Die König-Karls-Brücke zählt sicher zu den wichtigsten Neckarquerungen. Laut Tiefbauamt stehen bei dem Bauwerk, das 1976 eingeweiht wurde, ebenfalls größere Sanierungsmaßnahmen an. Foto: Uli Nagel

Die Stadt will in den kommenden Jahren rund eine Milliarde Euro in ihren Brückenbestand investieren. Das Fraktionsbündnis SÖS/Die Linke fordert einen Bericht über den Zustand wichtiger Bauwerke, den Zeitplan für bereits feststehende Neubauten sowie deren potenzielle Kosten.

Viele der gut 300 Brücken in der Landeshauptstadt, die vom städtischen Tiefbauamt betreut werden, sind in schlechtem, etliche sogar in einem bedenklichen Zustand. Da reden der verantwortliche Bürgermeister Dirk Thürnau (SPD) und sein Tiefbauamtschef Jürgen Mutz schon längst nicht mehr um den heißen Brei herum. Rosensteinbrücke, Wilhelmsbrücke, Aubrücke und Löwentorbrücke sind aktuell die bekanntesten Problemfälle, die nur durch zeitnahen Abriss und Neubau gelöst werden können.

 

24 Millionen Euro Planungskosten

Die Kosten dafür lassen sich aktuell nur schwer beziffern. Allerdings liegen allein die Planungskosten für die vier neuen Brücken bei gut 24 Millionen Euro. Einen weiteren Hinweis, was für ein Investitionsvolumen auf die Stadtkasse zurollt, erhielt im Juni 2024 der Gemeinderat. Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) legte ihm eine Liste von Großprojekten vor, die in den nächsten Jahren zu finanzieren sind. Darunter befindet sich ein Posten „Brückenbauwerke – Sanierung/Neubau“, für den eine Milliarde Euro vorgesehen ist.

Viele Varianten für neue Rosensteinbrücke

An gleicher Stelle soll eine neue Rosensteinbrücke gebaut werden. Foto: Uli Nagel

Eine gigantische Summe, zu der das Fraktionsbündnis SÖS/Die Linke doch einige Fragen hat. „Unklar bleibt bislang, bis zu welchem Zeitpunkt diese überaus große Summe ausgegeben werden soll, wie sie zustande kommt und wie der Zeitplan für die Sanierung beziehungsweise den Neubau von Brücken aussehen soll“, heißt es in dem Antrag. Darin verweisen SÖS und Die Linke auch auf die aktuelle Diskussion über den geplanten Neubau der Rosensteinbrücke. „Sie zeigt, dass sich die Kosten je nach Variante – entweder eine reine Fuß- und Radbrücke, eine ÖPNV-Fuß-Rad-Brücke oder eine Autoverkehr-, ÖPNV-, Fuß- und Radbrücke – erheblich unterscheiden können“, so die Antragsteller.

In diesem Zusammenhang hält es das Fraktionsbündnis für wichtig zu wissen, wie es um den baulichen Zustand der König-Karls-Brücke bestellt ist. Immerhin werden in den kommenden Jahren fünf Stadtbahnverbindungen über die Brücke fahren. Doch nicht nur für den ÖPNV ist, laut Antragssteller, die Neckarquerung von zentraler Bedeutung. Auf ihr verläuft auch die viel befahrene Hauptradroute 1. An der Zählstelle unweit des Mineralbads Leuze wurden im vergangenen Jahr fast 1,4 Millionen Fahrradfahrende registriert.

Noch kein Sanierungskonzept

Laut dem Fraktionsbündnis hat die Verwaltung schon mehrfach betont, dass für die König-Karls-Brücke in absehbarer Zeit „umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich“ seien. Einige Mängel sind schon länger bekannt. So soll die König-Karls-Brücke, die fast 50 Jahre alt ist, innerhalb des Hohlkastens Korrosionsschäden haben, weshalb die Entwässerungseinrichtungen wohl komplett erneuert werden müssen. Doch aktuell kann aus Gründen der Arbeitssicherheit der Hohlkasten nicht begangen werden und deshalb können keine Arbeiten im Inneren ausgeführt werden. Es müssen zunächst zusätzliche Einstiege geschaffen werden. Danach können die Schäden aufgenommen und kann ein Sanierungskonzept erstellt werden.

Die König-Karls-Brücke wurde 1976 eröffnet. Foto: Uli Nagel

In den Jahren 2008/09 wurde die Brücke im Bereich der Fahrbahnen neu abgedichtet. In den kommenden Jahren muss jedoch auch die Abdichtung unter den Stadtbahngleisen erneuert werden. Für diese Arbeiten muss der Stadtbahnbetrieb unterbrochen und müssen die Gleise entfernt werden. Das Fraktionsbündnis fordert deshalb die Verwaltungsspitze auf, zum nächstmöglichen Zeitpunkt im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik ihre Fragen auch zum Zustand der König-Karls-Brücke zu beantworten.

Schäden an der B-27-Körschtalbrücke

Neben den städtischen Brückenbauwerken gibt es in Stuttgart auch Brücken, die vom Land betreut werden und sich ebenfalls in einem bedenklichen Zustand befinden. Dazu zählen neben der B-10-Brücke (27,5 Meter lang) bei Stammheim auch zwei Brücken in Zuffenhausen. Die eine überquert auf 214 Metern Bahngleise und einen Feldweg, die andere auf 377 Metern Bahngleise, einen Feldweg sowie die B 27. Tragfähigkeitsdefizite und einen kritischen Bauwerkszustand haben Brückenexperten auch bei der B-27-Körschtalbrücke in Möhringen festgestellt. Die genannten Bauwerke tauchen deshalb ebenfalls auf der Sanierungsliste des Landes auf, die vor wenigen Tagen veröffentlicht worden ist. Während die Verkehrsfrequenz der genannten Bauwerke im Stuttgarter Norden eher gering sind, dürfte die viel befahrene B-27-Brücke in Möhringen den Planern beim RP schon Kopfzerbrechen bereiten.

Laut Verkehrsminister Winfried Hermann hat das Land den Ersatz von 31 sanierungsbedürftigen Brücken an Bundesstraßen in einem Auftrag in die Wege geleitet. Um die verfügbaren Ressourcen effizienter einzusetzen, wurde erstmals eine Sammelausschreibung genutzt. Damit können die Planungsarbeiten beginnen. Dafür stehen insgesamt etwa 30 Millionen Euro zur Verfügung. Die gesamten Investitionskosten für die 31 Bauwerke samt Baukosten schätzt das Ministerium auf aktuell rund 150 Millionen Euro.