Stephen Curry, der beste Werfer der Basketball-Geschichte, führt das US-Dreamteam mit einer fulminanten Show von der Dreierlinie gegen Frankreich zum Olympiasieg. Danach bejubelt er Gold – und auch sich selbst.
Wie groß der Druck auf die Superstars des Basketballs gewesen ist, zeigte sich in dem Moment, als die sicherste Goldmedaille der Olympischen Spiele tatsächlich gewonnen war. LeBron James, Kevin Durant und Jason Tatum schnappten sich US-Flaggen, lagen sich in den Armen, jubelten ausgelassen. Einer hüpfte besonders wild übers Feld. Stephen Curry ließ seinen Emotionen freien Lauf und zeigte immer wieder auf den Mann, der das Finale gegen Frankreich mit einem fulminanten Endspurt entschieden hatte.
Stephen Curry feierte sich selbst.
Große Spieler, heißt es, entscheiden große Spiele. Curry bestätigte diese Theorie eindrucksvoll. Der beste Schütze, den dieser Sport je gesehen hat, war just in dem Moment heiß gelaufen, als es zählte. „Ich spüre eine riesige Erleichterung“, sagte er mit der Goldmedaille um den Hals, „es war nicht leicht, verdammt, aber das ist alles, was ich wollte, und noch mehr. Ich bin so aufgeregt.“
Steve Kerr vertraut Stephen Curry
Gut für das US-Dreamteam, dass ihr Kapitän auf dem Feld niemals die Ruhe verliert. Stephen Curry spielt, als würde Eiswasser durch seine Adern fließen. Bis auf 79:82 hatte der Favorit die Franzosen, bei denen Victor Wembanyama (26 Punkte) überragte, in einer Mischung aus Überheblichkeit, schlechten Würfen und dem Wissen, immer eine Schippe drauflegen zu können, herankommen lassen. In der Theorie hätte die Partie kippen können, es wäre eine der größten Sensationen der Spiele gewesen. In der Praxis? Hat das US-Team Stephen Curry.
Eigentlich hätte der Superschütze zu diesem Zeitpunkt auch draußen sitzen können – denn bis dahin hatte er, für seine Verhältnisse, ein richtig schwaches Spiel gemacht. Doch es gibt einen Mann, der das Vertrauen in den 36-Jährigen niemals verliert: Steve Kerr und Stephen Curry haben mit den Golden State Warriors vier NBA-Titel geholt, weshalb der Coach der Warriors und des US-Teams nun auch im Kampf um Olympia-Gold nicht an seinem wichtigsten Spieler zweifelte. Und Curry zahlte zurück. In den letzten drei Minuten riss er das Geschehen an sich, traf auch unter größter Bedrängnis, verwandelte vier schwierige Dreier nacheinander. Und war nach dem 98:87-Erfolg der gefeierte Akteur.
James: „Über sein Talent kann man nur staunen“
„Curry machte den Unterschied“, sagte Kerr, „sein Lauf am Ende des Spiels war unfassbar. Ich habe so etwas schon einige Male gesehen, aber es wird niemals langweilig.“ So sah es auch LeBron James: „Man kann über sein Talent nur staunen“, erklärte der erfolgreichste Punktesammler der NBA-Geschichte, „letztlich ging es nur noch darum, einen Weg zu finden, ihm den Ball zu geben.“ Und Anthony Edwards meinte: „Ich habe zu ihm gesagt, Bro, du bist verrückt. Er ist, wer er ist.“
Einer der Größten des Basketballs. Und doch auch nur ein Teil des größten Teams der Spiele, das in dieser Besetzung wohl nie mehr zusammenspielen wird. Kevin Durant ist nun der einzige Mannschaftssportler, der viermal in Folge Olympiasieger wurde, auch LeBron James hat bereits drei Goldmedaillen (und dazu eine Plakette aus Bronze) gesammelt. Für Durant (35), Curry (36) und James (39) dürften die Heim-Spiele 2028 in Los Angeles zu spät kommen.
Gegen Serbien drohte im Halbfinale das Aus
Die Namen, die nun in Paris dabei waren, erinnerten in ihrer Bedeutung für das Spiel an das erste US-Dreamteam um Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird, das 1992 Gold in Barcelona holte und die Welt begeisterte. Die 2024er-Mannschaft gewann in Frankreich zwar alle Spiele, verbreitete dabei allerdings weit weniger Glanz. Gut, die Konkurrenz ist mittlerweile wesentlich stärker geworden, doch leicht ging den US-Amerikanern nur wenig von der Hand.
Gegen die Serben um Nikola Jokic, der 2021, 2022 und 2024 zum wertvollsten NBA-Spieler gekürt worden war, drohte ihnen sogar das Aus. Doch schon in diesem Halbfinale konnten sie sich auf Curry (36 Punkte) verlassen, der am Ende den Olympiasieg auch deshalb so ausgelassen feierte, weil er erstmals beim größten Sportereignis der Welt am Start war. Und vielleicht auch, weil das Finale im Basketball zwar das Olympia-Ereignis mit dem größten Promiaufgebot auf der Tribüne war, er aber deutlich gemacht hatte, dass der größte Star eben doch auf dem Feld gestanden hatte. „Er ist der beste Werfer aller Zeiten“, sagte Teamkollege Devin Booker über Curry, „das hat er wieder mal bewiesen.“