An diesem Dienstag gastiert wieder einmal der 1. FC Kaiserslautern in Stuttgart. Was viele nicht wissen: Fans beider Lager verbindet seit Jahren eine wachsende Freundschaft.
Freundschaften sind seit jeher Teil deutscher Fankultur. Die wohl älteste und beständigste verbindet die Lager des 1. FC Nürnberg und Schalke 04. Auch die Liaison zwischen dem FC Bayern und dem VfL Bochum hat eine gewisse Tradition. Andere haben sich im Laufe der Zeit verflüchtigt oder ganz aufgelöst. Oder wer erinnert sich noch an Fan-Freundschaften des VfB Stuttgart mit Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen oder Energie Cottbus?
Seit langer Zeit pflegen die Ultras des VfB enge Beziehungen zu Anhängern des italienischen Clubs AC Cesena sowie zu AS Saint-Etienne in Frankreich. Außerdem zum SSV Reutlingen. Vergleichsweise frisch hingegen ist die Fan-Freundschaft zu einem Club, gegen den es in früherer Vergangenheit oft hoch herging, mit dem es in jüngerer Vergangenheit sportlich bedingt aber nur wenig Berührungspunkte gab: dem 1. FC Kaiserslautern.
Entstanden ist die Freundschaft in Hooligan-Kreisen
An diesem Dienstag (20.45 Uhr) kommt es mal wieder zu einem Aufeinandertreffen, wenn der Zweitligist und Vorjahresfinalist in der zweiten Runde des DFB-Pokals in Stuttgart antritt. Das Stadion ist ausverkauft, ebenso der Gästeblock mit knapp 6000 Fans der Roten Teufel. Stimmungsvolle Atmosphäre ist also garantiert, wozu auch die besondere Beziehung der beiden Fan-Lager ihren Teil beitragen wird. Vor dem Spiel sind Treffen zwischen Fanclubs der beiden Traditionsvereine arrangiert. Einzelne Anhänger werden für die Partie sogar die gegnerischen Blöcke aufsuchen.
Entstanden ist die Fan-Freundschaft vor längerer Zeit in Lauterer und Stuttgarter Hooligankreisen. Von dort schwappte sie auf einzelne Fanclubs und später auch auf die Ultraszene über. Sowohl der Schwabensturm als auch die Schwabenkompanie pflegen enge Bande zu Kaiserslauterer Ultra-Gruppierungen. Die größte VfB-Ultragruppe, das Commando Cannstatt, ist nicht direkt involviert, duldet die Freundschaft aber. In der vergangenen Saison gab es in beiden Fankurven Spruchbänder mit Glückwunsch-Botschaften zum Erreichen der Champions League beziehungsweise des Pokalfinals.
Gemeinsame Feindbilder als verbindendes Element
Nun verhält es sich nicht so, dass sich sämtliche Anhänger in Weiß und Rot am Dienstagabend in den Armen liegen werden. Es gibt sehr wohl auch Anhänger des FCK, die dem VfB kritisch oder sogar ablehnend gegenüber stehen (umgekehrt natürlich genauso). Zumal die Pfälzer traditionell den Münchner Löwen nahestehen.
Unterm Strich gibt es aber deutlich mehr verbindende Elemente. Etwa die Tatsache, Anhänger eines Traditionsvereins aus dem Südwesten zu sein, gepaart mit der Ablehnung regionaler Emporkömmlinge wie Mainz 05 oder der TSG Hoffenheim. Und natürlich das gemeinsame Feindbild aus Karlsruhe.