Bei ersten Arbeiten für den Pfaffensteigtunnel hatte die Deutsche Bahn mit der Witterung zu kämpfen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Winter hat erste Arbeiten am Pfaffensteigtunnel verzögert. Gleichzeitig gibt es Kritik an der Planung – und ein wichtiger Projektverantwortlicher verlässt die Deutsche Bahn.

Der für Stuttgarter Verhältnisse lange und kalte Winter hat die ersten zaghaften Arbeiten am Pfaffensteigtunnel, den die Bahn zwischen dem Stuttgarter Flughafen und der Gäubahnstrecke bei Böblingen bauen will, ausgebremst. „Aufgrund von schlechter Witterung musste das Abtragen des Ober- und Unterbodens kurzzeitig unterbrochen werden“, erklärt ein Bahn-Sprecher. Anfang Februar hatte die Bahn ohne viel Aufhebens mit den vorbereitenden Arbeiten begonnen.

 

Wann größere Baumaßnahmen anstehen, sei noch Gegenstand von Verhandlungen. „Für den Termin des Baubeginns befinden sich DB und Bundesverkehrsministerium aktuell in enger Abstimmung.“ Von einem bisher landwirtschaftlich genutzten Areal nördlich der Autobahn 8 bei Stuttgart-Plieningen sollen die beiden je rund elf Kilometer langen Tunnelröhren Richtung Böblingen mit großen Vortriebsmaschinen gebaut werden, der Anschluss an den Flughafenbahnhof wird hingegen in konventioneller Bauweise mit Baggern vorangetrieben.

Der Verlauf des Pfaffensteigtunnels, für den erste vorbereitende Arbeiten stattfinden. Foto: Yann Lange   / 

Kritische Stimmen kommen aus Plieningen und Böblingen. Im Stuttgarter Fildervorort geht die Sorge wegen gesperrter Straßen während der Bauphase um. In Böblingen und Sindelfingen wünscht man sich eine engere Einbindung in die Planungen und befürchtet Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr, wenn an der Gäubahnstrecke gebaut wird.

Dazu gesellt sich nun Kritik von Matthias Gastel, Grünen-Bundestagsabgeordneter aus Filderstadt und Bahnexperte seiner Fraktion. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf den aus seiner Sicht mangelhaften weiteren Ausbau der Gäubahnstrecke zwischen dem künftigen Tunnelportal und dem Bahnhof in Böblingen. Die Trasse soll zwar für höhere Geschwindigkeiten angepasst werden, bleibt aber wie heute schon lediglich zweigleisig. So entstehe „ein Engpass“ moniert er. „Die Pläne sind alles andere als zu Ende gedacht. Wer A sagt und den Pfaffensteigtunnel baut, muss auch B sagen und die Strecke zwischen Böblingen und dem Abzweig zum Tunnel viergleisig ausbauen.“

Verantwortlicher Bauingenieur erklärt Abschied

Matthias Gastel hatte bereits im vergangenen Jahr in einer Anfrage beim Bund wegen eines weiteren Ausbaus bei Böblingen vorgefühlt. In der Antwort verwies die Regierung auf die Einschätzung der Deutschen Bahn, dass dieser nicht erfolge, „da die verkehrliche Notwendigkeit dafür nicht gegeben ist“. Gastel schätzt das anders ein und prognostiziert: „Hier würden Verspätungen produziert werden und geplante Angebotsverbesserungen für die Fahrgäste ließen sich nicht umsetzen. Da muss jetzt dringend umgesteuert werden!“

Neben den Befürchtungen der Baustellenanrainer und nicht nachlassender Kritik muss sich die Deutsche Bahn im Zusammenhang mit dem Pfaffensteigtunnel auch organisatorischen Herausforderungen stellen. Denn nach Informationen unserer Redaktion hat mittlerweile der Bauingenieur, der bisher den Stuttgart-21-Abschnitt am Flughafen verantwortete und die Planung- und Genehmigungsphase des Pfaffensteigtunnels in bemerkenswerter Weise über die Bühne brachte, seinen Abschied von der Bahnprojektgesellschaft Stuttgart–Ulm erklärt. Bei der Bahn mag man das weder kommentieren noch sich zur Nachfolgefrage äußern. „Zu Personalangelegenheiten nehmen wir grundsätzlich keine Stellung“, sagt der Bahn-Sprecher.