An der Jägerstraße in der Stuttgarter Innenstadt sollen Büros und Geschäfte entstehen. Doch dort wie an der Bahndirektion wartet der Bauherr auf die Stadt.
Stuttgart - Noch klafft an der Jägerstraße eine große Grube, in der an der unterirdischen Verbindung zwischen der künftigen Bahnsteighalle von Stuttgart 21 und den dazugehörigen Tunnels gearbeitet wird. Bald sollen diese Arbeiten beendet sein, die Baustelle verschwindet deshalb aber nicht.
Die Bahn hat vor gut einem Monat das Areal verkauft. Den Zuschlag erhalten hat der Hamburger Entwickler Momeni zusammen mit dem Investor Black Horse. Die neuen Eigentümer wollen auf dem 3500 Quadratmeter großen Areal ein Büro- und Geschäftshaus bauen. Rund 60 Millionen Euro soll der Neubau kosten. Wie viel für das Grundstück fällig wurde, will das Unternehmen nicht sagen. Der Neubau würde neben dem Gebäude der Industrie- und Handelskammer entstehen. Für den Entwurf zeichnet das Architekturbüro Caspar verantwortlich, das in Stuttgart unter anderem das Maybach-Quartier auf dem Pragsattel geplant hat. Während dort vor allem Wohnungen entstanden sind, sollen an der Jägerstraße auf 10 000 Quadratmetern Büros und Geschäfte einziehen und „zu einer spürbaren Aufwertung des gesamten Areals führen“, wie Felix Weinmann von Momeni sagt. Das Hamburger Unternehmen ist in Stuttgart nicht gänzlich unbekannt. Anfang vergangenen Jahres kaufte es den Bürokomplex Albplatz-Forum in Degerloch.
Baubeginn schon im kommenden Jahr?
2021 solle mit dem Neubau an der Jägerstraße begonnen werden, hieß es in der Mitteilung, die das Unternehmen nach dem Kauf des Areals verbreitete. Nun ist man etwas vorsichtiger. Zum einen arbeitet die Bahn zwar in diesem Abschnitt, doch fertig ist sie noch nicht. Und zum anderen läuft für das Gebiet zwischen Heilbronner Straße und den Weinbergen am Kriegsberg derzeit ein Bebauungsplanverfahren bei der Stadt. „In Abhängigkeit davon, rechnen wir mit einer frühesten Fertigstellung im Jahre 2024. Ein verlässliches Termingerüst kann zum jetzigen Zeitpunkt daher noch nicht genannt werden“, erklärt eine Sprecherin des Bauherrn auf Anfrage. Ein Bahnsprecher in Stuttgart sagt, man plane die Übergabe der Flächen an Momeni „nach derzeitigem Terminplan voraussichtlich Ende 2021“.
Auf Klarheit, was baulich möglich ist und was nicht, wartet auch der Besitzer der Flächen auf der anderen Seite der Jägerstraße. Dort, an der Rückfront der ehemaligen Bahndirektion, sind die S-21-Gruben bereits geschlossen, lediglich größere Mengen Baumaterial liegen noch herum. Und auch dort sollte „etwas Tolles entstehen“, wie Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) bei der Vorstellung des Ergebnisses mitteilte, das am Ende des städtebaulichen Ideenwettbewerbs stand. Das war vor knapp zwei Jahren. Beim Bauherrn an der Bahndirektion, der P+B Gruppe aus St. Augustin bei Bonn, ist man zurückhaltend, was Prognosen angeht. Noch arbeite die Stadt am Bebauungsplan, „der nach Bearbeitung durch die Stadtverwaltung zunächst noch offengelegt und dann per Satzungsbeschluss vom Rat der Stadt verabschiedet werden muss“, erklärt ein Sprecher des Bauherrn. Weil vom Ausgang des Verfahrens das weitere Vorgehen abhänge, könne man „zum Sachstand beziehungsweise zu einem möglichen Baubeginn leider noch keine Auskunft geben“. Ursprünglich war man von einem Baustart Anfang 2020 ausgegangen. Bei der Stadt hält man sich mit Prognosen, bis wann der neue Bebauungsplan gültig wird, zurück. Aktuell sei die Verwaltung „in der Vorbereitung des Auslegungsbeschlusses“, wie ein Rathaus-Sprecher mitteilt. Danach muss der Gemeinderat beschließen, ob der Bebauungsplan rechtskräftig wird. Diese frühe Phase des Verfahrens dürfte auch erklären, warum es noch keinen Bauantrag gibt.
Grünen wollen möglichst viel Wohnungsbau
In der Kommunalpolitik beobachtet man die Entwicklung des zentral gelegenen Quartiers aufmerksam. So unterstrichen etwa die Grünen im Gemeinderat in einem Antrag Ende vergangenen Jahres, dass mit Blick auf die Wohnbaumisere in der Stadt möglichst viele Wohnungen auf dem Areal entstehen sollten. OB Fritz Kuhn stellte eine Befassung des zuständigen Gemeinderatsausschusses mit dem Thema für den Herbst 2020 in Aussicht.
Parallel pflegt man im Rathaus den Kontakt auch zu den neuen Eigentümern der Fläche an der Jägerstraße. „Voraussichtlich wird es im November einen weiteren Termin geben. Dabei wird auch der weitere Zeitplan abgestimmt.“ Beim Bauherrn verweist man auf die enge Abstimmung, die mit der Stadt vonnöten sei. „Mit Blick auf unsere bisherigen Projekte hat sich gezeigt, dass eine proaktive und intensive Beteiligung der Stadt zu einer Verbesserung der Verfahrensbearbeitung beigetragen hat. Diesen Ansatz möchten wir auch hier verfolgen“, so die Sprecherin von Momeni.