Niederlagen im Pokal lassen sich nicht mehr gutmachen. Das macht die erste Pflichtspielniederlage der Stuttgarter Kickers in dieser Saison so bitter. Das 1:3 n.V. gegen den SGV Freiberg wirft aber auch Fragen mit Blick auf die Regionalliga auf.
Nico Blank kam in den Kabinengang und zog wie alle anderen auch ein langes Gesicht: „Wir wollten unbedingt die Chance auf die DFB-Pokal-Teilnahme wahren“, sagte der Kapitän der Stuttgarter Kickers nach dem 1:3 nach Verlängerung im WFV-Pokal-Achtelfinale gegen Regionalligarivale SGV Freiberg. Blank war bei den DFB-Highlights 2022 am Ball. Die Spiele gegen die SpVgg Greuther Fürth und Eintracht Frankfurt brachten Sympathien und viel Geld. Auch die stimmungsvollen WFV-Pokal-Endspiele im Gazi-Stadion gegen den SSV Ulm 1846 (2022 vor 7300 Zuschauern) und gegen die TSG Balingen (2023 vor 8500 Zuschauern) erlebte er auf dem Spielfeld mit.
Das alles ist jetzt frühesten 2026 wieder möglich. „Dass wir das Ganze nicht mehr gutmachen können, macht es so extrem bitter“, klagte Blank. Natürlich ließ sich darüber diskutieren, ob sich Trainer Marco Wildersinn bei der Aufstellung verzockt hatte, da er fünf neue Spieler in die Anfangs-Elf rotierte. „Hinterher ist man immer schlauer“, sagte der Coach zu diesem Thema. Er hatte die Viererkette, die Sechser- und eine Achter-Position unverändert gelassen.
Defensive sollte sich einspielen
„Der Defensivblock sollte sich einspielen. Offensiv wollten wir frische Beine, zumal David Braig und Christian Mauersberger angeschlagen waren. Da wollten wir kein Risiko eingehen, weil wir eben adäquaten Ersatz haben“, erklärte Wildersinn seine Umstellungen und ergänzte: „Letztendlich ist es hypothetisch, ob wir mit der Elf aus dem letzten Punktspiel gewonnen hätten.“
Klar sein dürfte, dass am Samstag (14 Uhr/Gazi-Stadion) im Regionalligaheimspiel gegen den TSV Steinbach Haiger neben Torwart Felix Dornebusch auch Lukas Kiefer, Christian Mauersberger und David Braig in die Startelf zurückkehren werden. Dass die Kernprobleme damit nicht behoben sind, zeigt der bisherige Saisonverlauf. Zwar sind die Blauen in den Punktspielen noch ungeschlagen, doch es gab noch keinen überzeugenden Auftritt über 90 Minuten.
Fehlt es an Führungskraft auf dem Feld?
Fast immer kam man gut ins Spiel, baute dann aber ab, und es kam ein Bruch ins Spiel. Ob es an Führungskraft auf dem Feld fehlt, dem drohenden Unheil entgegenzuwirken, ist die Frage. Fest steht dagegen, dass es im letzten Drittel an einigen Dingen fehlt: An Ruhe, Präzision, Abgeklärtheit, Konsequenz, Entschlossenheit, Effizienz, Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft.
Vielleicht auch an der Gier, das Spielglück und den Torerfolg zu erzwingen. Eventuell könnte eine zweite Sturmspitze helfen, um mehr Präsenz in der gefährlichen Zone zu haben. Dafür müsste Wildersinn sein 4-3-3-System ändern, was er bisher nur einmal tat: Beim Pokalspiel in Gmünd stellte er auf eine 3-5-2-Grundordnung um.
Rufe nach Polauke
Und hinten? Da waren die Kickers gegen Freiberg bei den Gegentoren nach Standardsituationen anfällig. Obwohl Nyamekye Awortwie-Grant an der Seite von Abwehrchef Brian Behrendt insgesamt ein gutes Spiel machte, gab es Stimmen auf der Tribüne, die nach der letztjährigen Stammkraft Paul Polauke riefen – weil der Innenverteidiger neben seiner Zweikampf- und Kopfballstärke auch eine besondere Mentalität mit auf den Platz bringt.
Termine
Pflichtspiele
Stuttgarter Kickers – Eintracht Frankfurt II 2:1, FC Esslingen – Kickers 0:5 (WFV-Pokal), FC 08 Homburg – Kickers 1:1, Kickers – FC 08 Villingen 1:0, FC Normannia Gmünd – Kickers 1:3 n. V., FC Gießen – Kickers 2:2, Kickers – FC-Astoria Walldorf 1:0, 1. Göppinger SV – Kickers 0:0, Kickers – SGV Freiberg 1:3 n.V. (WFV-Pokal), Kickers – TSV Steinbach Haiger (7. September, 14 Uhr), Kickers Offenbach – Kickers (13. September, 19 Uhr), Kickers – FSV Frankfurt (21. September, 14 Uhr), SGV Freiberg – Kickers (28. September, 14 Uhr). (jüf)