Was ist ein Shadowban? Foto: 13_Phunkod/Shutterstock

Kaum noch Likes und Kommentare, die Reichweite wie vom Erdboden verschluckt? Schuld könnte ein Shadowban sein. Wir erklären, was das ist.

Ohne ersichtlichen Grund brechen die Zahl der Kommentare ein, Fotos und Tweets bekommen deutlich weniger Likes und auch geteilt wird nicht mehr so viel, obwohl die Followerzahl stabil bleibt. Viele Nutzer von Social-Media-Plattformen kennen das Phänomen, entweder weil sie es bei den eigenen Accounts erlebt oder bei anderen davon gelesen haben. Doch was steckt dahinter?

Was ist ein Shadowban?

Als „Shadowban“ bezeichnet man den Umstand, wenn ein User oder einzelne Beiträge von einer Online-Community blockiert werden. Der User wird also nicht von anderen Usern blockiert, sondern von Twitter oder Instagram selbst. Beiträge und Kommentare sind dann nicht mehr über die Suchfunktion zu finden und tauchen beispielsweise nicht mehr auf Instagrams „Explore Page“ auf.

Für den User selbst sind aber in der Regel alle Funktionen der Plattform normal nutzbar und Beiträge sind für alle auf dem Profil des Users sichtbar. Deswegen ist es für den Benutzer nicht direkt ersichtlich, dass er von einem Shadowban betroffen ist.

Shadowbans werden angewendet, wenn jemand vermeintlich problematische Inhalte teilt. Diese Inhalte sollten unsichtbar gemacht werden, gleichzeitig soll vermieden werden, dass sich User abmelden oder Trolle neue Konten erstellen.

Andere Bezeichnungen für einen Shadowban sind shadow banning, stealth banning, ghost banning oder comment ghosting.

Mythos Shadowban: Ist das überhaupt real?

Es ist mehr oder weniger umstritten, ob es so etwas wie shadow banning überhaupt gibt. Das liegt vor allem daran, dass die Betreiber der Social-Media-Plattformen das nicht bestätigen bzw. abstreiten. Viele User hingegen sehen es aus ihrer tagtäglichen Erfahrung als erwiesen an.

Der Begriff wird oft, aber nicht nur, in konservativen und rechtsextremen Interessengruppen angebracht. Diese nehmen an, besonders häufig von shadow banning betroffen zu sein und sehen es als eine Art ideologische Zensur.

Tatsächlich stellt sich in vielen Verdachtsfällen die Frage, wo die Grenze zwischen Shadowban und Zensur verläuft. Ein Shadowban, weil ein Account möglicherweise Spam verbreitet, ist schließlich etwas anders als Zensur, die bestimmte politische Standpunkte unsichtbar machen soll.

Vor allem über Twitter gab es diesbezüglich in den letzten Jahren viele Beschwerden. Fest steht: Twitter verfügt standardmäßig über ein Interface, über das Regierungsbehörden weltweit bestimmte Inhalte oder Konten zensieren lassen können. Statistiken dazu veröffentlicht Twitter selbst in Transparenzberichten. Eine beim „Workshop on Privacy in the Electronic Society“ vorgestellt Studie, die türkische Tweets von Ende 2014 bis Anfang 2015 untersuchte, kam allerdings zu dem Schluss, dass Twitter deutlich mehr Tweets zensierte als offiziell angegeben. Die zensierten Tweets hatten zum Großteil politische und insbesondere regierungskritische Inhalte. (1) Twitter soll in den USA aber auch bewusst Berichte über einen Drohnenangriff durch Shadowban zurückgehalten haben (2).

2018 vermischten sich die Gerüchte um Shadowbans aber auch mit verschwörungstheoretischen Tendenzen, nach denen Twitter Tweets von Republikanern gebannt haben soll (3). Donald Trump befeuerte diese Gerüchte; Twitter bestreitet das Shadowbanning und auch diverse Medien wie die New York Times argumentieren gegen diese Praxis (4). Tatsächlich sei nur in seltenen Fällen tatsächlich ein „Shadowban“ aktiv. Viel häufiger ist es der Fall, dass die Menschen die Plattform, die sie nutzen, nicht richtig verstehen.

