie diverse Regale zwischen 20 und 12 000 Euro. Der Verkauf sei bisher „ganz ordentlich gelaufen“, sagt Liquit­rade-Geschäftsführer Alexander Schulze.

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