In der Calwer Passage wurde Anfang des Jahres von Dinkelacker und Weller ein Stehausschank eröffnet. Jetzt macht die Idee in Stuttgart Schule. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

In der Calwer Passage feiert Dinkelacker mit einem Stehausschank Erfolge. Jetzt plant die Brauerei in Stuttgart weitere Ableger. Konkurrent Hofbräu zieht nach.

Das gute Wetter macht Christian Dinkelacker nicht nur zum Frühlingsfest auf dem Cannstatter Wasen gute Laune. Der Chef von Dinkelacker-Schwaben Bräu schaut derzeit mit sichtbarem Genuss auf die Calwer Straße nach Südwest. Dort hat die Brauerei mit ihrem künftigen Wasenwirt Carsten Weller Anfang des Jahres einen Stehausschank eröffnet. Die Biergeschäfte laufen dort so gut, dass schon bald weitere Stehausschänke folgen könnten.

 

„Im Vergleich zu einer durchschnittlichen Gaststätte ist der Umsatz beim Stehausschank dreifach so hoch“, betont Dinkelacker. „Früher hieß es immer, dass das in Stuttgart nicht funktioniert, Stuttgart sei im Gegensatz zu München keine Bierstadt. Jetzt werden wir oft angesprochen, weil jeder einen Stehausschank will.“

Die Idee kam von München nach Stuttgart

Tatsächlich erleben Stehausschänke in München derzeit eine Renaissance. Sie bieten gesellige, ungezwungene Runden, wo man auf ein schnelles Getränk leicht ins Gespräch kommt und neue Bekanntschaften schließen kann. Vor allem aber verspricht das schnelle Bier im Stehen eine hohe Frequenz und damit ebenso hohe Umsätze – und das auf wenig Raum.

Was auch den Kindern Dinkelackers nicht verborgen blieb: Sie machten den Vater auf das florierende Geschäftsmodell aufmerksam, wie dieser erzählt: „Meine Kinder haben mir gesagt: ,Papa, komm mal nach München und schau dir das an‘.“

„Papa, komm mal nach München und schau dir das an!“: Christian Dinkelacker, Geschäftsführer von Dinkelacker-Schwaben Bräu. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Inzwischen sieht sich der Dinkelacker-Chef selbst weit vorne, wenn es um das Bier im Stehen geht. „Für Stuttgart sind wir Trendsetter.“ Nach dem Stehausschank in der Calwer Straße wolle man das Geschäftsmodell in Stuttgart weiter ausbauen. „Wir schauen uns derzeit nach möglichen Standorten in der Innenstadt um. Wenn es gut läuft, könnten im Sommer ein, zwei weitere Ausschänke aufmachen“, sagt Dinkelacker. Möglich seien auch Stehausschänke in Universitätsstädten. „Auch hier sind wir von Städten schon angesprochen worden.“

In Stuttgart verlagert man schon jetzt das Bier von Stühlen und Bänken in die Vertikale. In der Tübinger Straße entwickelt sich Dinkelackers neuer Ausschank „Shop & Schanke“ immer mehr zum Stehausschank. Im neu eröffneten „Kesselwirt“ in der Lautenschlager Straße hat Dinkelacker-Abnehmer Harald Huber neben 300 Sitzplätzen im Eingangsbereich auch einige Stehtische für das Feierabendbier aufgebaut. Gegenüber – im „Palast der Republik“ – hat man die Idee des ungezwungenen Biers im Freien schon lange verinnerlicht, allerdings als Sitzvariante auf dem Boden.

All das blieb auch bei der Stuttgarter Brauerei Hofbräu – dem größten Konkurrenten von Dinkelacker-Schwaben Bräu vor Ort – nicht unbemerkt. Auch Hofbräu-Chef Martin Alber zeigt sich als Stehbier-Fan: „Das ist eine gesellige Sache. Oft sind ja die einfachen Dinge schön.“

Dass man Dinkelacker hinterherhinke, will Alber nicht gelten lassen. „Wir waren schon vor der Eröffnung absolut sicher, dass wir das machen wollen“, betont er – man habe nur kein geeignetes Objekt gefunden. Man brauche allerdings einen Ort mit viel Laufpublikum und genügend Außenplätzen, schränkt Alber ein, um dann doch die Auswahl zu weiten: „Grundsätzlich kommt die gesamte Fußgängerzone in der Innenstadt infrage.“

Derzeit suche man bei Hofbräu nach einem passenden Objekt, das den Kriterien entspreche, es sei nur eine Frage der Zeit, kündigt Alber an: „Wir möchten das auf jeden Fall machen – möglichst noch in diesem Sommer.“

Klappt alles, könnte die Stuttgarter Innenstadt schon in wenigen Monaten zur Stehausschank-City werden und dem Münchner Beispiel folgen. Alber ist zuversichtlich: „Stuttgart ist mit seinen vielfältigen, hoch frequentierten Fußgängerbereichen dafür prädestiniert.“