Mieter der ersten Stunde: Das Haar-Haus Ramp kann in Stuttgart und in der Klett-Passage auf eine lange Tradition zurückblicken. Foto: Haar-Haus Ramp/z

Seit 50 Jahren ist das Haar-Haus Ramp in der Klett-Passage. Während die einst frequentierteste Einkaufsmeile Deutschlands verfällt, gibt Andreas Ramp nicht auf.

Schnell weg: Vielen Passantinnen und Passanten kommt dieser Gedanke, wenn sie sich in der Klett-Passage aufhalten. Der Zahn der Zeit hat seine Spuren hinterlassen. Vom Anfangscharme ist 50 Jahre nach der Einweihung der Passage nicht mehr viel übrig.

 

1976 war die Klett-Passage eine Attraktion. Und wurde zu einer der frequentiertesten Einkaufsmeilen Deutschlands. Jeden Werktag wurden hier bis zu 300.000 Menschen gezählt – Besucher, Pendler und Bürger, die Stuttgarts lebendige Verbindung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einkaufen, für genussvolle Pausen oder zum Bummeln nutzten. Filialen von Schuh Braun, Sport Entress oder dem Schreibwaren- und Geschenkeladen Steinmann waren hier zu finden.

In den Anfangsjahren hat die Passage stark davon profitiert, dass sie die einzige Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Hauptbahnhof war. Aufgrund einer Sonderregelung hatten die Läden dort bis 22 Uhr anstatt wie sonst üblich bis 18.30 Uhr geöffnet. Mit der Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes und mit Einrichtung einer Fußgängerampel über die Schillerstraße wurde die Frequenz allerdings über die Jahre etwas weniger. Natürlich spielen auch die Baumaßnahmen von Stuttgart 21 und die sich dadurch immer wieder ändernden Wegeführungen eine Rolle.

Wie attraktiv ist die Klett-Passage noch für Einzelhändler und Kunden? Derzeit gibt es augenscheinlich einige Leerstände zu verzeichnen. Doch Alexander Schirling, bei den SSB für die technische Infrastruktur zuständig, betont: Bis auf eine Ausnahme gebe es für alle Flächen Mietverträge. Nach wie vor und entgegen aller Unkenrufe sei die Passage als Handelsort noch gefragt.

Andreas Ramp führt das Geschäft in dritter Generation

In den vergangenen 50 Jahren ist viel passiert. Einzelhändler kamen und gingen. Doch einer ist geblieben. Das Haar-Haus Ramp ist der einzige Mieter der ersten Stunde, der auch heute noch in der Klett-Passage zu finden ist.

In dritter Generation leitet Andreas Ramp die Geschicke des Unternehmens. Der 53-Jährige war schon als kleiner Bub oft im Laden, als seine Eltern das Geschäft führten. Den Grundstein für den erfolgreichen Familienbetrieb legte Großvater Willi Ramp in den 1940er Jahren in Rostock. „Er war nicht nur einer der damals seltenen Friseure, die ein eigenes Ladengeschäft eröffneten. Als ,Theater-Friseur‘ machte er sich auch in Hamburg einen Namen, war beispielsweise ursächlich für das Toupet des legendären Mimen Hans Albers verantwortlich“, berichtet Enkel Andreas Ramp. Nach der Gründung der DDR zog es Willi und seine Ehefrau Else schnell nach Westdeutschland – und zwar in den ehemaligen Hindenburgbau, Königstraße 2/Arnulf-Klett-Platz 1-3. Dort eröffnete Willi Ramp auf etwa 74 Quadratmetern sein eigenes Perückenstudio. Der Bedarf war da. Und der Erfolg stellte sich schnell ein. Perücken hatten in den 1960er und 1970er Jahren ihr Comeback als modisches Extra gefeiert.

Willi Ramp stand mit über 80 Jahren noch im Laden

Willi Ramp stand in seinem Laden bis er über 80 Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte sein Sohn Klaus das Friseurgeschäft schon übernommen und es nach der Einweihung der Klett-Passage dort erweitert. Mittlerweile erstreckt sich das Haar-Haus Ramp über drei Stockwerke und etwa 500 Quadratmeter – von der Klett-Passage bis zum Arnulf-Klett-Platz.

