Land, Stadt und Region kritisieren die Bahn für die kurzfristige Mitteilung zur erneuten Verzögerung von Stuttgart 21 und berufen noch dieses Jahr einen Sonderlenkungskreis ein.
Die Stadt Stuttgart, das Land und der Regionalverband reagieren verschnupft auf die Art und Weise, wie sie über die neuerliche Verschiebung der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 informiert worden sind. Ihren Unmut teilen die drei Projektpartner Bahnchef Evelyn Palla in einem Schreiben mit, das unserer Redaktion vorliegt.
Unterschrieben ist der Brief von Landesverkehrsminister Winfried Hermann, Oberbürgermeister Frank Nopper, Regionalpräsident Rainer Wieland und Regionaldirektor Alexander Lahl. Das Quartett fordert Palla unter Hinweis auf die Geschäftsordnung des Stuttgart-21-Lenkungskreises auf, eine Sondersitzung des Spitzengremiums aller Projektpartner einzuberufen.
Stuttgart 21: Palla soll in Lenkungskreis kommen
Die Vertreter von Land, Stadt und Region machen eine gewisse Dringlichkeit geltend. Sie regen mit „Blick auf die besondere Brisanz der kurzfristigen Änderung der Planungen zur Inbetriebnahme durch die Deutsche Bahn an, den Sonderlenkungskreis unmittelbar nach der Aufsichtsratssitzung Ihres Hauses und noch in diesem Jahr durchzuführen“. Und wegen nämlicher Brisanz fordert das Quartett zudem, dass sich Palla selbst mit der Sache befassen solle. Man gehe „davon aus, dass diese Sitzung des Sonderlenkungskreises unter Ihrem Vorsitz stattfindet“.
Die Geschäftsordnung regelt den Vorsitz des Gremiums. „Der Vorsitzende des Lenkungskreises ist der Vorstandsvorsitzende der DB AG, sein Vertreter der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg“, heißt es in Punkt 2.2 des Regelwerkes. Tatsächlich entsandte die Deutsche Bahn zu den bisher 36 Zusammenkünften der Runde in der Regel den amtierenden Infrastrukturvorstand.
Beim jüngsten Treffen im Oktober, bei dem sich die Bahn noch zu der Aussage hinreißen ließ „dass die Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs nach aktuellem Kenntnisstand im Dezember 2026 erfolgt“, war das Staatsunternehmen lediglich durch S-21-Chef Olaf Drescher vertreten. Der bisherige Infrastrukturvorstand Berthold Huber war zu diesem Zeitpunkt auf dem Absprung.
Stuttgart21: Bahn will sich bis Sommer Zeit lassen
Als Überbringer der schlechten Botschaft fungierte dieses Mal der Chef der Infrastruktursparte Infrago, Philipp Nagl. „Nach sehr kurzfristiger informeller Vorankündigung wurden die Partner am 19. November 2025 von Dr. Nagl informiert, dass sich das Konzept zur Inbetriebnahme ändert und der Eröffnungszeitpunkt für den Hauptbahnhof verschiebt“, monieren die vier Absender des Briefes. Ein neuer Termin solle erst Mitte nächsten Jahres genannt werden. Diesen Zeitplan bekräftigte zuletzt Clarissa Freundorfer als Bevollmächtigte des Bahnkonzerns im Land vor den Regionalräten.
Beim Sonderlenkungskreis erwarten Land, Stadt und Region von der Bahn nicht nur „über die Gründe für die erneute Verschiebung der Inbetriebnahme des Projekts Stuttgart 21 zu informieren, sondern auch darüber, ob dies auch mit einer Änderung des Inbetriebnahme-Konzeptes verbunden ist und welche Auswirkungen auf Sperrpausen und Fahrpläne im Jahr 2026 zu erwarten sind“. Zudem pocht man darauf in der Sitzung „ein konkretes und verlässliches Datum, wann ein belastbarer neuer Inbetriebnahme-Zeitplan vorgelegt“ wird zu erfahren.