Eine entscheidende Szene im Spiel: Der VfB-Abwehrspieler Ameen Al-Dakhil (li.) reißt Frankfurts Hugo Ekitiké als letzter Mann zu Boden. Foto: www.imago-images.de/IMAGO

Ein schwacher Torhüter Alexander Nübel und ein Kapitän Atakan Karazor in der Formkrise – dazu Rot für Ameen Al-Dakhil, der sich überrumpeln lässt. Der VfB zeigt sich defensiv nicht reif für höhere Aufgaben.

Zu guter Letzt hatte der VfB am Samstagabend vor 58 000 Fans in der ausverkauften Frankfurter Arena doch noch einen Rekord aufgestellt – allerdings war dies nur einer für Zyniker. Durch die Rote Karte von Ameen Al-Dakhil, der den Eintracht-Stürmer Hugo Ekitiké als letzter Mann per Ringer-Einlage zu Boden warf, hat der VfB sein historisches Konto an Bundesliga-Platzverwiesen auf 151 geschraubt. Kein Club hat mehr zu bieten, was allerdings auch mit der langen Präsenz des Vereins in Deutschlands Topliga zu tun hat.

 

Weniger präsent war derweil Al-Dakhil im Eins-zu-Eins gegen Ekitiké – in einer Szene beim Stand von 0:0 in der 57. Minute, die für Sebastian Hoeneß entscheidenden Charakter besaß: „Die Situation war maßgeblich für die Niederlage. Da muss Ameen cleverer agieren“, sagte der Trainer zu der Aktion des belgischen Nationalspielers, der sich viel zu leicht den Schneid abkaufen ließ – und der Schiedsrichter Deniz Aytekin gar keine andere Wahl als Rot ließ.

Tatsächlich hatte der VfB schon vorher einige Male vor dem eigenen Tor bedenklich gewackelt. Doch er fiel erst nach dem Schnitzer von Al-Dakhil – und zwar in Form des Abstaubertores von Mario Götze aus fünf Metern zum 1:0-Endstand (71.). „In solchen Topspielen brauchst du die Abgezocktheit in den Zweikämpfen. Und da haben wir mehrfach nicht optimal agiert“, wusste Hoeneß, dass es in Frankfurt mal wieder die mangelhafte Defensivarbeit war, mit welcher sich der VfB selbst ein Bein stellte.

Natürlich stand Al-Dakhil im Zentrum der Kritik, weil er als letzter Mann fahrlässig agiert hatte. „Da hat er sich ziemlich überrumpeln lassen“, stellte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth fest. Überhaupt spielt der Innenverteidiger, der im DFB-Pokal am Mittwoch gegen RB Leipzig spielberechtigt ist, eine Saison zum Abwinken.

Über die Sperre entscheidet das Sportgericht

Verletzt vom FC Burnley verpflichtet, brauchte Al-Dakhil lange, um nach Oberschenkelproblemen fit zu werden; dann wurde der 23-Jährige im Herbst krank, verletzte sich nach vier Einsätzen zu Beginn des Jahres erneut – und fiel wieder sechs Wochen aus. Nun holte er sich gleich im zweiten Einsatz die Rote Karte ab. Wie lange Al-Dakhil in der Liga aussetzen muss, entscheidet das DFB-Sportgericht in dieser Woche.

Allerdings ist der Innenverteidiger keineswegs der Einzige, der zu einer zum wiederholten Mal mäßigen Abwehrleistung beitrug. So spielte der Schlussmann Alexander Nübel eine von vielen Fehlern geprägte Partie. Mit Schwächen nach Eckbällen, einem Potpourri an Fehlpässen und einem durch die Hände geglittenen Ball, der am Pfosten landete, hinterließ der Nationaltorwart einen schwachen Eindruck – und ist nicht der große Rückhalt, der er mal war.

Aber auch vor der Viererkette passte vieles nicht, was einiges mit Atakan Karazor auf der Sechserposition zu tun hat. Ohne die nötige Robustheit im Zweikampf, dafür mit vielen schlampigen Pässen, besaß der Kapitän auch in Frankfurt nicht die nötige Klasse, um das Spiel im zentralen defensiven Mittelfeld zu ordnen. Schon seit einiger Zeit ist Karazor weit von der Form der Vorsaison entfernt. Warum der Trainer Hoeneß auf der Sechs aber nicht mal eine Alternative – etwa Yannik Keitel – ins Spiel schickt, bleibt sein Geheimnis.

Dass nun mit Angelo Stiller und Maximilian Mittelstädt zwei DFB-Nationalspieler für das Bundesliga-Spiel am Samstag in Bochum aufgrund der fünften gelben Karte ausfallen, macht die Lage nicht besser.

„Manchmal ist der Wurm drin, dann klappt nicht alles wie vorher. Wir müssen nun gemeinsam den Bock umstoßen“, sagte Jeff Chabot. Gemeinsam mit dem eingewechselten Winter-Neuzugang Luca Jaquez, der sein erstes Spiel für den VfB überhaupt bestritt, sorgte der Innenverteidiger immerhin dafür, dass sich der Vizemeister in Unterzahl nicht noch weitere Tore einfing.