Das Ziel ist klar: Sebastian Hoeneß und Deniz Undav wollen mit dem VfB ins Halbfinale des DFB-Pokals. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Die Stuttgarter stellen sich auf ein unangenehmes Viertelfinale beim Zweitligisten ein – aus mehreren Gründen. Was der Trainer von seiner Mannschaft fordert.

Gastiert der Favorit beim Außenseiter, geht es im Vorfeld ja immer auch ums Warnen und Mahnen. Nur nicht unterschätzen, bloß kein Spannungsabfall, voller Fokus. Sebastian Hoeneß muss bei diesen Appellen gar nicht im Theoretisch-Abstrakten bleiben, der Trainer des VfB Stuttgart kann vor dem Viertelfinale im DFB-Pokal bei Zweitligist Holstein an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) auf sehr konkretes Anschauungsmaterial zurückgreifen: Vor knapp einem Jahr hatten die Stuttgarter im Holstein-Stadion arge Probleme, erreichten vor allem in der ersten Hälfte nicht die Intensität des Gegners und mühten sich im März 2025 beim späteren Bundesliga-Absteiger zu einem 2:2-Unentschieden. Auch heute, elf Monate später, ist dieser Nachmittag noch präsent. „Ich habe das Spiel noch sehr gut im Kopf“, sagt Hoeneß, „es war kein gutes Spiel, das haben wir nicht gut in Erinnerung.“

 

Dass es in Kiel ungemütlich werden kann, ist also verbrieft. Und: Alles spricht dafür, dass genau das auch am Mittwochabend der Fall sein wird: Das Holstein-Stadion ist ausverkauft, der Gegner hochmotiviert – und die äußeren Verhältnisse dürften herausfordernd werden. Es sind Minustemperaturen vorausgesagt, durch den starken Wind wird sich das Ganze nochmals kälter anfühlen, zudem ist der Rasen laut Hoeneß „zumindest aus der Ferndiagnose nicht der Beste“ – was das Fußballspielen für den Favoriten nicht gerade erleichtern wird. Der Stuttgarter Trainer betont deshalb: „Die Bedingungen werden anspruchsvoll sein. Das müssen wir wissen, darauf haben wir auch schon hingewiesen.“ Zugleich dürfe das am Ende nicht im Ansatz ein Argument sein: „Du musst dieses Spiel sehr entschlossen spielen.“

Als Prämie winken 3,4 Millionen Euro

Nun hat sich gerade in dieser Hinsicht einiges getan beim VfB seit dem Auftritt im Vorjahr in Kiel. Gerade die gerne angeführten talentfreien Komponenten bringt die Mannschaft in dieser Saison regelmäßiger auf den Rasen, sie wird selten niedergekämpft und hält dagegen. Erst in einem zweiten Schritt kommen dann die fußballerischen Fähigkeiten in den bewährten Abläufen im eigenen Ballbesitz zum Tragen.

In kaum einem Bereich zeigt sich diese Entwicklung in dieser Saison deutlicher als bei der Laufleistung. Mit 118,5 Kilometern pro Spiel spult der VfB in der Bundesliga im Durchschnitt 3,5 Kilometer mehr ab als in der vergangenen Spielzeit. Zum Vergleich: Beim besagten Duell in Kiel im März 2025 liefen die Stuttgarter Profis in Summe fast zehn Kilometer weniger als ihre Gegenspieler – zwar stand damals nach dem Platzverweis gegen Leonidas Stergiou in der zweiten Hälfte ein Stuttgarter weniger auf dem Rasen, die Deutlichkeit dieser Lauf-Diskrepanz lässt sich dadurch aber nicht erklären.

2025 gelang Ermedin Demirovic in Kiel der Ausgleichstreffer zum 2:2-Endstand. Foto: Pressefoto Baumann

Die Pokal-Partie im hohen Norden bildet damit einen ganz guten Prüfstein, um die genommene Weiterentwicklung zu bestätigten und die nötige Widerstandsfähigkeit an den Tag zu legen. Auch Hoeneß geht davon aus, dass es genau darauf ankommen wird – und rechnet mit einem „sehr athletischen und laufstarken“ Gegner.

Am eigenen Anspruch der Stuttgarter ändert das indessen nichts, an ihm besteht nicht der Hauch eines Zweifels. „Wir bringen auch das Selbstbewusstsein mit, um zu sagen: Wir sind gerade gut drauf und packen das“, betont der Stuttgarter Cheftrainer, der mit seiner Mannschaft in der Bundesliga seit sieben Partien unbesiegt ist. Ein Weiterkommen in Kiel, das in dieser Pokal-Saison mit dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV zwei Erstligisten ausgeschaltet hat, würde den dritten Halbfinal-Einzug in der Amtszeit von Sebastian Hoeneß bedeuten – garniert mit einer nennenswerten Siegprämie vom DFB in Höhe von 3,4 Millionen Euro.

Im Fokus der Mannschaft stehen solche Zahlen vor dem Spiel weniger, sehr wohl aber die großen sportlichen Emotionen: Der Weg ins Endspiel ist nicht mehr weit, dessen Attraktivität muss man beim Titelverteidiger nach den Erlebnissen des Vorjahres niemandem mehr erklären. „Uns allen ist es sehr wichtig, in dem Wettbewerb dabei zu bleiben“, sagt Hoeneß, „wir wissen um seinen Reiz. Da wird es nicht mehr viel Bedarf geben, darauf hinzuweisen.“ Für die Kieler gilt das ohnehin, die ja mitnichten Stammgast unter den letzten acht Mannschaften im Pokal sind. „Wer für dieses Spiel nicht motiviert ist und sich nicht darauf freut“, sagt Holstein-Mittelfeldspieler Jonas Meffert, „der liegt komplett falsch. Dieses Spiel ist für uns alle etwas Besonderes.“ Kurzum: Den VfB erwartet ein arbeitsreicher Pokalabend.