Das Institut français am Berliner Platz in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Am 21. April 1951 wurde in Stuttgart das Institut français eingeweiht. Vielen Menschen hier hat es Frankreich näher und nahe gebracht. Jetzt wird ausgiebig gefeiert.

Bilder sagen manchmal mehr als Worte. Das gilt auch für das Plakat, mit dem das Institut français in Stuttgart für die 22. Französischen Wochen vom 21. April bis 3. Mai wirbt. Es zeigt den Eiffelturm, der mit dem Fernsehturm verschlungen ist. Frankreich und Stuttgart bilden eine Symbiose. Das war vor drei Generationen noch unvorstellbar. In zwei Weltkriegen und davor im Deutsch-Französischen Krieg wurden tiefe Wunden geschlagen; Frankreich galt lange Zeit als der „Erzfeind“. Auch noch als am 21. April vor 81 Jahren französische Truppen Stuttgart besetzen, ehe die Stadt im Juli 1945 an die US-Amerikaner übergeben wurde.

 

Umso bahnbrechender ist, was sich in den Jahrzehnten danach entwickelte. Die vorsichtige „Annäherung“ mündete in Aussöhnung und Freundschaft. Seit Mai 1962 besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Straßburg. Im September 1962 folgte die berühmte „Rede an die deutsche Jugend“ von Charles de Gaulles in Ludwigsburg, die als ein Meilenstein in den deutsch-französischen Beziehungen gilt. Vier Monate später, am 22. Januar 1963, wurde der deutsch-französische Freundschaftsvertrag (Élysée-Vertrag) unterzeichnet. Aus Feinden wurden Freunde.

Dem Institut français, „eine tragende Säule der französischen Kulturpräsenz in der Landeshauptstadt und das Sprachlernzentrum des französischen Staates in Stuttgart und Umgebung“, wie es offiziell heißt, kam in diesem Prozess frühzeitig eine wichtige Rolle zu. Das ist anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums auch an seinem Standort in der Schlossstraße 51 ausgiebig zu besichtigen.

Das Treppenhaus dort hängt voller Geschichte. Auf vier Stockwerken zu denen – ein Zufall! – exakt 75 Stufen führen, ist dieses Dreivierteljahrhundert in Schlaglichtern abgebildet: die großen Themen wie die Kultur- und die Sprachvermittlung, die großen Köpfe, wie sein ehemaliger Direktor Jean-Baptiste Joly, die vielen französischen Intellektuellen und Kunstschaffen, die im Laufe der Jahre nach Stuttgart kamen, auch die Freunde und Förderer, angefangen von Manfred Rommel, Wolfgang Schuster und dem Verleger Michael Klett. Dazu die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen, mit denen die Einrichtung häufig in Kooperation mit anderen Einrichtungen auf sich und die französische Kultur aufmerksam macht.

Die Villa in der Diemershaldenstraße 11. Dort war das Institut français– mit Unterbrechung – von 1951 bis 2012 untergebracht. Seit 2017 befindet sich hier das erste stationäre Kinderhospiz Baden-Württembergs. Foto: Institut français

Dokumentiert sind in der Ausstellung auch die verschiedenen Standorte des Instituts in der Stadt. Es begann am 21. April 1951 in der Villa in der Diemershaldenstraße 11 oberhalb des Eugenplatzes, wo heute ein stationäres Kinderhospiz eingerichtet ist.

Treibende Kraft war der erste französische Botschafter in Deutschland, André-François Poncet. Im Jahr zuvor war die Stiftung Institut français de Stuttgart gegründet worden mit dem Ziel, „der friedlichen Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen zu dienen und die Verbreitung der französischen Sprache und der französischen Geisteskultur in Deutschland zu fördern“. Bereits 1949 war in der Stauffenbergstraße als Vorläufer ein „Centre d’Etudes françaises“ eröffnet worden – als Außenstelle einer gleichlautenden Einrichtung in Tübingen, das damals Sitz der französischen Militärregierung für Württemberg-Hohenzollern war.

So repräsentativ die einst von dem Schokoladenfabrikanten Karl Leos gebaute Villa in der Stuttgarter Halbhöhenlage war, so weit weg war das Institut von den Adressaten seiner Kulturarbeit. Das ist heute ganz anders. Seit 2013 ist das Institut français in der Schlossstraße 51 am Berliner Platz untergebracht und damit im Herzen der Landeshauptstadt. Vorausgegangen waren Provisorien in der Augustenstraße und am Rotebühlplatz.

