Die neue Rathausspitze (von links): der Baubürgermeister Helmut Renftle, die frischgewählte Sozialbürgermeisterin Almut Cobet und Oberbürgermeister Guido Till Foto: Stadt

Der Gemeinderat hatte am Donnerstagabend keine leichte Aufgabe. Denn drei fähige und sympathische Frauen bewarben sich um den Posten der Ersten Bürgermeisterin. Im zweiten Wahlgang fiel die Entscheidung dennoch deutlich aus.

Göppingen - Die Siegerin strahlte. „Ich bedanke mich ganz herzlich, das ist gigantisch“, sagte Almut Cobet nach ihrer Wahl zur Ersten Bürgermeisterin und Leiterin des Dezernats II am Donnerstagabend im Großen Sitzungssaal an den Gemeinderat gewandt. Und sie versprach: „Ich werde einen großen Blumenstrauß an Ideen und Engagement mitbringen.“ Die im zweiten Wahlgang in einer Stichwahl unterlegene Ulrike Haas (Grüne) gehörte zu den ersten Gratulanten. Von ihrer Enttäuschung ließ sich die 51-jährige Leiterin des Referats Kinder und Jugend der Stadt Göppingen nichts anmerken.

Bis die Entscheidung feststand, verfolgten viele Bürger und Mitarbeiter der Stadtverwaltung eine spannende Wahl, die mit kurzen Redebeiträgen der Kandidatinnen begann und sich dann über zwei Wahlgänge zog. Die großen Flügeltüren des Sitzungssaales mussten geöffnet und vor dem Raum musste aufgestuhlt werden, um genug Platz für alle Besucher zu schaffen. Von den anfangs 25 Kandidaten für das Amt des Sozialbürgermeisters waren bereits nur noch die derzeitige Kirchheimer Fachbereichsleiterin für Kultur, Bildung und Soziales, die 43-jährige Almut Cobet, die langjährige Mitarbeiterin der Stadt Göppingen, die Eislingerin Ulrike Haas, und die Sozialbürgermeisterin von Schwäbisch Hall, Bettina Wilhelm, übrig.

Wilhelm ist vielen Stadträten zu forsch

Alle drei präsentierten sich dem Gremium in ihren Reden überzeugend als fähige Nachfolgerinnen für die bisherige Amtsinhaberin Gabriele Zull, die im November als Oberbürgermeisterin nach Fellbach (Rems-Murr-Kreis) gewechselt ist. Die der SPD nahe stehende Wilhelm verlor allerdings bei vielen Stadträten Sympathiepunkte, weil sie so manchem etwas zu selbstsicher und forsch erschien. Haas hingegen zeigte sich deutlich emotionaler als ihre Konkurrentinnen. „Ich trete hier und heute an, weil mir Göppingen – wie Ihnen – am Herzen liegt“, sagte sie. „Göppingen ist Heimat für mich. Ich trete für die Menschen an, groß und klein, arm und reich. Für sie möchte ich gerechte Rahmenbedingungen schaffen, wie ich das seit 15 Jahren erfolgreich an meiner Stelle bei der Stadt tue“, sagte sie.

Cobet gab sich etwas neutraler und dafür offen und humorvoll. Inhaltlich zeigte sie allerdings viele Übereinstimmungen mit Haas, die freilich als Kennerin der Göppinger Szene etwas mehr ins Detail ging. Beide machten sich für die enge Vernetzung von Vollzugsdienst, Sozialarbeit und Prävention stark, beide kündigten an, Konzepte für die zügige Integration von Flüchtlingen erarbeiten zu wollen, beide setzten dabei auch stark auf die Kooperation von Ehren- und Hauptamt.

Stichwahl zwischen Almut Cobet und Ulrike Haas

Weil im ersten Wahlgang keine der Bewerberinnen die absolute Mehrheit erringen konnte, kam es zu einer Stichwahl zwischen den Kandidatinnen mit den meisten Stimmen, Cobet und Haas. Wilhelm war aus dem Rennen. In der zweiten Runde wanderten die Wilhelm-Unterstützer aus den Reihen der SPD – für viele Grüne schmerzlich überraschend – ins Cobetlager. Die Stichwahl endete mit einer klaren Mehrheit von 27 Stimmen für Almut Cobet und 14 Stimmen für Ulrike Haas.

Wann Cobet ihr Amt antritt, ist noch unklar. Das muss nun mit ihrem bisherigen Arbeitgeber, der Stadt Kirchheim, geregelt werden. Die Stuttgarterin hatte bereits von Anfang an angekündigt, zunächst nicht nach Göppingen zu ziehen, sondern pendeln zu wollen. Am Donnerstag erklärte sie allerdings, bei einer Amtszeit von acht, vielleicht auch 16 Jahren, halte sie es mit dem James-Bond-Titel „Sag niemals nie“ – und erntete dafür viel Gelächter und Applaus.

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