Friedemann Vogel, Starsolist des Stuttgarter Balletts, erarbeitet derzeit ein Solo für das Kleist-Forum. „Die Seele am Faden“ fragt, wie Anmut und Tanz zusammenkommen.
Heinrich von Kleists essayistische Erzählung „Über das Marionettentheater“ hat den Tänzer Friedemann Vogel inspiriert. Gemeinsam mit seinem Partner, dem Künstler Thomas Lempertz, reflektiert der Starsolist des Stuttgarter Balletts Kleists Gedanken über die „natürliche Grazie“ in einem Solo für das Kleist-Forum.
Herr Vogel, wie kam es zu Ihrem Auftritt in Frankfurt an der Oder? Gibt es einen besonderen Anlass, ein Kleist-Jubiläum?
Ein Jubiläum gibt es nicht. Aber mein Partner Thomas Lempertz und ich beschäftigen uns schon seit längerem mit Kleists Text über das Marionettentheater, in dem er ja auch den Tanz anspricht. Da mein Bruder Florian künstlerischer Leiter des Kleist-Forums ist, hat sich die Möglichkeit ergeben, hier die Solo-Performance „Die Seele am Faden“ zu entwickeln.
Um was geht es?
Wir wollen wissen, wie Anmut aus dem Antrainierten entsteht und auf der Bühne zu einem sinnlichen Erlebnis wird. Für mich gibt es im Gegensatz zu dem Tänzer, den Kleist zitiert, nichts Berührendes, ohne dass Bewusstsein mit im Spiel ist. Sonst entsteht eine Geziertheit, die es im klassischen Ballett oft gibt.
Sie suchen nach etwas anderem?
Ja, ich versuche immer, dass getanzte Bewegung im Einklang ist mit einer inneren Bewegtheit. So wird mein Körper zum Instrument meiner Seele. John Cranko hat zum Glück dieses Unechte und die Manierismen der Klassiker weggenommen. Die Natürlichkeit seiner Ballette haben etwas Wahrhaftiges. Mein Solo wird im Hier und Jetzt enden. Dann wird da nur noch ein Körper sein, der tanzen will, ohne etwas darzustellen.
Sind Sie allein auf der Bühne?
Als Tänzer ja. Vom Rand aus begleitet mich die Musikerin Alisa Scetinina an ihrem Mischpult. Der Videokünstler Timo Kreitz hat eine Art Avatar von mir geschaffen, der mir während der rund einstündigen Performance Pausen erlaubt. Aber ich gehe nie von der Bühne ab. Die Zuschauer sitzen übrigens auf der Hinterbühne und haben einen Blick auf Technik und Seilzüge, der eine passende Atmosphäre herstellt.
Werden Sie Ihr Solo auch anderswo tanzen?
Wir hatten nur zwei Vorstellungen im Kleist-Forum geplant. Die waren so schnell ausverkauft, dass es zwei weitere Ende März geben wird. Auch Anfragen aus Italien und Asien liegen vor. Aber jetzt wollen wir erst die Premiere abwarten.
Info
Termin
Vorstellungen im Kleist-Forum in Frankfurt/Oder am 9. und 10. Februar sowie am 29. und 30. März
Tänzer
Friedemann Vogel wurde 1979 in Stuttgart geboren. Seine an der Cranko-Schule begonnene Ausbildung schloss er an der Princess Grace Academy in Monte Carlo ab. Seit 1998 tanzt er beim Stuttgarter Ballett, seit 2002 als Erster Solist in allen großen Rollen des Repertoires und als Gast auf den internationalen Ballettbühnen. Neben wichtigen Auszeichnungen trägt Vogel seit September 2015 den Titel Kammertänzer der Stuttgarter Staatstheater.