Amurtigerin Noia in der Wilhelma ist jetzt auch auf der Anlage draußen zu sehen. Foto: Wilhelma

Der Zoo in Leipzig hat drei Amurtiger-Babys einschläfern lassen. Warum ist die erste Mutterschaft so schwierig? Was sagt Wilhelma-Chef Thomas Kölpin?

Die Wilhelma hat vor kurzem erst ihre neue Anlage für Amurtiger eröffnet. Dort leben sich derzeit Kater Amazar aus einem niederländischen Zoo und Tigerdame Noia aus Frankreich ein. Sie sollen in der bedrohten Tierart im Rahmen des Europäischen Artenzuchtprogramm (EAZA) einmal für Nachwuchs sorgen. Noch sehen sie sich nur durch den Zaun. Inzwischen ist auch Noia im Freien und übernachtet dort sogar gerne, wie Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin weiß. Auch Amazar sei „total entspannt“ und gehe gerne in den Stall rein und raus. Die beiden zeigen derzeit ein „freundliches Interesse“ füreinander, sagt Kölpin.

 
Amurtiger Amazar soll einmal mit Noia in der Wilhelma für Nachwuchs sorgen. Foto: Wilhelma

Die beiden Jungtiere sollen einmal für Nachwuchs sorgen, der dann auch ausgewildert werden kann. Indes hat der Leipziger Zoo drei junge, frisch geborene Amurtigerbabys kürzlich eingeschläfert. Der Grund: Amurtigerin Yushka war erstmals Mutter geworden. „Nachdem sich die in der Jungtieraufzucht noch unerfahrene Katze in den ersten Stunden vorbildlich um den Nachwuchs gekümmert und die Neugeborenen trocken geleckt hat und erste Saugversuche seitens des Nachwuchses zu beobachten waren, wendete sie sich vom Nachwuchs ab“, schreibt der Zoo auf seiner Homepage. Sie habe sich zunehmend weniger um ihren ersten Wurf gekümmert. Sie habe die Aufzucht ohne ersichtlichen Grund abgebrochen.

Wilhelma gegen Handaufzucht - Ziel Auswilderung

Die Vorgänge in Leipzig kann Kölpin nicht beurteilen. Aber es komme in der Natur vor, dass der erste Wurf nicht überlebe könne. Im Leipziger Fall mache die Entscheidung, die Tiere einzuschläfern Sinn, denn: „Wir wollen echte wilde Tiere, damit auch die Möglichkeit einer Auswilderung besteht.“ Wenn die Tiger menschliche Nähe suchten, könnten eher Problemtiger entstehen. In der Wilhelma sollen die Amurtiger für eine Auswilderung gezüchtet werden. Dort werde es keine Handaufzucht geben.

Tiger in Leipzig: Aufzucht durch die Katzenmutter ist wichtig

So hatte auch der Zoodirektor von Leipzig, Jörg Junhold, sich auf der Website geäußert: „Die Aufzucht von Nachwuchs durch die Katzenmutter sowie das Lernen vom Muttertier durch den Nachwuchs sind für das natürlich Verhalten ohne Fehlprägungen essenziell. Diesem wissenschaftlichen Anspruch zur artgemäßen Wildtierhaltung sind wir als Zoo Leipzig ebenso wie unsere Fachkollegen verpflichtet.“

Peta protestiert gegen Tigerbaby-Tötung in Leipzig

Die Tierschützer von Peta wollen mit ihrer Anzeige die Rechtmäßigkeit der Tötung in Leipzig prüfen lassen, teilt Kampagnenleiter Peter Höffken mit. Es gehe darum, den „Teufelskreislauf des Züchtens und Tötens“ zu unterbrechen. „Wir fordern einen sofortigen Stopp der sinnlosen Zuchtprogramme, denn Sibirische Tiger haben in Leipzig nichts zu suchen.“ Es sei in der Häufung ein reines Zoo-Phänomen, dass Tiermütter ihre eigenen Babys nicht annehmen.

Die Zucht und Haltung von Tigern in Zoos sei hinsichtlich des Artenschutzes eine Sackgasse, weil die Tiere ohnehin nicht ausgewildert werden könnten, so Höffken. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine macht den Artenschutz für die Amurtiger besonders schwierig, weiß Thomas Kölpin. Auswilderungen von Tieren sind deshalb aktuell nicht möglich.


Probleme bei erstgebärenden Tigermüttern

Dass Weibchen, die erstmals Mütter werden, die Babys nicht versorgen, könne verschiedene Ursachen haben. „Sie können sich durch irgendetwas gestört fühlen“, sagt Thomas Kölpin. Das sei häufiger bei Erstgebärenden der Fall, so der Stuttgarter Zoo-Direktor. Manchmal nähmen Mütter Jungtiere nicht an, wenn sie merkten, dass sie nicht gesund seien.

Gepardin Niara hatte Problem beim zweiten Wurf

In der Wilhelma gab es beispielsweise bei einer anderen Raubtierart, beim zweiten Wurf bei Gepardin Niara das Problem, dass der erste Wurf geklappt hat, der zweite Wurf aber von ihr gefressen wurde. Und jetzt versorgt sie ihre aktuellen Wurf mit sechs Babys problemlos.