Doppeltes Finale für den VfB: Im DFB-Pokal in Berlin geht es um den Titel, doch im Bundesliga-Endspurt in Frankfurt winken die Tickets zur Königsklasse – und ein Haufen Geld.
Es gab beim VfB mal einen Cheftrainer, der hatte vor seinem Einstieg auf dem Wasen bereits 21 Titel gesammelt. Das schützte den erfolglosen Giovanni Trapattoni allerdings nicht davor, in der Saison 2005/06 nach nur sechs Monaten auf der Stuttgarter Trainerbank wieder entlassen zu werden.
Sebastian Hoeneß ist dagegen bereits mehr als drei Jahre der Chefcoach bei den Weiß-Roten. Anders als bei „Trap“ steht bei dem 44-Jährigen allerdings erst ein Titel auf der Habenseite: der Gewinn des DFB-Pokals aus der Vorsaison. Doch was nicht ist, das kann ja noch werden. Schließlich ist auch bei Hoeneß ein großer Titelhunger auszumachen: Bei mehr als 50 Saisonspielen in drei Wettbewerben rochierte der Trainer sein Spielerpersonal teils munter durch; Pokalspiele genossen bei Hoeneß dabei aber personell stets höchste Priorität.
Nun stehen für den Coach und sein Team gleich zwei Endspiele an: Vor dem DFB-Pokalfinale am 23. Mai gegen den FC Bayern München geht es an diesem Samstag (15.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga um Platz vier – und damit um die Champions-League-Tickets. Das ist ein Doppelpack der Extraklasse – und es stellt sich die Frage: Ist das Endspiel vor dem Endspiel in Berlin nicht eigentlich das Wichtigere?
Eine Trophäe gibt es im Bundesliga-Kehraus in Frankfurt zwar nicht zu holen – und doch steht in dieser Partie finanziell gesehen erheblich mehr auf dem Spiel als sieben Tage später in der Hauptstadt. Schließlich würde ein Sieg den VfB, der die um fünf Treffer bessere Tordifferenz als die punktgleichen Hoffenheimer besitzt, ziemlich sicher in die Champions League bringen.
Schlägt der VfB hingegen die Über-Bayern aus München im Pokal, dann wäre das angesichts der Dominanz des Meisters in der Bundesliga zwar ein sportlicher Mega-Coup und Titel Nummer zwei für Hoeneß und sein Team. Dieser würde sich aber in der kommenden Runde international nicht auswirken. Denn der Pokalsieger erhält zwar immer einen Startplatz in der Europa League – eine Regelung, von welcher der VfB als Bundesliga-Neunter in der Vorsaison profitierte. Doch in dieser Saison ist man ja bereits über die Liga qualifiziert.
Besiegt der VfB derweil die Frankfurter, katapultiert er sich hinauf in die Beletage des europäischen Fußballs – mit zahlreichen positiven Nebeneffekten: So besitzt die Champions League für jeden Profi eine ganz besondere Anziehungskraft. Die Spieler wollen die Hymne hören, heißt es. Schließlich steigert dies den eigenen Marktwert – und bringt Vorteile bei Vertragsverlängerungen oder Nominierungsrunden für die Nationalmannschaft. Zudem besitzen die meisten Spitzenfußballer Klauseln mit hohen Leistungsprämien für Einsätze in der Champions League.
Aber auch der Verein würde profitieren von dem Vergnügen, wieder in der Königsklasse dabei zu sein: Etwa wenn es darum geht, gefragte Neuzugänge nach Stuttgart zu holen. Doch alles überragend ist der finanziellen Unterschied zwischen Champions- und Europa League. So hat der VfB in der Vorsaison in der Königsklasse stolze 42,9 Millionen Euro allein an Prämien eingenommen.
Dagegen spülte in dieser Runde die Europa League „nur“ rund 13 Millionen Euro an Prämien in die Kasse – obwohl man anders als im Vorjahr die Ligaphase und die darauffolgende Play-off-Runde überstand. Das macht einen Unterschied von rund 30 Millionen Euro allein an Prämieneinnahmen zwischen beiden Wettbewerben. Dies ist die immense Summe, die unter anderem an diesem Samstag im Eintracht-Stadion auf dem Spiel steht. Da kann das Pokalfinale, wo der Sieger mit 4,3 und der Verlierer 2,9 Millionen Euro kassieren, bei aller Tradition und Emotionalität nicht mithalten.
Zumal sich die sportlichen Chancen gerade gegenteilig zum finanziellen Wert der Partie verhalten. So bekamen die VfB-Fans erst Mitte April beim 2:4 in München gegen eine B-Elf der Bayern vor Augen geführt, wie groß der sportliche Unterschied zwischen beiden Teams ist. Doch Trainer Hoeneß sagt: „Wir müssen nicht zehn, sondern nur ein Spiel gegen sie bestreiten.“ Und in einer Partie sei bekanntlich immer alles möglich.
Deutlich größer erscheint dennoch die Siegchance bei der Frankfurter Eintracht. Die ringt zwar im Dreikampf mit dem SC Freiburg und dem FC Augsburg am letzten Bundesliga-Spieltag um den Einzug in die Conference League, ist aber in sportlichen Krisenzeiten durch den autoritären Stil ihres Trainers Albert Reira zusätzlich in hausgemachte Turbulenzen geraten.