Twitter erklärte in einem Blogpost im Mai 2018, dass es das Verhalten von Usern auswerte, um eine gesunde Gesprächskultur aufrecht zu erhalten. Konkret sollen dadurch vor allem Beiträge von sogenannten Trollen weniger sichtbar sein, sodass es weniger Beschwerden gibt. Twitter machte in diesem Beitrag deutlich, dass es Beiträge ausblendet, wenn diese nicht zu einer positiven Konversation beitragen, obwohl sie den Richtlinien entsprechen. Das deckt sich zumindest teilweise mit der Definition von shadow banning.

Auch Facebook nutzt so eine Technik und hat im Juli 2019 sogar ein Patent für eine Technik erhalten, die es möglich macht, Kommentare vor anderen Nutzern zu verstecken, ohne dass der Kommentierende dies merkt (5). Dies funktioniert auf Basis einer Liste verbotener Inhalte.

Twitter, Facebook, Instagram – kein Netzwerk würde die angewandten Techniken als „Shadowban“ bezeichnen. Es scheint aber eindeutig, dass tatsächlich bestimmte Inhalte automatisch ausgeblendet werden können, wenn sie von der Plattform als unangemessen eingestuft werden. Dies kann als Zensur gelten, kann aber auch positiv ausgelegt werden, wenn dadurch Trolle und Spam-Accounts an Relevanz verlieren.

Anzeichen: Shadowban-Test

Oft hängt ein Rückgang von Interaktionen und Wachstum eher mit einem veränderten Algorithmus der Plattform zusammen als mit einem Shadowban. Wenn Sie aber die Vermutung haben, von einem Shadowban betroffen zu sein, können Sie das selbst testen. Mittlerweile gibt es zwar auch diverse Anbieter von Shadowban-Tests online, die sind allerdings in aller Regel darauf ausgelegt, Ihnen etwas zu verkaufen.

Typische Zeichen für einen Shadowban

  • Weniger Likes als üblich
  • Weniger Kommentare als üblich
  • Kommentare und Likes stammen nur noch von Followern, nicht mehr von Nicht-Followern
  • Es kommen keine neuen Follower hinzu oder Sie verlieren sogar welche.

Typisch für einen Shadowban ist außerdem, dass Sie selbst beim Bedienen der Plattform keine Auswirkungen merken. Sie können normal posten, andere Beiträge liken und teilen. Lediglich Ihre Reichweite und Ihre Interaktionsrate sinken.

Shadowban-Test selbst durchführen

1. Finden Sie jemanden mit einem Instagram- oder Twitter-Account, der Ihnen nicht folgt.

2. Posten Sie auf Instagram oder verfassen Sie einen Tweet. Nutzen Sie dabei Hashtags, die Sie sonst auch nutzen.

3. Bitten Sie die andere Person, sofort unter den verwendeten Hashtags nachzuschauen, ob Ihr Post dort erscheint.

Falls Ihr Beitrag dort nicht erscheint, lassen Sie die andere Person noch einmal nach 3 bis 5 Minuten nachsehen. Wenn Sie dort angezeigt werden, sind Sie definitiv nicht von einem Shadowban betroffen. Wenn nicht, deutet dies auf einen Shadowban hin.

Wichtig: Die Beiträge in einem Hashtag-Feed werden chronologisch angezeigt. Manche Hashtags sind beliebter als andere, bei Twitter trifft das vor allem auf Hashtags zu aktuellen Trends zu. Je größer die Anzahl der Beiträge mit diesem Hashtag, desto schneller muss der Hashtag-Feed überprüft werden. Unter dem Hashtag #instagood beispielsweise werden derzeit 1,2 Milliarden Beiträge angezeigt, pro Minute kommen rund 600 #instagood-Beiträge hinzu. Ihr Beitrag kann innerhalb von Sekunden im Feed so weit nach unten rutschen, dass es den Anschein hat, er wäre nicht zu finden. Wenn Sie generell solche „großen“ Hashtags verwenden, sollten Sie Ihre Strategie überdenken und eher auf relevantere Nischen-Hashtags setzen.

