Für die starke Ausrichtung auf Luxusautos ist Mercedes heftig kritisiert worden. Doch das Luxussegment verkauft sich derzeit besser als alle Modelle von Porsche zusammen.
Der Stuttgarter Autobauer Mercedes hat gegenüber dem Lokalrivalen Porsche im vergangenen Jahr deutlich aufgeholt und ist im Schlussquartal sogar an dem Zuffenhausener Sportwagenhersteller vorbeigezogen. Nach unveröffentlichten Zahlen, die unserer Zeitung vorliegen, lieferte Mercedes im vierten Quartal 2025 insgesamt 71.800 Fahrzeuge seines Luxussegments „Top-End“ an Kunden aus. Porsche kam im gleichen Zeitraum auf 66.940 Auslieferungen.
Zum Top-End-Segment zählen bei Mercedes die S-Klasse, der GLS, der EQS und EQS SUV, die G-Klasse sowie sämtliche Modelle von Mercedes-AMG und Mercedes-Maybach. Im Gesamtjahr 2024 hatte Porsche mit 310.718 ausgelieferten Fahrzeugen noch deutlich vor Mercedes gelegen, das auf 281.800 verkaufte Einheiten kam.
Die Mercedes-Zahl bezieht sich allerdings auf Verkäufe an Händler. Die tatsächlichen Kundenauslieferungen dürften niedriger gewesen sein, da Mercedes wie andere Hersteller auch im Vorgriff auf angekündigte US-Zölle mehr Fahrzeuge an Händler auslieferte als diese zunächst verkaufen konnten. Das sollte sicherstellen, dass bei Inkrafttreten der höheren Zölle möglichst viele Mercedes-Fahrzeuge schon bei US-Händlern auf dem Hof stehen, so dass sie ohne die Zusatzbelastung verkauft werden können.
Porsche verliert Absatz, Mercedes-Luxusautos nicht
Im laufenden Jahr hat sich das Bild gedreht. Das Luxussegment von Mercedes, auf das rund jedes sechste verkaufte Fahrzeug entfällt, erwies sich als widerstandsfähiger als der Gesamtabsatz von Porsche. Während Porsche einen Absatzrückgang von rund zehn Prozent verzeichnete, schrumpfte das Top-End-Segment von Mercedes lediglich um fünf Prozent – und selbst dieser Rückgang dürfte auf den zollbedingten Sondereffekt zurückzuführen sein.
So lieferte Mercedes im vergangenen Jahr 268.000 Fahrzeuge des Top-End-Segments an Händler aus, aber 276.100 Fahrzeuge an Kunden. Die Differenz erklärt sich dadurch, dass mehrere Tausend Fahrzeuge, die 2024 bewusst noch vor Inkrafttreten der US-Zölle an Händler ausgeliefert worden waren, erst 2025 an Endkunden gingen und damit nicht von den neuen Abgaben betroffen waren. Dadurch wurden in den USA im vergangenen Jahr deutlich mehr Autos an Endkunden verkauft als an die Händler geliefert. Im Jahr zuvor, in dem die Bestände vor Inkrafttreten der Zölle aufgebaut wurden, dürfte es umgekehrt gewesen sein.
Stabile Kundenauslieferungen im Mercedes-Top-End
Somit dürften sich die Kundenauslieferungen im Mercedes-Top-Segment weitgehend stabil entwickelt haben. Bei den weltweiten Kundenauslieferungen lag Mercedes 2025 nur noch um gut 3000 Fahrzeuge hinter dem Absatz der gesamten Porsche AG.
Die heutige Einteilung der Modellpalette in die Segmente Top-End, Core und Entry hatte Mercedes vor rund drei Jahren eingeführt. Zum Core-Segment zählen E- und C-Klasse mit ihren Derivaten, zum Entry-Segment A- und B-Klasse mit ihren Varianten sowie Smart.
Absatzrekord bei 911er kommt Porsche zugute
Zu den Gründen für die unterschiedliche Entwicklung dürfte auch der erneute Absatzrückgang des Elektro-Supersportwagens Taycan zählen. Das Minus bei dem einstigen Erfolgsmodell deutet darauf hin, dass Porsche weiterhin Schwierigkeiten hat, im elektrischen Luxussegment Fuß zu fassen – insbesondere in China. Dort ist Mercedes mit der verbrenner- und hybridgetriebenen S-Klasse nach wie vor Marktführer, auch wenn dieses Modell angesichts der schwächeren Konjunktur in China ebenfalls unter Druck geraten ist.
In China sind Fahrzeuge mit Verbrennungsantrieb teurer als Elektroautos, was ihren Statuswert für wohlhabende Käufer eher noch erhöht. Davon profitiert vor allem das vergleichweise volumenstarke Luxusklassen-Flaggschiff S-Klasse. Dieses Verbraucherverhalten dürfte aber auch der Porsche-Ikone 911 zugutekommen, die im vergangenen Jahr einen neuen weltweiten Absatzrekord erzielt hatte. Beide Modelle werden in der Region Stuttgart produziert.
Rückbesinnung bei Mercedes und Porsche
Die Perspektiven für das laufende Jahr hängen bei beiden Herstellern davon ab, ob die strategische Rückbesinnung auf Verbrennungs- und vor allem Hybridantriebe den Geschmack der Kunden in den wichtigsten Märkten trifft – und wie sich die handelspolitischen Rahmenbedingungen entwickeln, zu denen auch Zölle gehören.
Neben den neuen Elektromodellen CLA und GLC setzt Mercedes große Hoffnungen auf die umfassend überarbeitete S-Klasse, die Ende des Monats vorgestellt werden soll. Sie soll das Top-End-Segment stärken, könnte im Jahr des Modellwechsels jedoch zunächst die branchenübliche Absatzdelle mit sich bringen.