Ticketpreise, Innenministerkonferenz, Spielunterbrechung: Die Aktionen und Themen auf den Rängen waren zahlreich – und werden nun ein Nachspiel haben.
Die Fans des VfB Stuttgart und des FC Bayern stehen sich ja nicht gerade freundschaftlich gegenüber, während des Endspiels um den DFB-Pokal aber herrschte auf den Rängen vorübergehend Einigkeit. Zu Beginn der zweiten Hälfte gingen in beiden Kurven mehrere Protestplakate gegen Verbände und Politik in die Höhe, ein durchgestrichenes DFB-Logo wanderte zudem über die Gegengerade in Richtung Ostkurve. Die Wortwahl war in Teilen verunglimpfend, begleitet durch beleidigende Gesänge. Aber worum ging es eigentlich in der Sache? Um mehrere Themen.
Die Bayern-Fans kritisierten die hohen Kosten für den Besuch des Endspiels – auf den Transparenten war die Rede von „Mondpreisen“, die Tickets der günstigsten Kategorie seien im Stadionplan „nur mit der Lupe“ zu finden. Der DFB hatte die Preise im Vergleich zum Vorjahr in einigen Bereichen erhöht, in Summe bewegten sie sich auf einem Rekordniveau mit 195 Euro, 150 Euro, 80 Euro und 45 Euro pro Karte. Die zweitgünstigste Kategorie umfasste dabei bereits weite Teile der Kurven.
Alexander Wehrle: „Wünsche mir, dass das nicht zu Spielunterbrechungen führt“
Auf den Plakaten der Stuttgarter Anhänger war derweil die anstehende Innenministerkonferenz Thema, die am 17. Juni in Hamburg beginnt und auf der über eine Verschärfung der Richtlinien für Stadionverbote diskutiert werden dürfte. Das Ganze birgt großes Konfliktpotenzial mit gegensätzlichen Positionen. Während die Politik präventive Verbote als effektives Mittel zur Fernhaltung von Störern betrachtet, sehen viele Fans darin eine ungerechtfertigte Maßnahme ohne Beweis der Schuld – was die Stuttgarter Fans auf mehreren Transparenten kundtaten.
Klar ist, dass die Proteste vom Wochenende ein Nachspiel haben werden. Der Kontrollausschuss des DFB beschäftigt sich mit den Ereignissen – und hat dabei nicht nur die vielen Transparente im Blick: Zum Abschluss der abgestimmten Aktion zündeten beiden Fanlager massenhaft Pyrotechnik, die daraus resultierende Rauchentwicklung führte zu einer mehrminütigen Spielunterbrechung durch Schiedsrichter Sven Jablonski.
Die Pyros und Plakate werden dem VfB nun eine hohe Strafe einbringen, die sich im sechsstelligen Bereich bewegen dürfte. Pro Fackel berechnet der DFB bei Bundesligisten 1000 Euro, für ein illegales Banner sind je nach dessen Größe zwischen 2000 und 8000 Euro fällig. Auch die Spielunterbrechung hat Folgen: Bei einer Dauer zwischen einer und fünf Minuten erhöhen sich Geldstrafen um 50 Prozent.
Diese Zwangspause zu Beginn der zweiten Hälfte des Endspiels hatte auch der VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle nicht gutgeheißen. „Generell ist es so, dass wir die Fankultur unterstützen“, so Wehrle. Er wünsche sich jedoch, „dass es nicht zu Spielunterbrechungen führt, weil der Fußball schon die 90 Minuten im Mittelpunkt stehen sollte.“ Dass das Thema nicht schnell abhakt sein wird, zeigt der Blick zurück: 2025 kam drei Monate nach dem Zünden von Pyros durch VfB-Fans im Pokalfinale gegen Arminia Bielefeld das Urteil des DFB – inklusive einer stattlichen Rechnung in Höhe von 350.000 Euro. Ein ähnliches Ausmaß wäre dieses Mal keine Überraschung.