Vor knapp einem Jahr im Mai 2025 waren erste Testzüge auf der neuen Bahnstrecke am Flughafen unterwegs. Nun gibt es Forderungen, dort alsbald den Regelbetrieb aufzunehmen. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Bahnpolitiker Matthias Gastel fordert, den Bahnhof am Flughafen und die neue Strecke auf den Fildern schon vor Stuttgart 21 in Betrieb zu nehmen. Das Land prüft den Vorschlag.

Die lange Hängepartie um Stuttgart 21 löst Gedankenspiele aus, was mit den bereits weit fortgeschrittenen Bestandteilen des Projekts anzufangen sei, ehe das große Ganze beendet ist. Die Deutsche Bahn (DB) will frühestens im Sommer 2026 einen neuen Inbetriebnahmetermin für Stuttgart 21 prognostizieren. Mit dem Vorschlag, die Abfolge der Teilinbetriebnahmen auf den Fildern rund um den Stuttgarter Flughafen beginnen zu lassen, ist nun Matthias Gastel an die Öffentlichkeit gegangen. Der Filderstadter ist bahnpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen.

 

Quasi vor Gastels Haustüre auf den Fildern liegt der Abschnitt der Neubaustrecke Richtung Ulm, der schon so weit gediehen ist, dass die DB bereits im Mai vergangenen Jahres einen Test-ICE auf der Trasse parallel zur Autobahn 8 hat pendeln lassen. Das Messfahrzeug, der sogenannte ICE S, prüfte die neue Infrastruktur auf Herz und Nieren.

Der augenscheinliche Baufortschritt auf den Fildern einerseits und die Ungewissheit über den weiteren Terminplan der DB bei Stuttgart 21 andererseits hat nun Matthias Gastel auf den Plan gerufen. „Die Strecke ist fertig und der Bahnhof am Flughafen ist weit fortgeschritten.“ Angesichts der zeitlichen Unwägbarkeiten für das Gesamtprojekt stelle er „die Frage nach der Nutzung bereits jetzt oder bald betriebsbereiter neuer Infrastruktur“. Ein geeignetes Beispiel, wie mit einem solchen Fall umzugehen sei, hat Gastel in der unmittelbaren Nachbarschaft ausfindig gemacht. „So wie einst die Neubaustrecke auf dem Abschnitt Wendlingen – Ulm für schnellen Regionalverkehr in Betrieb ging, könnte auch eine andere Relation den Fahrgästen schon vorzeitig einen Nutzen bringen“.

Taugt das Beispiel der Schnellfahrstrecke nach Ulm?

Auf der Schnellfahrstrecke Wendlingen – Ulm, neben Stuttgart 21 ein Bestandteil des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm, sind seit Ende 2022 Züge unterwegs. Damals beschloss man, die neue Trasse auch ohne Stuttgart 21 in Betrieb zu nehmen – im Rückblick und in Kenntnis des Termindebakels im Stuttgarter Talkessel eine weise Entscheidung. Ein ähnliches Prozedere schlägt Gastel für den Abschnitt von Wendlingen bis zum Flughafen Stuttgart vor.

Der Bahnpolitiker „denkt an einen Pendelbetrieb zwischen Flughafen und Ulm. Die Strecke ist fertig und der Bahnhof am Flughafen ist weit fortgeschritten“. Diese Verbindungen könne laut Gastel mit einem Halt in Merklingen auf der Schwäbischen Alb im Stundentakt bedient werden. Er kann sich auch eine Anbindung Tübingens an den Flughafen vorstellen, die via einer ebenfalls weit gediehenen Verbindungskurve bei Wendlingen möglich sei. Dabei seien aber die Verfügbarkeit der Infrastruktur, freie Kapazitäten auf der Bestandsstrecke nach Tübingen und Finanzfragen zu klären.

Land sagt Prüfung der Vorschläge zu

Mit der Bitte um Antworten darauf hat sich Gastel nun an den scheidenden Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gewandt. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigt den Eingang des Schreibens. Man werde das Anliegen nun prüfen. Im Zweifel wäre es am Land, diesen zusätzlichen Nahverkehr auf der Schiene auszuschreiben und zu finanzieren.

Gastel hofft auf baldige Ergebnisse der Prüfungen: „Milliarden schwere Infrastruktur darf nicht einfach so herumliegen. Sie muss Nutzen bringen. Daran sollten alle Beteiligten ein Interesse haben. Für die Fahrgäste können sich hochspannende Angebote ergeben. Diese gilt es bestmöglich zu realisieren.“