Die neue S-Bahnstation Mittnachtstraße am Rand der Stuttgarter Innenstadt soll Pendlern Vorteile bringen – doch in Betrieb geht sie erst Mitte 2027.
Weil die Deutsche Bahn ihren Inbetriebnahmezeitplan für Stuttgart 21 vor gut zwei Monaten nochmals über den Haufen geworfen hat, müssen sich auch die Fahrgäste der Stuttgarter S-Bahn länger als gedacht gedulden, ehe sie den neuen S-Bahnhalt Mittnachtstraße nutzen können. Nach derzeit von der Bahn vorausgesagten Terminplan, sollen Mitte 2027 die ersten S-Bahnen an der neuen zentralen Umsteigestation Halt machen. Vom Stand der Arbeiten hat sich nun Alexander Lahl, Direktor des für den S-Bahnverkehrs zuständigen Regionalverbands ein Bild gemacht.
Noch fehlt es an der Einrichtung auf dem Bahnsteig
Erste Fahrten auf den Gleisen finden schon statt – allerdings nur mit Bauzügen die Material bringen. Beim Besuch von Alexander Lahl ist es ein Bagger, der auf den Schienen unterwegs ist. Die Zeit der ganz großen Baumaßnahmen ist vorbei. Das Dach über dem mehr als 200 Meter langen Bahnsteig, der in einem Trog tief unter der Geländeoberfläche liegt, steht bereits. An den beiden Ausgängen – einer auf Höhe der namensgebenden Mittnachtstraße, einer weiter südlich in der Nähe des ehemaligen Ufa-Palasts, fehlen noch Rolltreppen und Aufzüge. Was zudem noch fehlt, ist die Möblierung mit Sitzgelegenheiten, Mülleimern und Anzeigetafeln, denen die Zugfolge oder womöglich eine Verspätung der nächsten Bahn zu entnehmen ist.
Noch ist Zeit für derlei Arbeiten. In der Kaskade der verschiedenen Inbetriebnahmeschritten von Stuttgart 21 ist die neue S-Bahnstrecke samt neuem Halt nach hinten durchgereicht worden. Statt im September 2026 wird die neue Strecke, die von allen in der Innenstadt fahrenden S-Bahnlinen genutzt wird, erst Mitte 2027 eröffnet. „Wir sehnen dieser Inbetriebnahme entgegen“, sagt Martin Beyer, Referent für Verkehrsplanung bei der Region, der Lahl auf seiner Baustellentour begleitet hat.
„Wir wollen, dass die Fahrgäste von den Vorteilen profitieren können.“ Dazu zählt Beyer, dass der Umstieg zwischen nördlichen S-Bahnlinen 4, 5 und 6 und jenen, die Ziele im Osten und Süden der Region ansteuern, also die Linien 1, 2 und 3, künftig nicht mehr am ohnehin schon stark frequentierten Hauptbahnhof stattfinden muss, sondern an der Mittnachtstraße vonstatten gehen kann.
Dass sich für durchfahrende Fahrgäste durch den zusätzlichen Halt am Rand der Innenstadt die Fahrt von der City Richtung Feuerbach oder Bad Cannstatt verlängert, sei hinnehmbar angesichts der sich ergebenden Verbesserungen. Durch zusätzliche Weichen, die sowohl auf der bestehenden wie auch auf der neuen S-Bahnstrecke eingebaut sind, könne die Infrastruktur flexibler genutzt werden. Man sehe der Station, die eher zweckmäßig gehalten ist, diesen großen Nutzen noch gar nicht an, erklärt Alexander Lahl. An dem mehr als 240 Meter langen Bahnsteig werden von Beginn an 24 Züge je Stunde und Richtung fahren. Damit würde das Stuttgarter S-Bahnnetz zum baustellenbedingt immer wieder ausgesetzten Viertelstundentakt auf allen Linien zurückkehren. Beyer setzt darauf, dass die Umbauten in der bestehenden Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen zu einem deutlich zuverlässigeren Betrieb führen werden.
Anschluss an die bestehenden Strecken steht noch aus
Noch ist das alles Zukunftsmusik. Auch wenn es derzeit auf der Baustelle im Stuttgarter Norden eher gemächlich zugeht, steht noch ein großes Stück Arbeit bevor. In einer langen Unterbrechung des S-Bahnbetriebs zwischen März und Juni 2027 werden die neugebauten Gleise mit den bestehenden beim Nordbahnhof, beim Bahnhof Bad Cannstatt und beim Hauptbahnhof verknüpft. „Das wird nochmal ein straffes Programm“, sagt Projektleiter Alexander Rühl, der für die Bahn jenen Bauabschnitt betreut.