Die langen Umwege beim Bau von Stuttgart 21 sollen bis zum Herbst vorbei sein – zumindest in einem Teil des Mittleren Schlossgartens. Bis dahin gibt es aber weitere Einschränkungen.
Die Kritik an der Wegeführung rund um die Stuttgart-21-Baustelle reißt nicht ab. Zu weit und zu kompliziert seien die Wege für Reisende von der Stadt zu den Gleisen und umgekehrt. Erst Ende vergangenen Jahres sah sich ein Nutzer dazu veranlasst, in der Wander-App Komoot die Fußgänger-Route, welche rund um das bestehende Bahnhofsgebäude führt, als „Fernwanderweg“ mit Nord- und Südroute einzutragen. Für die „einfache Wanderung“ mit rund 1,1 Kilometer Länge seien demnach 17 Minuten notwendig, so der spöttische Kommentar.
Bauarbeiten beginnen am 26. Januar
Aber auch im Umfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs müssen Radfahrer und Fußgänger aufgrund der umfangreichen Baustelleneinrichtung weite Umwege in Kauf nehmen, für Ortsfremde ist dies meist sowieso zu kompliziert. Das soll sich nun aber zumindest auf der Südseite des denkmalgeschützten Bonatzbaus in den kommenden Monaten ändern. In einem ersten Abschnitt sollen Teile des zukünftigen Wegenetzes rund um das Planetarium und die Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie hergestellt werden. „Der Mittlere Schlossgarten wird nach und nach wieder Funktion und Charakter einer vollständigen Parkanlage erhalten“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt.
Die nötigen Bauarbeiten beginnen am Montag, 26. Januar, ab 10 Uhr. Der Fußweg, welcher vom Schlossgarten ab dem Wulle-Steg zum Planetarium und bis zum Gebhard-Müller-Platz verläuft muss dafür gesperrt werden. Vorübergehende Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer ließen sich daher während der Baumaßnahme nicht vermeiden.
Das Planetarium und die Haltestelle Staatsgalerie seien nicht mehr barrierefrei vom Mittleren Schlossgarten aus zu erreichen. „Davon betroffen beispielsweise sind Pendler, die vom Querbahnsteig des Hauptbahnhofs zur Haltestelle Staatsgalerie laufen, um in die Stadtbahn umzusteigen“, erklärt ein Bahnsprecher – oder auch wenn sie von der Stammstrecke der S-Bahn kommen. Aber auch Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), die in diesem Jahr zahlreiche Baumaßnahmen plant, empfiehlt daher für einen barrierefreien Umstieg zwischen Fernzügen und Stadtbahn die Haltestelle Hauptbahnhof zu nutzen. Hingegen weiterhin erreichbar bleibt die Stadtbahn an der Staatsgalerie über die Treppe am Wulle-Steg.
Hauptweg im Schlossgarten ist nicht betroffen
Barrierefrei ist der Zugang ausschließlich über die Aufzüge am südlichen Bahnsteig vom Fußweg über die Willy-Brandt-Straße (B14) und Schillerstraße erreichbar. Mit Beginn des nächsten Bauabschnitts, der voraussichtlich Mitte des Jahres erfolgen soll, sei ein barrierefreier Zugang wieder vom Schlossgarten aus möglich. „Die Veränderungen in der Wegeführung werden immer rechtzeitig ausgeschildert“, sagt der Bahnsprecher. Nicht betroffen von den Maßnahmen ist die Hauptachse, welche vom Wulle-Steg in den Schlossgarten zum Biergarten oder über den Steg am neuen Tiefbahnhof zum Ferdinand-Leitner-Steg über die Schillerstraße führt.
Und während die Deutsche Bahn sich immer noch sträubt, einen konkreten Eröffnungstermin für den neuen Tiefbahnhof zu nennen, nachdem das avisierte Ziel mit Ende 2026 nicht gehalten werden konnte, sind die Aussagen für den Mittleren Schlossgarten für Stuttgart-21-Verhältnisse mehr als deutlich. Die neue Wegeführung rund um das Planetarium und die Haltestelle Staatsgalerie sollen voraussichtlich im Herbst abgeschlossen sein.