Auch Andreas Ramp hat seinen Teil zur Erweiterung des Unternehmens beigetragen. Als er das Ruder in den 1990er Jahren übernahm, „habe ich das enorme Potenzial in der Klett-Passage gesehen“. Diese Frequenz bekomme man sonst nirgends. Tausende Passantinnen und Passanten kamen täglich am Schaufenster vorbei. Und wer keine Zeit hatte, um sich die Haare schneiden zu lassen, der sollte zumindest die nötigen Haarprodukte bei Ramp kaufen können. Gel, Shampoo, Spülung: Das Angebot war groß. Das neue Shop-in-Shop-Konzept ging auf, dafür brauchten die Perücken nicht mehr so viel Platz wie in den Anfangsjahren.

Andreas Ramp Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Haar-Haus-Ramp ging immer mit der Zeit – anders als die Klett-Passage, die seit mehr als 20 Jahren stiefmütterlich behandelt wird. „Dass es hier Probleme gibt, ist klar. Es wurde zu lange nichts gemacht“, sagt Andreas Ramp. Das Image der Passage könne besser sein. Die Frequenz sei stetig zurückgegangen und liege im Vergleich zu früher nur noch bei einem Drittel. „Das bedeutet auch nur noch ein Drittel der Kaufkraft“, sagt Andreas Ramp. „Aber wir stehen voll hinter unserem Laden und werden nicht aufgeben.“ Dafür spüre man auch schon eine zu große Aufbruchstimmung in der Stadt.

Der schlechte Zustand der Passage werde in naher Zukunft in Angriff genommen. Zudem werde Stuttgart 21 hoffentlich bald beendet, das Schlossgartenquartier werde entwickelt, die untere Königstraße aufgewertet. „Ich hoffe, dass alles in acht Jahren fertig ist und ich dann sagen kann: Hier ist etwas Tolles entstanden – neu, hell, sicher“, sagt Andreas Ramp. Und wer weiß: Vielleicht wird dann die vierte Generation das Haar-Haus Ramp übernehmen.

SSB haben die Vermietung der Ladenflächen übernommen

Vieles wird aber an den SSB liegen, die seit 1. Januar 2026 für die meisten der rund 30 Einzelhandelsflächen in der Klett-Passage verantwortlich zeichnen. Von 1976 bis zum 31. Dezember 2025 lag diese Aufgabe bei der LBBW Immobilien. Einige weitere Ladeneinheiten im Bereich der S-Bahn gehören weiterhin der Deutschen Bahn. „Nach nunmehr 50 Jahren Nutzung und im Zuge der Fertigstellung des neuen Bahnhofs macht die von der Stadt beziehungsweise der SSB AG angedachte Neuaufstellung der Passage aus unserer Sicht sehr viel Sinn“, heißt es bei der LBBW Immobilien auf Nachfrage unserer Zeitung. „Dabei sollte auch den sich ändernden städtebaulichen Rahmenbedingungen und Zielsetzungen Rechnung getragen und das Nutzungskonzept und die Wegeführungen angepasst werden.“

Vor dem Hintergrund der Zielsetzung einer attraktiven oberirdischen Anbindung des neuen Bahnhofs an die Stadt sollte vor allem der künftig überdimensionierte und ungünstig platzierte Abgang in der Königstraße verlegt und verkleinert werden, heißt es weiter. „Dies sollte wenn möglich bereits mit Eröffnung des Bahnhofs erfolgen und nicht erst mit der langfristig geplanten Neugestaltung des Arnulf-Klett-Platzes nach Verlegung des City-Rings.“

Doch Thomas Moser, Chef der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), und Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne), treten auf die Euphoriebremse. Ein großer Umbau der Passage ist derzeit nicht in der Finanzplanung der SSB verankert. Zunächst soll aber ein „sanftes Facelift“ anstehen. Zum Beispiel soll die seit Jahren leer stehende ehemalige Filiale der BW-Bank abgebaut werden.