Bezahlten Elternurlaub bietet HPE an – und einige andere Unternehmen auch. Foto: imago

Trotz Wirtschaftsflaute: Der Böblinger IT-Dienstleister HPE, Vodafone und andere Firmen locken vor allem Väter in die Auszeit. Das Ziel: Zufriedene Mitarbeiter und geteilte Care-Arbeit.

Wirtschaftsflaute und Stellenabbau zum Trotz – unter den Unternehmen der Region gibt es auch gute Nachrichten für die Beschäftigten. So hält der Böblinger IT-Dienstleister HPE an seinem bezahlten Elternurlaub fest. Das bundesweit einmalige Programm zahlt jedem frisch gebackenen Vater oder jeder Mutter in der Elternzeit ein halbes Jahr das volle Gehalt.

 

„Knapp 180 von rund 1800 Mitarbeitenden in Deutschland haben seit 2019 Elternurlaub genommen“, bilanziert Personalchefin Margit Ciupke. „Wir gehen davon aus, dass damit alle Berechtigten den Elternurlaub genutzt haben.“

HPE spricht von einer Win-Win-Situation. „Unsere Mitarbeiter wissen das Programm sehr zu schätzen und geben dies über Motivation und Leistung zurück“, betont Ciupke. „Damit wollen wir die Mitarbeitenden, vor allem die jüngeren, an uns binden. Wir konkurrieren weltweit um die besten Talente. Da muss man auch mal investieren.“

Auch weitere Firmen gewähren Eltern Extras über die staatlichen Leistungen hinaus – im Vergleich zu HPE allerdings in abgespeckter Form. Die Agentur Ketchum, die auch in Stuttgart einen Standort betreibt, stockt seit 2024 das Elterngeld für Väter oder Mütter für acht Wochen auf die Höhe des regulären Gehalts auf. Konsumgüterhersteller Henkel zahlt frisch gebackenen Vätern seit 2024 eine achtwöchige Auszeit. Die Pharmakonzerne Novartis und Sanofi bieten eine 14 Wochen lange bezahlte Elternzeit. Ähnliche Angebote unterbreiten die IT-Dienstleister Microsoft und Cisco sowie der Nahrungsmittelkonzern Nestlé.

„Trend zu väterfreundlicher Personalpolitik“ – aber nicht bei allen

Der Pharmakonzern Roche ermuntert Väter und Mütter, gleichzeitig in Teilzeit zwischen 28 und 32 Stunden zu arbeiten, und gewährt dafür bis zu 18.000 Euro im Jahr. Bei Vodafone können Mütter oder Väter für sechs Monate ihre Arbeitszeit um 25 Prozent kürzen, erhalten aber weiter das volle Gehalt.

„Wir beobachten seit einigen Jahren einen nachhaltigen Trend hin zu mehr väterfreundlicher Personalpolitik“, sagt Corinna Schwedhelm vom Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“, das mehr als 9000 Unternehmen und Institutionen in Deutschland zählt. „Grundsätzlich begrüßen wir familienfreundliche Maßnahmen sehr, die die partnerschaftliche Aufteilung von Care-Aufgaben unterstützen und herkömmliche Geschlechterrollen, in denen die Kinderbetreuung primär bei den Müttern liegt, aufbrechen.“

Laut einer Prognos-Studie von vor drei Jahren spielt auch für Väter die Familienfreundlichkeit ihres Unternehmens eine immer größere Rolle. Demnach haben rund 450.000 Väter in Deutschland bereits wegen mangelnder Vereinbarkeit den Arbeitgeber gewechselt, weitere 1,7 Millionen dachten zum Befragungszeitpunkt „häufig oder zumindest manchmal“ darüber nach.

Allerdings geht nur eine Minderheit der Unternehmen gezielt auf Väter zu. „Nicht alle Unternehmen sehen eigenen Handlungsbedarf bei der bezahlten Elternzeit“, heißt es bei Ketchum. „Aus unserer Sicht gibt diese Haltung Anlass zum Nachdenken: Sie steht im Widerspruch zu den sich verändernden Dynamiken in modernen Arbeitswelten.“

Margit Ciupke ist Personalchefin von HPE in Deutschland. Foto: HPE

Bei HPE in Böblingen ist man vom eigenen Programm überzeugt. Es stärke die Mitarbeiterbindung „in einer ganz wichtigen Lebensphase“, betont Personalchefin Ciupke: „Von denjenigen, die den Elternurlaub genommen haben, haben nur sehr wenige das Unternehmen verlassen.“