Fast jedes dritte Unternehmen der Region Stuttgart rechnet mit einem weiteren Stellenabbau. Dagegen will jedes siebte neue Jobs schaffen. Wer sind die Gewinner und Verlierer?
Wann geht es mit der Wirtschaft in der Region Stuttgart endlich wieder bergauf? Dazu hat die IHK Region Stuttgart 1027 Unternehmen aller Branchen und Größen der Region Stuttgart befragt und die Ergebnisse am Mittwochabend vorgestellt. Diese unterscheiden sich ja nach Branche beträchtlich.
In der wichtigenIndustrie – allen voran im Automobilbau – ist die Krise noch längst nicht überwunden. Nur 17 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen die Lage als gut – 31 Prozent hingegen als schlecht. Derzeit bauen Mercedes, Mahle, Bosch und andere massiv Stellen ab. Neben hausgemachten Fehlern sind die geopolitischen Spannungen ein Grund, etwa der Ukraine-Krieg oder die erratische Zoll-Politik des US-Präsidenten. Traditionell hängt der Automobil- und Maschinenbau stark von den Geschäften in den USA und China ab.
„Unsere Region lebt vom Export und von verlässlichen internationalen Beziehungen“, betont Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart. „Wenn Handelspolitik unberechenbar wird, trifft das unsere Unternehmen besonders hart.“
Dennoch scheint im Branchenschnitt die Talsohle erreicht. Noch im Herbst hatten 42 Prozent der Industrieunternehmen die Lage als schlecht bezeichnet – elf Prozent mehr als jetzt. Auch die Aufträge ziehen etwas an. Jedes dritte exportorientierte Unternehmen rechnet laut Umfrage mit steigenden Ausfuhren, insbesondere innerhalb der EU.
Auch die Lage im Groß- und Einzelhandel mit den mehr als 15.000 Unternehmen in der Region Stuttgart bleibt angespannt. Grund ist die deutliche Unlust im Land, viel Geld für den eigenen Konsum auszugeben. Rund drei Viertel der Einzelhändler berichten in der Umfrage von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Im Gastgewerbe sprachen 43 Prozent der Betriebe von schlecht laufenden Geschäften – deutlich mehr als im Landesvergleich. Grund seien hohe Energiepreise und die Anhebung des Mindestlohns.
Unternehmen ächzen unter der schwachen Inlandsnachfrage
Dass den Unternehmen der Region neben der schwachen Inlandsnachfrage und steigenden Arbeitskosten auch lange Genehmigungsverfahren und die Bürokratie zu schaffen machen, ergebe sich aus den Kommentaren der befragten Unternehmen, betont Herre. Land und Kommunen müssten Verfahren beschleunigen und die Verwaltung digitalisieren. Wer Investitionen wolle, müsse dafür sorgen, dass sie schnell und unbürokratisch umgesetzt werden können, so Herre.
Die Hauptgeschäftsführerin appellierte auch an die Bundesregierung, endlich „klare, verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen“ zu schaffen – darunter planbare Energiepreise. Laut Umfrage will nur jedes fünfte investierende Unternehmen die Investitionen im Inland ausweiten, während jedes dritte Investitionen zurückschrauben will.
Unternehmen rechnen mit sinkender Beschäftigungszahl
Das spiegelt sich auch bei der Zahl der Beschäftigten wieder. Drei von zehn aller befragten Unternehmen rechnen mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl. Nur jedes siebte will Stellen aufbauen. Auch deshalb verliert der Fachkräftemangel als einst zentrales Thema seine Bedeutung. In der Industrie sieht ihn nur noch rund jedes vierte Unternehmen als Risiko.
Doch es gibt auch Lichtblicke. In der Bauwirtschaft ist offenbar die Talsohle erreicht. Hier berichtet jedes fünfte Unternehmen von steigenden Auftragseingängen, besonders im Wohnungsbau geht es wieder voran. Auch das Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung sorgt für mehr Zuversicht. Positiv entwickeln sich auch Finanzdienstleister und Beratungsunternehmen, die von der Transformation und Digitalisierung vieler Branchen profitieren.
Gedämpfte Zuversicht über alle Branchen hinweg
Über alle Branchen und Unternehmen hinweg ist die Zuversicht eher gedämpft: Jedes fünfte Unternehmen rechnet mit besseren, knapp jedes vierte mit schlechteren Geschäften als im vergangenen Herbst. Die tatsächlichen Geschäfte laufen allerdings etwa besser als die eigenen Prognosen. 27 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut – vier Prozentpunkte mehr als im Herbst. Die Zahl der Unternehmen in schlechter Lage ist um sieben Prozentpunkte auf 23 Prozent gesunken.
Die Betriebe wurden zwischen dem 29. Dezember 2025 und dem 20. Januar 2026 befragt. Landesweit nahmen 3735 Unternehmen an der Umfrage teil.