Marbacher DLA-Chefin Sandra Richter im Interview: Weihnachten – Zeit zum Ordnen und Verarbeiten

Theresia, Tochter von Hans Magnus Enzensberger, hat dieses Winterbild gemalt.
DLA MarbachMarbach - Manche feiern Heiligabend daheim, andere fahren weg. Zu letzterer Spezies zählen Sandra Richter und ihre Familie. Sie erholen sich in den Alpen und gestalten dort ihre Zeit.
Was bedeutet Ihnen Weihnachten?
Es ist für mich das Fest der Liebe, das Fest der Versöhnung – ich denke in dieser Zeit über das vergangene Jahr nach: über Gelungenes und Nichtgelungenes, und ich verarbeite und ordne dabei vieles.
Wie feiern Sie Heiligabend?
Wir fahren mit unserer Familie regelmäßig ins Gebirge, genauer gesagt in die Alpen. Dort genießen wir die Abgeschiedenheit der Berge, wobei wir uns schon im Advent mit Adventskalender, Bastelabenden und gemeinsamem Singen darauf vorbereiten. Wir sind zwar evangelisch, gehen dort aber immer in einen großen, feierlichen katholischen Gottesdienst.
Gibt es Rituale, die auf keinen Fall fehlen dürfen?
Ein Weihnachtsbaum darf auf keinen Fall fehlen. Der Baum sollte aber hinterher einpflanzbar sein, damit man ihn nicht schlagen muss, was ich für unökologisch halte.
Wie schmücken Sie Ihren Weihnachtsbaum?
Das hängt stark vom Bastelenthusiasmus meiner Töchter ab. Wir nehmen Holz, Stroh und andere natürliche Materialien. Am Anfang waren es noch ganz einfache Basteleien, jetzt sieht man, dass sie mit den Jahren ihre Kunstfertigkeit schon weiterentwickelt haben.
Wie viel Energie stecken Sie an Heiligabend ins Abendessen?
Wir sind kulinarisch anspruchsvoll, aber ich darf mich zurücklehnen. Mein Mann kann viel besser kochen als ich, und er entscheidet auch spontan und nach Lust und Laune, was er zubereitet.
Welche Erinnerungen sind Ihnen aus Ihrer Herkunftsfamilie wichtig?
Bei uns ist es damals genauso ein Familienfest gewesen wie bei uns jetzt.
Was steht bei Ihnen in den Weihnachtsferien vor allem an?
Wir fragen uns, was wir als Familie tun wollen. Jeder kann aber auch für sich schauen, was er gerne macht. Mein Mann und meine Kinder fahren gerne Ski, ich nicht. Was aber sein Gutes hat, denn in dieser Zeit komme ich zum Lesen.
Was möchten Sie in der Zeit lesen?
Diesmal lese ich ein französisches Buch: Patrick Chamoiseaus Roman über seine „kreolische Kindheit“. Der Autor wurde auf der Antilleninsel Martinique geboren und behandelt die „créolité“, das Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen unter post-kolonialen Bedingungen. Sein Ansatz fasziniert mich, weil er auf eigenwillige Weise schildert, wie unterschiedliche Kulturen ineinander übergehen und miteinander verschmelzen. Das Thema hängt eng mit unserer Ausstellung „Narrating Africa“ zusammen, die sich dem Überlagern und Überlappen von Kulturen auf dem afrikanischen Kontinent widmet.