Betretene Mienen wie hier bei Ameen Al-Dakhil, Atakan Karazor, Jeff Chabot und Nick Woltemade (v.li.) hat es beim VfB vor allem in der Bundesliga-Rückrunde häufiger gegeben. Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann

Überdeckt von der Euphorie um Champions League und Pokalfinale hat der VfB eine mäßige Bundesligasaison gespielt. Maximal Platz acht ist vor dem Saisonfinale bei RB Leipzig noch drin.

Möglicherweise ist das Kerngeschäft, nämlich die Fußball-Bundesliga, beim VfB in dieser Saison zu häufig aus dem Fokus geraten. Es ist ja schließlich auch einiges los gewesen rund um das Team von Trainer Sebastian Hoeneß. Da war die Begeisterung über die acht Auftritte in der Champions League mit dem Auftakt bei Real Madrid, ehe die nächste Welle der Euphorie durch die Aussicht auf den ersten DFB-Pokalsieg des VfB seit 1997 den Club bis heute in Atem hält.

 

Bundesliga-Fußball wurde beim VfB dennoch gespielt. Mit dem letzten Liga-Auftritt an diesem Samstag (15.30 Uhr) bei RB Leipzig geht dabei eine Saison zu Ende, in welcher die Stuttgarter ihr Klassenziel eindeutig verfehlt haben. Schnell war zwar klar, dass man die grandiose Vorsaison mit der Vizemeisterschaft und dem Rekordwert von 73 Punkten nicht würde wiederholen können. Dennoch hätte es mehr sein dürfen, mehr sein müssen. 23 Siegen aus der Vorsaison stehen bisher nur 13 Dreier gegenüber. Über die Liga kann sich der VfB daher nicht mehr für Europa qualifizieren. Maximal Platz acht ist noch drin.

Was bleibt also unterm Strich? Wir haben die drei positivsten und negativsten Erkenntnisse der Bundesligasaison 2024/25 zusammen gefasst.

Das fiel besonders positiv auf

Nick Woltemade Der 1,98-Meter-Lulatsch mit der ausgefeilten Technik und dem ureigenen Spielstil ist die Entdeckung der Saison beim VfB. Woltemade kam ablösefrei von Werder Bremen, spielte im ersten Saisondrittel der Bundesliga überhaupt keine Rolle – ehe mit seinem Treffer beim 2:3 gegen Eintracht Frankfurt am zehnten Spieltag der steile Aufstieg begann. Seither hat sich Woltemade, der mit seiner offenen Art auch abseits des Feldes punktet, in der Liga einen Namen gemacht. Noch ist der 23-Jährige ein U21-Nationalspieler des DFB; doch eine Berufung in die A-Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann ist nur noch eine Frage der Zeit.

Konstanz beim Trainer Geht er als Nachfolger von Xabi Alonso nach Leverkusen – oder ist tatsächlich sein Ex-Club RB Leipzig eng an ihm dran? Die Gerüchte schossen ins Kraut, ehe Sebastian Hoeneß mit seinem Bekenntnis zum VfB für klare Verhältnisse und wohltuende Konstanz auf der Position des Cheftrainers sorgte. Der 43-Jährige verlängerte seinen Vertrag vorzeitig bis 2028 – was unter dem Jubel der Fans per Videobotschaft auf der Mitgliederversammlung Ende März verkündet wurde. 773 Tage ist Sebastian Hoeneß bereits als VfB-Trainer im Amt. Das macht bislang Platz zehn in der Verweildauer-Liste aller Stuttgarter Bundesliga-Coaches.

Die Breite des Kaders Dass der VfB danach zwar ins Trudeln geriet, aber trotz der Fülle an Spielen aufgrund der Champions League bis Februar sehr ordentlich in der Bundesliga mitmischte, liegt auch an der breiten Qualität seines Profikaders. So waren der Torwart Alexander Nübel, der Innenverteidiger Jeff Chabot, die beiden Sechser Atakan Karazor und Angelo Stiller sowie der Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt quasi unantastbar. Auf allen weiteren Positionen, sei es in der Abwehr, bei den Außenstürmern oder im Sturmzentrum, gab es stets diverse Alternativen. Mit einem Durchschnittsalter von 24,6 Jahren stellte der VfB mit Frankfurt, Leipzig und Dortmund den jüngsten Kader der Liga. Allerdings sucht der Club für die neue Saison auch erfahrene Neuzugänge.

Das fiel besonders negativ auf

Die Abwehr Mit Waldemar Anton und Hiroki Ito hatten zwei Stützen der Abwehr den Verein verlassen, zudem verletzte sich Dan-Axel Zagadou erneut schwer am Knie – und Ameen Al-Dakhil, der Neuzugang vom FC Burnley, ist bis heute nicht richtig in Tritt gekommen. Der Trainer Sebastian Hoeneß musste seine Viererkette daher viel häufiger umstellen als ihm lieb war, wechselte in allen Pflichtspielen hinten 27-mal (!) die Formation. Weil auch der Torwart Alexander Nübel öfter hinter der Form der Vorsaison blieb, hat der VfB bereits 51 Gegentore kassiert (Vorsaison: 39). Zuletzt behielt man gegen St. Pauli (1:0) und Augsburg (4:0) aber zweimal die weiße Weste.

Die Ergebniskrise Genau genommen hat der VfB sein Saisonziel Europa in den Monaten Februar, März und April verspielt. War man nach 19 Spieltagen noch Bundesliga-Vierter, folgte der krasse Abschwung nach dem letzten Champions-League-Spiel am 29. Januar gegen Paris St. Germain (1:4). Die Serie an englischen Wochen war nun passé – doch mit Ausnahme des 2:1-Sieges in Dortmund folgte eine Enttäuschung der nächsten. So kam der VfB in zwölf Liga-Spielen von Anfang Februar bis Ende April auf lediglich neun Punkte.

Die schwarze Heimserie „Wir müssen daran arbeiten, zuhause wieder eine Macht zu sein“, sagt der Kapitän Atakan Karazor mit Blick auf die kommende Saison. Durch das 4:0 gegen den FC Augsburg am vergangenen Sonntag konnte der VfB immerhin dafür sorgen, dass die peinliche Serie an Heimniederlagen zu Ende ging. Dennoch: mit sechs Schlappen hintereinander vor eigenem Publikum hat der VfB in dieser Bundesliga-Runde für einen Vereins-Negativrekord gesorgt. Das hatte es in Stuttgart zuvor noch nicht gegeben.