Junioren, Frauen, Herren: Im Mai reiht sich für den VfB ein Finale an das nächste. Im Nachwuchsbereich verspricht sich Vorstandschef Alexander Wehrle von möglichen Siegen einen Schub.
Es ist sicher keine Übertreibung, dem vergangenen Wochenende eine vereinshistorische Dimension für den VfB Stuttgart zuzuschreiben. Durch den Titelgewinn in der zweiten Liga spielt das Frauenteam des Clubs in der kommenden Saison erstmals in der Bundesliga – in puncto Spielklasse auf Augenhöhe mit den Männern, nach fünfjährigem erheblichem Engagement und drei Aufstiegen in Serie. Dass das zweite Frauenteam am Sonntag zugleich den Sprung in die Oberliga schaffte, machte den Tag für die erst 2021 gegründete Abteilung endgültig zu einem sehr runden und speziellen.
Womöglich aber wird die Saison für den größten Sportverein Baden-Württembergs noch ein bisschen besonderer. Denn: In den kommenden Tagen und Wochen geht es für mehrere Fußball-Teams des VfB um Erfolge und Titel – in einer Ballung, die es in dieser Form noch nicht gab. Der größte öffentliche Fokus, klar, liegt auf der Herren-Mannschaft. Die spielt am Samstag (15.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt um den Einzug in die Champions League und eine Woche später im Finale des DFB-Pokals gegen den FC Bayern um die Titelverteidigung. Zwei Partien mit riesiger Aufmerksamkeit, in denen sich eine bereits erfolgreiche Saison krönen lässt.
2013 gewann zuletzt eine U 17 des VfB den Titel – mit Timo Baumgartl
Ähnlich ist die Ausgangslage aber noch für weitere Mannschaften des Clubs. Für den Nachwuchs des VfB geht es im Mai um richtig viel, mit gleich mehreren Endspielen. Am Samstag spielt die U 17 ab 11 Uhr im Dietmar-Hopp-Stadion in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim um den deutschen Meistertitel, dessen Gewinn durchaus Seltenheitswert hätte: Zuletzt gelang das dem VfB in dieser Altersklasse im Jahr 2013 mit Trainer Thomas Schneider an der Seitenlinie und dem späteren Bundesliga-Profi Timo Baumgartl in der Defensive. Nun hat 13 Jahre später das formstarke, seit September 2025 ungeschlagene Team von Trainer Daniel Jungwirth die Chance, das i-Tüpfelchen auf eine erfolgreiche Saison zu setzen.
Am 22. Mai rückt dann die Stuttgarter U 19 in den Fokus, die im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion gegen den VfL Wolfsburg um den DFB-Pokal spielt. In der Nachwuchsliga lief es zuletzt nicht wunschgemäß für die Mannschaft von Trainer Tobias Rathgeb mit nur einem Punkt aus vier Spielen, im Finale am Tag vor dem großen Pokal-Endspiel der Herren im Olympiastadion aber dürften jegliche negative Gedanken vollständig aus den Köpfen sein.
Nochmals gut eine Woche später geht es dann in der höchsten Altersstufe der Nachwuchsfußballerinnen um den DFB-Pokal: Die U-17-Juniorinnen des VfB treffen am 30. Mai in Köln im Endspiel auf den FC Carl Zeiss Jena – und machen damit ein Novum perfekt: Dass ein Verein in ein und derselben Saison sowohl mit den Herren als auch den U-19-Junioren und den U-17-Juniorinnen im Pokalfinale stand, gab es in der Historie des DFB überhaupt noch nie.
Nun stehen Titel nicht immer an erster Stelle im Nachwuchsbereich, in dem ja ein großer Fokus auf der Weiterentwicklung von Talenten liegt. Dass der Klassenverbleib der U 21 in der dritten Liga der Männer in dieser Saison dabei bedeutsam zur Gewährleistung von Spielpraxis auf hohem Niveau ist, hat Profi-Trainer Sebastian Hoeneß zuletzt immer wieder betont. Perspektivisch aber, daran besteht in Bad Cannstatt kein Zweifel, soll es dabei nicht bleiben: Seit Jahren hat sich kein Youngster aus dem Nachwuchsleistungszentrum mehr in der Bundesliga-Mannschaft festgespielt, dieses Ziel steht mindestens so sehr im Fokus der Jugendarbeit wie Pokale und Meisterschaften.
Aber: Beim VfB ist man überzeugt, dass ein Titelgewinn in den nun anstehenden Finals auf diesem Weg Signalwirkung haben kann. Nach innen wie außen. „Am Ende geht es für uns in erster Linie um die Durchlässigkeit: Dass unsere Jungs es schaffen, hier in den Profi-Fußball zu kommen“, sagt der Stuttgarter Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle zwar zuletzt am Rande der Veranstaltung „Bundesliga trifft Basis“– betonte dabei allerdings zugleich: „Insgesamt hilft es jedem Club, einen Titel zu holen. Das sind schon Highlights.“
Dass solche emotionalen Höhepunkte für einen Schub sorgen können, steht für Wehrle außer Frage. „Zu hundert Prozent. Das gibt deutschlandweite Aufmerksamkeit und ist auch eine Belohnung für die Leitung des Nachwuchsleistungszentrums. Deswegen ist es Ansporn auf der einen Seite und Wertschätzung auf der anderen.“ Klar ist: Der VfB Stuttgart steht vor besonderen Wochen, in denen die Titel-Chancen so groß und zahlreich wie lange nicht sind.