Gründe für einen Shadowban

Sie bzw. Ihr Beitrag wurde gemeldet

Wenn Ihr Profil oder einer Ihrer Beiträge (mehrfach) als „inappropriate“, also unangebracht, gemeldet wird, wird der Beitrag automatisch entfernt ohne dass eine manuelle Prüfung durch Instagram erfolgt, ob der Beitrag wirklich gegen Richtlinien verstößt. Hinterfragen Sie aber auch selbst ehrlich, ob es tatsächlich Inhalte gibt, die Anlass für so eine Meldung geben. Wenn Sie sich die Meldung nicht erklären können, nehmen Sie Kontakt zum Kundenservice von Instagram auf. Begründen Sie, beispielsweise mit Screenshots, warum Ihr Beitrag zu Unrecht gemeldet wurde.

Sie nutzen einen unsicheren Bot

Unter einem Bot versteht man ein Programm, das wiederkehrende Aufgaben automatisch abarbeitet. Es gibt beispielsweise Instagram-Bots, die automatisch Posts im Feed liken und so die eigene Sichtbarkeit erhöhen. Der Einsatz von Bots führt nicht automatisch zu einem Shadowban. Aber wenn Sie Bots nutzen, die von Instagram als unsicher eingestuft werden oder wenn die Bots bestimmte Interaktions-Schwellenwerte überschreiten, kann es zu einem Shadowban kommen, da Instagram Sie als Spam-Account einstuft. Die Lösung: Verzichten Sie auf Ihren Bot und schauen Sie, ob sich eine Besserung einstellt.

Banned Hashtags – Gesperrte Hashtags

Neben der Frage, ob der Shadowban selbst überhaupt real ist, ranken sich weitere Mythen um das Thema. So zum Beispiel im Fall von „banned hashtags“, also gesperrten Hashtags. Angeblich gibt es eine Reihe von Hashtags, die dauerhauft oder temporär von Social-Media-Plattformen gesperrt werden und wer diese Hashtags verwendet, riskiert einen Shadowban.

Screenshot: Katrin Klingschat, angefertigt am 03.11.2020 im Instagram-Hashtag-Feed zum Hashtag "#beautyblogger", https://www.instagram.com/explore/tags/beautyblogger/?hl=de

Dass beispielsweise Instagram Beiträge zu bestimmen Hashtags verbirgt, konnte während der Recherche zu diesem Artikel bestätigt werden. Gründe dafür sind gemeldete Inhalte, die eventuell gegen die Community-Richtlinien verstoßen sowie enormer Spam unter einem Hashtag.

Eine offizielle Stellungnahme oder gar Liste von Instagram selbst gibt es dazu nicht. Wer gesperrte Hashtags als Risiko ansieht und sichergehen will, der muss also händisch über die Suchfunktion alle Hashtags selbst überprüfen. Wenn im Hashtag-Feed die oben gezeigte Meldung erscheint („Aktuelle Beiträge […] sind derzeit verborgen…“), soll es sich um einen gesperrten Hashtag handeln. Online lassen sich diverse Listen mit solchen Hashtags finden, die aber nicht immer zuverlässig sind.

Weitere Gründe für einen vermeintlichen Shadowban:

  • Kaufen von Fans, Followern oder Reaktionen
  • Zu häufige Nutzung eines Hashtags (Spam-Verdacht)
  • Überaktivität (in kurzer Zeit viele Beiträge gepostet, vielen Nutzern gefolgt/entfolgt, viele Beiträge geliked etc.)

Wer die Vermutung hat, von einem Shadowban betroffen zu sein, sollte den eigenen Account und Content hinterfragen, andere Hashtags nutzen, auf automatisierte Services verzichten und eine neue Posting-Strategie ausprobieren. In vielen Fällen kann das bereits hilfreich sein, um die eigene Reichweite wieder zu steigern.

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