Willi Betz formte einst seine Spedition zu einer der bekanntesten im Land. Der Niedergang hatte wirtschaftliche wie private Gründe. Jetzt ist ein Teil der Unternehmensgruppe insolvent.
Für die Speditionsunternehmen im Land ist es ein Warnsignal – und für die 140 Beschäftigten ein Schock. Was wird aus der Spedition Betz International GmbH, die in Sonnenbühl-Undingen im Landkreis Reutlingen ihren Sitz hat?
Am 7. April hat das Amtsgericht Tübingen die Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens des Unternehmens bekannt gegeben, die Teil der Unternehmensgruppe Willi Betz ist und sich vor allem auf das deutsche und internationale Speditionsgeschäft fokussiert. Das Gericht bestimmte den Tübinger Rechtsanwalt Dirk Poff zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Er wird nun die Geschäfte des Unternehmens überwachen, dessen Vermögen sichern und schließlich prüfen, ob und wie sich die Unternehmensgeschäfte noch fortführen lassen.
Auf Anfrage unserer Zeitung, betonte Poff, dass der Geschäftsbetrieb des Unternehmens uneingeschränkt weiterlaufe. Für die nächsten drei Monate decke das Insolvenzgeld die Gehälter der 140 Beschäftigten – davon arbeiten rund 100 in Reutlingen – ab. Es hätten sich bei ihm bereits „Interessenten für eine Fortführungslösung“ gemeldet.
Das Unternehmen führt für die Entscheidung jene Gründe an, die derzeit auch anderen Speditionsunternehmen im Land zu schaffen machen: Dazu zählen die stark steigenden Kosten und die schwache Konjunktur. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und tragfähige Lösungen für die Zukunft unseres Unternehmens zu entwickeln“, teilte die Geschäftsführung mit.
Auf und Ab einer Speditionslegende
Die Insolvenz ist ein mögliches Abschlusskapitel eines zentralen Geschäfts einer Speditionslegende: Willi Betz hatte das gleichnamige Speditionsunternehmen 1945 im Alter von 17 Jahren in Undingen gegründet. Den ersten Lastwagen kaufte er aus Armee-Beständen. Infolge des Wachstums gründete Betz in den 1960er Jahren die ersten Niederlassungen in Österreich, Frankreich, Italien und anderen europäischen Ländern, außerdem führte die Spedition Transporte bis nach Pakistan, Afghanistan und Iran durch. Der Unternehmenssitz wurde nach Reutlingen verlagert.
Frühe Kontakte zu dem bulgarischen Transportunternehmen Somat, das später übernommen wurde, halfen, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schnell in Osteuropa zu expandieren. Die Lastwagen mit dem blauen „Willi Betz“-Schriftzug auf den gelben Planen gehörten zum gängigen Bild auf den deutschen Autobahnen. Zur Hochzeit im Jahr 2008 betrug der Umsatz der Unternehmensgruppe gut eine Milliarde Euro bei rund 8000 Beschäftigten weltweit. Etwa 3000 der Beschäftigten arbeiteten in Deutschland, davon rund ein Drittel in Reutlingen.
Fast gleichzeitig machten der Gruppe unter anderem die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu schaffen, die Gruppe strukturierte sich grundlegend um. Unter anderem baute man Arbeitsplätze in der Betz International GmbH ab. 2011 verkaufte Betz die Sparte Kontraktlogistik mit 1900 Beschäftigten und konzentrierte sich stärker auf die Speditionsgeschäfte in Osteuropa. 2015 zählte die Gruppe laut dem Reutlinger General-Anzeiger noch 2100 Beschäftigte, davon 100 in Reutlingen. 2016 wurde das Firmenareal in Reutlingen an die Stadt verkauft und der Sitz 2022 zurück nach Undingen verlagert.
Die Unternehmensgruppe sorgte seitens der Führung neben positiven Nachrichten auch für Negativ-Schlagzeilen. So wurde der Unternehmensgründer Willi Betz mehrfach erpresst und 1995 von einem Einbrecher angeschossen.
Sein Sohn Thomas Betz, einst Speditionschef, wurde 2008 am Stuttgarter Landgericht wegen Bestechung und Sozialversicherungsbetrugs zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe um die Jahrtausendwende Hunderte bulgarische Lastwagenfahrer zu dortigen Billiglöhnen engagiert und den Staat um Sozialversicherungsbeiträge und Zollgebühren geprellt.
Aus gesundheitlichen Gründen blieb Willi Betz, der 2015 im Alter von 88 Jahren starb, eine Anklage erspart.
Der Vertrauensverlust wog in der Öffentlichkeit und bei den Geschäftspartnern schwer. Rückblickend wurde das Rekordjahr 2008 auch in dieser Hinsicht zum Wendejahr der Gruppe.
Derzeit zählt die Unternehmensgruppe laut Gruppen-Geschäftsführer Rainer Bisinger 740 Beschäftigte an 14 Standorten in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Bisinger betonte auf Anfrage, dass durch die Insolvenz von Betz International die Transportgeschäfte für die Automobilindustrie nicht betroffen seien. Neben dem Speditionsgeschäft betreibe die Gruppe auch Autohäuser in Bulgarien und Mazedonien. Außerdem sei sie im Immobiliengeschäft tätig.