Kaum zu stoppen: Chris Führich (rechts) gegen den FC Augsburg (links der Ex-Stuttgarter Fabian Rieder) Foto: Baumann/Alexander Keppler

Der Flügelstürmer des VfB kämpft sich nach einer mühsamen Hinrunde nicht zum ersten Mal in seiner Karriere zurück. Folgt ihm bald Teamkollege Maximilian Mittelstädt?

Manchmal kann es ganz schnell gehen. Vor wenigen Tagen noch hatte Chris Führich das Thema Nationalmannschaft kategorisch beiseite geschoben, den alleinigen Fokus auf den VfB Stuttgart gerichtet. „Ich konzentriere mich einfach voll und ganz auf meine Leistung hier. Und was am Ende kommt, das sieht man dann.“ Was kam? Die Berufung ins DFB-Team. Am Montag nominierte Bundestrainer Julian Nagelsmann sowohl Führich als auch dessen VfB-Teamkollegen Angelo Stiller nach, beide stehen im Aufgebot für die kommenden Länderspiele am Freitag (20.45 Uhr) in der Schweiz und am kommenden Montag (20.45 Uhr) in Stuttgart gegen Ghana.

 

Nun hat das Nachrücken des Stuttgarter Duos natürlich damit zu tun, dass durch die Ausfälle von Felix Nmecha (Borussia Dortmund) und Aleksandar Pavlovic (FC Bayern) zwei Kaderplätze freigeworden sind. Aber: Beide VfB-Profis haben sich mit ihren Leistungen auch selbst ins Blickfeld gespielt, worauf der Sportvorstand ebenfalls verweist. „Ange ist Dreh- und Angelpunkt innerhalb unserer Spielidee“, sagt Fabian Wohlgemuth über Mittelfeld-Taktgeber Stiller – und betont mit Blick auf Führich: „Chris ist schon seit Wochen in außergewöhnlicher Form.“ Auf der linken Außenbahn sorgt der 28-Jährige nun schon über einen längeren Zeitraum mit seinen Dribblings für Torgefahr, steht in diesem Kalenderjahr bereits bei vier Torvorlagen und agiert sichtbar selbstbewusst.

Auch Maximilian Mittelstädt überzeugt auf der linken Seite

Zuletzt beim FC Augsburg (5:2) fußte das Ganze wesentlich auf dem Zusammenspiel mit seinem Hintermann: Mit Außenverteidiger Maximilian Mittelstädt bildete Führich eine starke linke Seite, über die nahezu jeder Angriff lief und die der FCA nie in den Griff bekam. Ein Schlüssel zum Erfolg: Die unterschiedlichen Profile der beiden sorgen dafür, dass die Angriffsschemata nur schwer auszurechnen sind. Oft zieht Rechtsfuß Führich in die Mitte und wird von Linksfuß Mittelstädt hinterlaufen. Für den VfB ergibt das mehrere Optionen – und für den Gegner mehrere Baustellen bei der Verteidigungsarbeit.

„Wir haben uns direkt nach dem Spiel schon gesagt, dass wir uns gut fühlen auf der Seite. Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können“, sagt Mittelstädt. „Wir sind da sehr variabel, wenn Chris nach innen geht und ich hinterlaufe.“ Und auch Cheftrainer Sebastian Hoeneß lobte sein Duo ausdrücklich: „Sie waren enorm gefährlich, haben gut zusammengespielt und viel initiiert.“

Julian Nagelsmann nominierte Chris Führich und Angelo Stiller vom VfB nach. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Im Gegensatz zu Führich hat es für Mittelstädt nicht gereicht für eine DFB-Nominierung, David Raum (RB Leipzig) und Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt) liegen in der Gunst des Bundestrainers vorne. Und das nicht erst seit Kurzem: Zum dritten Mal in Folge ist Mittelstädt nicht bei einem DFB-Lehrgang dabei – und da es sich um den letzten vor Weltmeisterschaft handelt, hat das schon eine besondere Tragweite. Abgehakt hat Mittelstädt die Teilnahme am Turnier im Sommer aber noch nicht: „Es sind noch zwei Monate. Es ist ein Tagesgeschäft, da kann viel passieren. Da sind zwei Monate eine sehr lange Zeit. Daher ist noch ein bisschen Hoffnung da.“ Er kann sich dabei auch auf ein Gespräch mit Bundestrainer Nagelsmann stützen. Der erklärte ihm, so Mittelstädt, dass die Türe noch nicht zu sei und er weiter Gas geben solle. „Das werde ich machen.“

Der Blick zu Führich zeigt, dass die Sache mit der offenen Türe keine Floskel ist – und dass auch von sehr weit unten der Weg zurück in die Nationalmannschaft führen kann. In der Hinrunde nämlich war Führich weit weg von jedweden DFB-Ambitionen, auch beim VfB spielte er nur eine Nebenrolle mit wenigen Startelf-Einsätzen. „Eine schwere Phase“ attestierte Hoeneß ihm im Oktober 2025: „Chris hatte sicher schon Phasen, in denen er mehr Freude hatte.“

Zugleich hat der 28-Jährige in seiner Karriere schon einige Male Kämpferqualitäten bewiesen. In den Nachwuchsleistungszentren schaffte er mehrfach nicht den Sprung in die nächste Jahrgangsstufe und kam erst im Alter von 22 Jahren beim Zweitligisten SC Paderborn zu regelmäßigen Profi-Einsätzen. Jetzt ist er zurück im Fokus und auf der großen Bühne – gemeinsam mit fünf weiteren Stuttgartern beim DFB: Torhüter Alexander Nübel, Rechtsverteidiger Josha Vagnoman, Mittelfeldakteur Angelo Stiller, Flügelspieler Jamie Leweling und Stürmer Deniz Undav.