Mercedes produziert unter anderem die G-Klasse (links) zum Teil für die Verteidigung, Daimler Truck beispielsweise den Zetros. Foto: Bundeswehr/Christoph Kassette, Daimler Truck AG

Ola Källenius zieht einen Ausbau des Rüstungsgeschäfts bei Mercedes in Erwägung. Was produziert der Autobauer bislang schon für die Verteidigung? Und was kommt von Daimler Truck?

Durch ein Interview mit dem „Wall Street Journal“ hat Ola Källenius kürzlich für Schlagzeilen gesorgt. Denn: Der Mercedes-Chef erwägte darin den Ausbau des Rüstungsgeschäfts beim Autobauer aus Stuttgart. Der Schritt müsse „wirtschaftlich sinnvoll“ sein, erklärte der CEO dazu.

 

Und weiter: „Die Welt ist unberechenbarer geworden, und ich denke, es ist absolut klar, dass Europa sein Verteidigungsprofil stärken muss. Sollte Mercedes „dabei eine positive Rolle spielen können, wären wir dazu bereit“, so der Konzernchef, der auch sagte: „Was Automobilhersteller außerordentlich gut können – und wir sind gut darin – ist die Herstellung hochwertiger Präzisionsmaschinen in größeren Stückzahlen.“

Daimler Truck und Mercedes-Benz produzieren für die Verteidigung

Schon heute produziert Mercedes zu einem kleinen Teil für die Verteidigung. „Frieden, Sicherheit und Freiheit sind die Grundlagen unserer Gesellschaft. Sie zu schützen ist eine gemeinsame Aufgabe. Wir leisten als Unternehmen unseren Beitrag dazu“, erklärt eine Sprecherin dazu auf Anfrage. Auch Daimler Truck ist in dem Bereich aktiv. Der Lkw- und Bushersteller mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen hat sich 2021 aus der damaligen Daimler AG abgespalten.

Was tragen Mercedes und Daimler Truck zur Verteidigung bei? Wie relevant ist das Feld jeweils? Ein Überblick.

Das stellt Mercedes für die Verteidigung her

Die Mercedes-Aktivitäten im Sicherheits- und Verteidigungsbereich seien „ein strategisches Entwicklungsfeld, das wir aktiv und in Kooperation mit Partnern weiter gestalten werden“, wie eine Sprecherin des Autobauers auf Nachfrage erklärt. Dieser entwickle und produziere – bekanntermaßen – grundsätzlich zivile Fahrzeuge.

Die Pkw und und Vans der Marke seien „seit jeher auf einem hohen technologischen Niveau, das auch anspruchsvollste Sondereinsätze ermöglicht“. Die Basis dafür seien vor allem der Sprinter – und die G-Klasse.

Die Bundeswehr nutzt den prominenten Geländewagen von Mercedes schon lange, bekannt ist das modifizierte Modell unter dem Namen „Wolf“. Die neuen G-Klasse-Modelle, die die Bundeswehr erhält, heißen „Wolf 2“. Bis 2032 kann sie nach eigenen Angaben bis zu 5800 der Geländewagen bei Mercedes bestellen.

„Mit modifizierbaren Fahrzeugen für Sicherheits- und Verteidigungseinsätze stärken wir seit Jahrzehnten die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Europas und der NATO – und sichern gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit und Arbeitsplätze an unseren Standorten“, erklärt die Sprecherin von Mercedes. Darüber hinaus liefere der Konzern „Fahrgestelle an spezialisierte Unternehmen, die diese in eigener Verantwortung und unter eigener Marke für militärische Anwendungen ausbauen und vermarkten“. So verfahre Mercedes „seit vielen Jahren“.

Mercedes-Chef Ola Källenius zur Bedeutung des Verteidigungsgeschäfts

Gegenüber dem „Wall Street Journal“ prognostizierte Källenius, dass das Verteidigungsgeschäft im Vergleich zur Herstellung von Pkw und Transportern nur einen geringen Anteil des Geschäfts ausmachen werde. Allerdings „könnte es sich um eine wachsende Nische handeln, die auch zu unseren Geschäftsergebnissen beitragen könnte“, sagte er. Momentan liege der Anteil von Fahrzeugen und Fahrgestellen für Sicherheits- und Verteidigungszwecke bei unter einem Prozent des Gesamtabsatzes und werde nicht gesondert aufgeführt, teilt Mercedes mit.

So sieht das Verteidigungsportfolio von Daimler Truck aus

Weitaus bedeutender ist das Verteidigungsgeschäft für Daimler Truck. Der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller, der unter anderem die Trucks mit dem Stern herstellt, mache „Verteidigung zu einem globalen Wachstumsfeld“, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Mit diesem Geschäft habe der Konzern 2025 einen Umsatz im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erwirtschaftet. Im Vorjahr sei das Ziel ausgerufen worden, bis 2030 einen Umsatz von einer Milliarde im Verteidigungsgeschäft zu erzielen. „Wir gehen mittlerweile davon aus, dieses Ziel bereits im Jahr 2028 zu erreichen“, so der Sprecher.

Bei Mercedes‑Benz Special Trucks sind die entsprechenden Fahrzeuge angesiedelt. Dieser Bereich biete „eine große Bandbreite an Komplettfahrzeugen für militärische Anwendungen in unterschiedlichen Varianten“. Konkret führt der Konzern in seinem Portfolio dazu den hochgeländegängigen Unimog und Zetros sowie die A‑Baureihen‑Lkw‑Familie an. Die gliedert sich in den Atego, den Actros und den Arocs auf.

Unter anderem der Arocs gehört zum Verteidigungs-Portfolio von Daimler Truck. Foto: Daimler Truck AG

„Wir stehen zu unserer Produktion militärischer Fahrzeuge, die in Armeen der EU- und der NATO-Mitgliedsstaaten, aber auch in anderen Ländern weltweit im Einsatz sind“, heißt es weiter. Der Konzern biete auch „spezielle Konfigurationen und kundenspezifische Ausstattungen“ an.

Daimler Truck kooperiert mit deutschem Drohnenhersteller

Perspektivisch werde er sein Verteidigungsgeschäft weiter ausbauen. Dieses stärke er auch gezielt, um das angepeilte Wachstum zu erreichen. Dass der Konzern in Zukunft weitere Fahrzeugmodelle seiner weltweiten Marken in das militärische Portfolio aufnimmt, ist dem Sprecher zufolge denkbar.

Erst kürzlich verkündete Daimler Truck eine Kooperation mit dem deutschen Drohnenhersteller Quantum Systems. Ziel sei „eine enge Zusammenarbeit im Bereich unbemannter Luft- und Landsysteme bei militärischen Einsätzen“.