Kulturbeauftragte Johanne Mazeau-Schmid und der französische Generalkonsul Gaël de Maisonneuve Foto: Institut français

Seit 2006 folgte der Zusammenschluss mit dem Generalkonsulat. Der Generalkonsul übernahm damit auch die Direktion des Instituts. Der aktuelle Vertreter Frankreichs, Gaël de Maisonneuve, ist seit vier Jahren im Amt. Er hat nun das Vergnügen, das Jubiläum zu begießen und lässt vorab verlauten: „Seit 75 Jahren bauen wir Brücken zwischen Frankreich und Deutschland. Dieses Jubiläum ist ein Anlass zum Feiern und eine Einladung, gemeinsam in die Zukunft zu blicken. Die Feierlichkeiten sind für uns zugleich eine Gelegenheit, unsere Partner sowie die zahlreichen deutsch-französischen Partnerschaften im Großraum Stuttgart zu würdigen und den gemeinsamen Austausch weiter zu vertiefen.“

Mehr als 3000 Schülerinnen und Schüler nehmen an Sprachkursen teil

Zum Start 1951 berichteten die Stuttgarter Nachrichten über den Amtsantritt des ersten Direktors des Instituts, René Cheval, und legten Wert auf die Feststellung, dass der Kauf der Villa in der Diemershalde (500.000 Mark) „nicht aus der Kasse für Besatzungskosten, wie überhaupt die ganze Einrichtung des Instituts nichts mit der französischen Besatzungsmacht zu tun hat“. Johanne Mazeau-Schmid, die Kulturbeauftragte des Instituts, kann darüber heute nur schmunzeln. Das Thema Geld ist allerdings sehr wohl relevant. Die vielen Aktivitäten des Instituts wollen finanziert sein. Zur Unterstützung wurde 1997 ein Freundeskreis gegründet, die „Amis d‘Institut français Stuttgart“. Sponsorensuche ist Teil der Arbeit, heute vielleicht sogar mehr denn je.

Eine Symbiose aus Eiffelturm und Fernsehturm: Werbung für die 22. Französischen Wochen. Foto: Jan Sellner

Über mangelnde Nachfrage kann sich das Haus, das mit einer großen Mediathek ausgestattet ist, nicht beklagen. „Von Anfang an haben die Stuttgarter großes Interesse gezeigt“, sagt die Kulturbeauftragte. Das drückt sich auch in Zahlen aus: Pro Jahr nehmen rund 3600 Schülerinnen und Schüler an Sprachkursen teil. Die meisten in virtuellen Klassenzimmern. Eine Entwicklung, die durch die Corona-Beschränkungen eingesetzt hat. „Bei den Online-Kursen sind wir unter den bundesweit 13 Standorten führend“, sagt Mazeau-Schmid.

Gala, Ausstellung, Tag der offenen Tür und Audioguide

Auch das, ein Grund zu feiern. Das will das Institut français in Stuttgart nun ausgiebig tun. Am Einweihungstag, dem 21. April, findet in der Liederhalle ab 19.30 Uhr ein Galaabend statt, moderiert von dem Kabarettisten Alfons. Die Gala bildet zugleich den Auftakt der 22. Französischen Wochen im Großraum Stuttgart. Vier Tage später, am 25. April, ist Tag der offenen Tür in der Schlossstraße 51 (14- 23 Uhr). Dort kann die Jubiläumsausstellung besichtigt werden (22. April bis 31. Juli).

Als Besonderheit präsentiert das Institut français den Audioguide „Balado – La France à Stuttgart“. Dieser führt zu 24 Stationen in der Stadt, die Berührungspunkte mit Frankreich aufweisen und an denen sich „französische Kultur, Geschichte und persönliche Lebenswege in das Stadtbild eingeschrieben haben“. Der zehn Kilometer lange Rundgang startet im Institut français und führt hinauf in die Villa in der Diemershaldenstraße – zu den Anfängen dieser Erfolgsgeschichte.

Weitere Infos über die Französischen Wochen unter: www.franzoesischewochen.de