Es geht voran bei den Hoffnungshäusern der Hoffnungsträger Stiftung, im Scheufelen Quartier Lenningen und auf dem Campus Sternhöhe in Stuttgart-Möhringen. Beim Immobilien-Dialog wurden die drei Projekte vorgestellt – alle haben Potenzial.
Bau- und Entwicklungsprojekte dauern manchmal länger als geplant. Das wissen Stuttgarter vielleicht sogar besser als andere, und in Zeiten der Baukrise können immer noch ein paar Monate drauf kommen. Großprojekte wie Stuttgart 21 werden dabei regelmäßig genau beobachtet. Andere Projekte erregen mal kurz die allgemeine Aufmerksamkeit und verschwinden dann wieder aus dem Fokus. Deswegen hat der Stuttgarter Wirtschaftsförderer Bernhard Grieb für den 16. Immobiliendialog, der Anfang der Woche im Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle stattfand, drei solcher Projekte ausgewählt und nachgefragt, wie dort der Stand der Dinge ist: die Hoffnungshäuser der Hoffnungsträger Stiftung, das Scheufelen Quartier Lenningen und den Campus Sternhöhe in Stuttgart-Möhringen. Alle drei haben das Zeug für Vorzeigeprojekte.
Ein Hoffnungshaus ist nicht einfach nur irgendein Haus, sondern ein komplettes Wohnkonzept für gelebte Integration. Dort leben Menschen mit Fluchterfahrung und Einheimische in individuellen Wohnungen unter einem Dach, teilen Gemeinschaftseinrichtungen, treffen sich in Kursen oder Workshops, Vielfalt und Zusammenhalt sind Selbstverständlichkeiten. Die charakteristisch geschwungenen und abgerundeten Gebäude entstehen in modularer Holzbauweis, sind kreislauffähig und können längerfristig auch auf dem freien Wohnungsmarkt weiter genutzt werden. Auf den Dächern sind PV-Anlagen, es gibt viel Grün, gute Voraussetzungen also, um sich wohl zu fühlen.
Die Stiftung hat inzwischen 43 nachhaltige Häuser gebaut
„Wir bauen ja für Menschen“, sagt Nathanael Over, der Geschäftsführer der ht Projektentwickler, wobei ht für Hoffnungsträger steht. Das müsse beim Planen und Bauen in den Vordergrund rücken, weil die Gebäude, die Wohnungen die Menschen verändern. „Integration geschieht nur dann, wenn man auf Augenhöhe miteinander unterwegs ist“, sagte Over. Natürlich gebe es auch Reibungen. „Geflüchtete sind nicht problemlos, Deutsche auch nicht.“ Aber gemeinsam ließen sich Lösungen finden.
Die Hoffnungsträger Stiftung mit Sitz in Leonberg hat inzwischen 43 dieser nachhaltigen Häuser gebaut, unter anderem in Öhringen, Nagold und Leonberg. Möglichst viele sollen folgen. Weitere Informationen sind unter hoffnungstraeger.de zu finden.
Das Scheufelen Quartier in Lenningen gehört zu den vielen Industriebrachen im Land mit langer Geschichte, die nach und nach zu neuen Orts- oder Stadtteilen entwickelt werden sollen. Andere Beispiele dafür sind etwa das ERBA-Areal in Wangen im Allgäu oder die Neckarspinnerei in Wendlingen. Die Geschichte der Scheufelen Papierfabrik reicht bis 1855 zurück. In den 1950er Jahren waren dort bis zu 2000 Menschen beschäftigt, Scheufelen war der führende Hersteller von Kunstdruckpapieren in Europa. 2019 wurde die Papierproduktion dort endgültig eingestellt, 2022 das Areal verkauft.
Die Lauter soll wieder freigelegt und renaturiert werden
Auf dem Areal haben mit der Fibers365 GmbH und der Non Woven GmbH & Co KG innovative und zukunftsträchtige Unternehmen ihren Sitz. Allerdings nutzen sie nur einen ganz geringen Teil der Fläche. Die Berliner DLE Land Development GmbH hat sich daran gemacht, das mehr als 20 Hektar große Gelände, durch das die Lauter fließt und auf dem einige der Gebäude denkmalgeschützt sind, weiterzuentwickeln. Die Lauter soll wieder freigelegt und renaturiert werden, in einem „Produktiven Quartier“ wird künftig vor allem gearbeitet, das „Urbane Quartier“ strebt eine Mischung aus Wohnen, Dienstleistung, Handel und Gewerbe, Gastronomie und Kultur an. Auf der anderen Seite der Lauter wird gewohnt, mal direkt am Fluss, mal im Ecoquartier, mal in Gemeinschaft.
Petra Müller von DLE konnte den Kongressteilnehmern im Hegelsaal mitteilen, dass seit drei Wochen der Aufstellungsbeschluss für das Areal steht. Ziel ist, dass das alte neue Quartier, auf dem etwa 30 Prozent der Gebäude erhalten werden, in zehn Jahren komplett fertig ist und lebt. Einige Teilbereiche werden aber sicher schon früher verwirklicht. (Im Internet: scheufelen-quartier.de).
Campus befindet sich im permanenten Umwandlungsprozess
Der Campus Sternhöhe in Stuttgart-Möhringen hat sich unter dieser Bezeichnung noch längst nicht bei allen Stuttgartern eingeprägt. Viel bekannter ist das früher eher hermetisch abgeriegelte Quartier an der Landhauskreuzung als ehemalige Daimler-Zentrale, die Ende der 1980er Jahre unter dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter gebaut worden war. Zwischenzeitlich war die gar nicht so kleine Daimler-City als „Bullshit Castle“ bekannt – so hatte Reuters Nachfolger Jürgen Schrempp den Komplex einmal genannt.
Daimler ist längst weg, der Campus mit zwölf Häusern, 62 Etagen, 110 000 Quadratmetern Büro- und Nutzfläche, 44 000 Quadratmetern Grünfläche und geschätzten 450 000 Bienen befindet sich im permanenten Umwandlungsprozess. Felix Gronbach von der alstria office REIT-AG geht davon aus, dass der Campus etwa um 2030 voll vermietet sein wird. Bereits eingezogen ist beispielsweise Bechtle mit vier Tochterunternehmen und rund 400 Mitarbeitenden.
Im Mai wurde mit dem Software-Konzern Wipro ein weiterer Mieter bekannt. Wipro ist ein indisches, multinationales Unternehmen und will in einem der neu gestalteten Campus-Gebäude auf 2000 Quadratmetern Bürofläche drei bisherige Standorte im Stuttgarter Umland zusammenlegen. Erfreuter Kommentar in der Runde beim Immobilien-Dialog dazu: „Man kann in Stuttgart doch noch internationale Unternehmen ansiedeln.“