Blitzer, Kontrollen und Sperrung – es gibt Ideen, wie sich die Situation für Radfahrer im Schwabtunnel entschärfen ließe. Ein Lösung, die erfolgversprechend klingt, wird geprüft.
Geht es nach SPD und Volt im Gemeinderat ist in drei Monaten bereits alles besser. In einem Antrag für mehr Sicherheit für Radfahrer im Schwabtunnel fordern sie verschiedene Maßnahmen – von einer baulichen Trennung bis zu mehr Überwachung. Trotz doppeltem Verbot überholen Autos hier Radler. Seit Kurzem dürfen Radler auf dem Gehweg fahren, am grundsätzlichen Problem ändert das aber nichts. Ein Überblick über die Maßnahmen, die bereits diskutiert werden – mit unterschiedlicher Aussicht auf Erfolg.
1. Blitzer
Für einen Blitzer fehlt nach Auskunft der Stadt Stuttgart der Platz im Schwabtunnel. „Der Markt an zugelassenen Anlagen ist in Deutschland aufgrund der hohen Anforderung an die Technik und der daraus resultierenden hohen Entwicklungs- und Zulassungskosten überschaubar“, informiert die Stadt eine Radlerin, die sich nach einem Blitzer erkundigt hatte. Er fände nur auf dem Gehweg Platz, der dann aber in der Folge zu schmal wäre für Kinderwagen oder Rollstühle.
2. Temporeduzierung
Im Schwabtunnel gilt derzeit Tempo 40. Eine Reduzierung würde die CDU mitgehen, sagt Alexander Kotz im Gespräch mit unserer Redaktion. „Der Zeitverlust wäre wahrscheinlich im zweistelligen Sekundenbereich“, sagt er.
Tatsächlich prüft die Stadt, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Dies müsse „mit allen Fachämtern und der SSB abgestimmt werden“, sagt Sven Matis, der Sprecher der Stadt. „Dieser Prüfprozess ist gestartet und kann einige Zeit in Anspruch nehmen.“
3. Mehr Kontrollen
Eine durchgezogene Linie entspricht einem Überholverbot. Am Schwabtunnel steht zudem noch ein entsprechendes Schild. Doch was, wenn viele Autofahrer das ignorieren? Der Vorschlag des CDU-Sprechers im Gemeinderat, Alexander Kotz: „Dann muss ich es stärker kontrollieren.“ Laut Polizei wurden im Jahr 2024 am Schwabtunnel insgesamt 19 Kontrollstellen eingerichtet, 2025 waren es bisher sechs; hinzu kämen weitere, nicht dokumentierte Kontrollen im täglichen Dienst, so die Sprecherin Daniela Treude.
„Die Regelverstöße sind dort sehr ausgeprägt“, sagt die Polizei-Sprecherin. „Wollte man hier alle Verstöße verfolgen, so wäre eine Dauerpräsenz erforderlich, die aus nachvollziehbaren Gründen nicht realistisch ist.“ Wer im Schwabtunnel beim Überholen erwischt wird, zahlt ein Bußgeld von 70 Euro und kassiert einen Punkt.
4. Sperrung
Der Vorschlag, die Spur von Süd nach West für den Autoverkehr zu sperren, ist nicht neu. Es gab sogar einmal den Vorstoß für einen Verkehrsversuch. Doch dieser wurde 2022 zurückgestellt; der Grund: die seinerzeit aufkommende Diskussion zur Änderung der Straßenverkehrsordnung – die Kommunen mehr Freiräume verschaffen sollte. An diesem Punkt ist der Versuch hängengeblieben.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in der Stadt denkt derweil noch größer. Um die Situation zu befrieden, sollte nicht nur eine Spur in Zukunft für den Autoverkehr gesperrt sein. „Als Dauerlösung stellen wir uns einen Tunnel vor, der ,nur‘ noch für den Umweltverbund geöffnet ist“, heißt es. „Fußverkehr, Radverkehr, Busse.“
5. Fahrbahn-Trennung
Wenn sich viele Autofahrer nicht vom Überholen abbringen lassen, hilft dann vielleicht eine bauliche Lösung? Das fragen sich viele der Fahrradfahrer, die dort regelmäßig unterwegs sind. Und auch die Stadt denkt offenbar darüber nach. In einer Stellungnahme des Amts für öffentliche Ordnung gegenüber dem Bezirksbeirat Süd steht, dass man auch eine „bauliche Trennung der Fahrbahn durch Leitschwellen/Trennelemente“ prüfe.
„Eine bauliche Trennung könnte die Einsatzfähigkeit der Rettungskräfte beeinträchtigen“, heißt es in der Stellungnahme. Zudem verkehre der Bus durch den Tunnel. Doch man verspreche sich dadurch eine Verbesserung. „Sollte die Maßnahme wie geplant umsetzbar sein.“
6. Piktogramme
Ein weiter Punkt, den die Stadt prüft, sind sogenannte Piktogrammketten. Zur Erklärung: „ Piktogramme und Piktogrammketten sind alleinstehende Radverkehr-Sinnbilder, die auf der Fahrbahn angebracht werden, um den Kraftfahrzeugverkehr in besonderen Situationen auf das Vorhandensein und die besondere Schutzbedürftigkeit des Radverkehrs hinzuweisen“, so der Stadtsprecher Sven Matis. „Sie sind somit auch geeignet, das subjektive Sicherheitsgefühl der Radfahrenden zu verbessern.“
Ein Vorschlag des ADFC: Banner an den Tunnelportalen, die an das Überholverbot erinnern. „Da das entsprechende Verkehrszeichen anscheinend noch weitgehend unbekannt ist.“