Dr. Sam und Dr. Nisha erforschen mit Roboter-Bibern die Tierwelt. Foto: PIXAR

Im Reich der nicht ganz so wilden Tiere: In der Pixar-Komödie „Hoppers“ wird eine Tierschützerin zum Biber und erfährt beim Belauschen von Bären, Enten oder Echsen Erstaunliches.

Worüber quatschen die Enten, die im Teich hinterm Haus herumschwimmen? Welche Themen liegen den Rehen am Herzen, die hier zwischen den Bäumen spazieren gehen? Was halten die Eidechsen, Eichhörnchen und Schmetterlinge davon, dass ein wildgewordener Bürgermeister dieses Idyll, das bisher der Urbanisierung getrotzt hat, plattmachen will? Was würden sie sagen, wenn sie erfahren würden, dass ihr Zuhause einer Autobahn im Weg steht, auf der Menschen künftig vier Minuten schneller von der Vorstadt zur Arbeit in die nächstgelegene Metropole fahren können?

 

Ein kleines bisschen Stuttgart 21

Auf all die Fragen findet Mabel in der Disney/Pixar-Animationskomödie „Hoppers“ eine Antwort. Mabel ist eine wilde junge Frau mit schwarzen Zottelhaaren, die schon als Kind eine grimmige Tierretterin war. Und während durchs Kino „Rebel Girl“ von Bikini Kill dröhnt, versucht sie nun die Sprengung eines Biberdamms und damit den Bau der Autobahn zu stoppen. Ihr Protest scheint aber vergeblich, weil alle Tiere, die bisher in diesem kleinen Paradies zu Hause waren, längst das Weite gesucht haben.

Also macht sich Mabel auf die Suche nach den verschwundenen Tieren, um sie zurückzuholen. Denn – wie man ja spätestens seit Stuttgart 21 weiß – genügen ein paar Juchtenkäfer oder Zauneidechsen, um megalomanische Bauprojekt auszubremsen.

„Dr. Dolittle“ und „Avatar“

Die Tierschützerin schlüpft dazu in einen wissenschaftlichen Biber-Roboter, den sie telepathisch steuert. Als Biber Mabel kann sie sich nicht nur unter die Tiere mischen, sondern sie versteht auch, was sie sagen – und sie versteht sie. „Nein, das ist überhaupt nicht wie bei ‚Avatar‘!“, behauptet zwar die Forscherin Dr. Sam, der Mabel diesen Prototypen klaut. Aber tatsächlich steckt in „Hoppers“ nicht nur sehr viel „Dr. Dolittle“, sondern noch mehr „Avatar“ – nur, dass der Film nicht auf dem Mond Pandora, sondern rund um den Tümpel nebenan spielt, und dass sich hier nicht die Na’vi gegen menschliche Kolonialisten wehren müssen, sondern vom Roboter-Biber Mabel aufgestachelte Frösche, Libellen, Enten oder Braunbären.

Szene aus „Hoppers“ Foto: Pixar

Routiniert variieren Regisseur Daniel Chong („Alles steht Kopf“) und Drehbuchautor Jesse Andews („Luca“) in „Hoppers“ den aus Pixar-Filmen bekannten Mix aus kindlicher Leichtigkeit und ernsten erwachsenen Themen. Sie packen in den Film zahllose wunderbare Details: Der Biber-König macht Mabel zum Beispiel zu seiner Beraterin und ernennt sie in Anspielung an„Game of Thrones“ zur „Pfote des Königs“. Der Biber Loaf, den Mabel als ersten zur Rückkehr überreden will, erweist sich als schluffig-tagträumender Stoner. Als die Tiere ihr erstes Handy in die Tatzen, Flossen oder Krallen bekommen muss man sich auf einen Emoji-Overkill einstellen. Und dann gibt es noch den skurrilen Gastauftritt eines freundlichen Hais namens Hai-Di, der von Heidi Klum gesprochen wird.

Utopie einer diversen Gesellschaft

Der Film hat auch eine ganz eigene Animationshandschrift: Es entsteht der Eindruck, dass – passend zum Thema Naturschutz – die sich im Wind biegenden Grashalme und die Blubberblasen des Teichs sogar etwas aufwendiger animiert wurden, als die Tiere und Menschen in dem Film.

Tatsächlich mutet „Hoppers“ bei der Gegenüberstellung von Natur und Zivilsation sogar weniger naiv als „Avatar“ an. So wird zum Beispiel das Thema Fressen-und-Gefressen-Werden nicht ausgespart, sondern zu einer Spielregel erklärt, die alle, die in dieser Biotop-Gesellschaft leben wollen, zu befolgen haben. Zwar hat dieses Bild einer diversen Gesellschaft, in der die unterschiedlichen Kreaturen (zu denen am Ende auch die Menschen zählen) ein respektvolles Miteinander dem Gegeneinander vorziehen, etwas utopisch-märchenhaftes. Aber in Zeiten wie diesen braucht die Welt Filme wie „Hoppers“ dringender denn je.

Alle bisherigen Pixar-Filme im Überblick

  • Toy Story (1995)
  • Das große Krabbeln (1998)
  • Toy Story 2 (1999)
  • Die Monster AG (2001)
  • Findet Nemo (2003)
  • Die Unglaublichen (2004)
  • Cars (2006)Ratatouille (2007)
  • WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf (2008)
  • Oben (2009)
  • Toy Story 3 (2010)
  • Cars 2 (2011)
  • Merida – Legende der Highlands (2012)
  • Die Monster Uni (2013)
  • Alles steht Kopf (2015)
  • Arlo & Spot (2015)
  • Findet Dorie (2016)
  • Cars 3: Evolution (2017)
  • Coco – Lebendiger als das Leben! (2017)
  • Die Unglaublichen 2 (2018)
  • A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando (2019)
  • Onward: Keine halben Sachen (2020)
  • Soul (2020)
  • Luca (2021)
  • Rot (2022)
  • Lightyear (2022)
  • Elemental (2023)
  • Alles steht Kopf 2 (2024)
  • Elio – 2025

Hoppers. USA 2026. Regie: Daniel Chong. Mit den Stimmen von Piper Curda, Bobby Moynihan, Meryl Streep, Jon Hamm und Heid Klum (Originalfassung). 105 Minuten. FSK 0.