Für Stuttgart 21 wird am Flughafen gebaut: Sollte der Pfaffensteigtunnel für die Gäubahn Realität werden, müssten die Pläne geändert werden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Eine 11,5 Kilometer lange Röhre, die nun Pfaffensteigtunnel heißt, soll die Gäubahn mit dem Flughafen Stuttgart verbinden und Fahrzeiten Richtung Schweiz ermöglichen, die zum Konzept des Deutschland-Takts passen. Die Bahn eröffnet ein Infobüro auf den Fildern.

Entsteht auf den Fildern einer der längsten Eisenbahntunnel Deutschlands? Die Bahn treibt die Pläne für das bisher Gäubahntunnel genannte Projekt voran und steht nun vor dem Abschluss des ersten Projektschritts, der sogenannten Vorplanung. Für diese hatte sie im Oktober vergangenen Jahres den Auftrag vom Bund bekommen.

 

Infobüro öffnet in Leinfelden

Das Vorhaben firmiert nun unter dem Namen Pfaffensteigtunnel, benannt nach jenem Gewann im Sindelfinger Wald, in dem der Tunnel von der bestehenden Gäubahn abzweigt und die Verbindung zum neuen Bahnhof am Flughafen und an der Messe herstellen soll. Von der kommenden Woche an erläutert die Bahn Details in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen, wo zu diesem Zweck für drei Wochen ein Infobüro eröffnet wird. Im Gemeinderat von L.-E. präsentiert sie die Pläne bereits am Dienstagabend.

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Der elfeinhalb Kilometer lange Pfaffensteigtunnel würde die bisherigen Planungen der Bahn rund um den Flughafen ersetzen. Im Rahmen von Stuttgart 21 sollen die Züge der Gäubahn über die bestehende S-Bahn-Strecke zum Flughafen fahren und dort in der erweiterten S-Bahn-Station halten. Das würde sich mit dem Pfaffensteigtunnel erübrigen. Die grün-schwarze Koalition im Land hat dem Tunnelvorhaben ihre Unterstützung in der Koalitionsvereinbarung zugesichert. Der Tunnel würde – anders als die Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart – vom Bund finanziert. Er ist Teil des im Bundesverkehrswegeplan verankerten Ausbaus der Gäubahn. Diese Verbindung Stuttgart–Bodensee–Nordschweiz soll dabei für den sogenannten Deutschland-Takt fit gemacht werden. „Ohne den Pfaffensteigtunnel lässt sich der Deutschland-Takt auf der Gäubahn nicht realisieren“, sagt Robert Berghorn, der für S 21 am Flughafen zuständige Ingenieur.

In welche Richtung sich die Pläne weiterentwickeln, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Anfang Mai treffen sich die S-21-Partner zum nächsten Lenkungskreis. Das Spitzengremium muss dann eine Entscheidung treffen, ob die bestehenden Pläne so modifiziert werden, dass sich der Pfaffensteigtunnel ohne größere Unterbrechung in das Gesamtsystem einfügen lässt. Dazu müssen beim derzeit laufenden Bau der S-21-Röhren am Flughafen Vorkehrungen getroffen werden. Ob der Pfaffensteigtunnel tatsächlich gebaut wird, entscheidet sich zu einem späteren Zeitpunkt. Deswegen fährt die Bahn weiter zweigleisig. „Wir halten auch die ursprünglichen Pläne am Flughafen am Laufen“, sagt Berghorn. Für das Projekt liegt derzeit der Ball beim Eisenbahn-Bundesamt, das über eine Baugenehmigung entscheidet.

Verzögerungen beim Flughafen-Bahnhof

Für den Pfaffensteigtunnel würden sich zwei Tunnelbohrmaschinen vom Flughafen aus in den Untergrund graben. Im Stadtgebiet von Leinfelden lägen die Röhren mehr als 40 Meter unter der Oberfläche. Einen Haken haben die Pläne aber: Käme die lange Tunnellösung, wäre der neue Flughafen-Bahnhof frühestens 2027 aus Richtung Ulm erreichbar. Bis dahin müssten Zugreisende den Umweg über den Hauptbahnhof nehmen.