Weltkopfschmerztag: Was tun bei Migräne?: Neue Mittel gegen das Gewitter im Kopf

Viele Betroffene greifen zu klassischen Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Paracetamol oder ASS. Ein Übergebrauch könne jedoch selbst wieder Kopfschmerzen auslösen
Imago/ZoonarHämmernde, pulsierende Kopfschmerzen, Überempfindlichkeit gegen Licht, Geräusche und Gerüche, Übelkeit bis hin zum Erbrechen: Migräne kann sich bei verschiedenen Patienten auf ganz unterschiedliche Weise äußern. Ebenso vielfältig ist die Liste möglicher Auslöser. Das macht ihre Behandlung schwierig. In den letzten zehn Jahren sind jedoch neue Therapie-Optionen entstanden.
Stark beeinträchtigte Lebensqualität
Erich Kästner schrieb 1931 in „Pünktchen und Anton“: „Migräne sind Kopfschmerzen, auch wenn man gar keine hat.“ Tatsächlich wurde Migräne lange nicht als ernsthafte Krankheit anerkannt.
„Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen überhaupt, die auch zu deutlichen Einschränkungen in der Lebensqualität führen kann“, betont Christian Maihöfner, Sprecher der Kommission Schmerz der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Eine schwere Migräne könne ähnliche gesundheitsökonomische Folgen haben wie ein Schlaganfall.

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen überhaupt.
Foto: Oliver Killig/dpaIn rund einem Viertel der Migräne-Fälle geht diese mit einer sogenannten Aura einher, die durch reversible neurologische Symptome gekennzeichnet ist. Betroffene leiden dann nicht nur unter Kopfschmerzen, sondern zusätzlich auch unter Wahrnehmungsstörungen beim Hören und Sehen. Sie sehen beispielsweise Lichtblitze, doppelt oder fühlen ein Kribbeln im Körper. Diese Symptome können sogar schon bis zu einer Stunde vor dem eigentlichen Schmerz eintreten.
Deutliche Zunahme von Migräne
Kopfschmerzen und Migräne haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, sowohl hinsichtlich ihrer Häufigkeit als auch hinsichtlich der Schwere und Intensität, erläutert der Schmerztherapeut und Neurologe Hartmut Göbel, Gründer und Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. Moderne Lebensstile mit hoher Beanspruchung der Funktionen des Nervensystems könnten ein Grund für das häufigere Auftreten sein.
Kopfschmerzen sind laut einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland weit verbreitet, am häufigsten sind Migräne und Spannungskopfschmerzen:

Schmerzen haben eine wichtige Warn- und Signalfunktion: Sie machen aufmerksam auf vorübergehende Gesundheitsstörungen.
Foto: Imago/DepositphotosGefahr von ungesicherten unkonventionellen Therapien
Die Notwendigkeit für Behandlungen steige. In Europa sei aber davon auszugehen, dass nur etwa 20 Prozent der Betroffenen ärztlich versorgt werden. Kopfschmerzen würden häufig mit „wissenschaftlich ungesicherten unkonventionellen Therapien“ behandelt, erklärt Schmerztherapeut Göbel.
Schmerzen haben eine wichtige Warn- und Signalfunktion: Sie machen aufmerksam auf vorübergehende Gesundheitsstörungen. Wenn akute Schmerzen immer wiederkehren und über längere Zeit andauern, handelt es sich um chronische Schmerzzustände.
Schmerzmittel: Medikamente mit Folgen
Viele Betroffene greifen zu klassischen Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Paracetamol oder ASS, die auch in den Leitlinien von Fachgesellschaften empfohlen werden.
Ein Übergebrauch könne jedoch selbst wieder Kopfschmerzen auslösen, warnt Gudrun Goßrau, Generalsekretärin der Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG). „Als Faustregel gilt, dass man diese an nicht mehr als neun Tagen pro Monat nehmen sollte.“ Eine unbehandelte Migräne könne ferner chronisch werden, so Goßrau, die die Kopfschmerzambulanz am Uniklinikum Dresden leitet.
Spezielle Migränemedikamente

Gerade bei schwerer Migräne versagen diese Schmerzmittel oft. In diesen Fällen könnten spezielle Migränemedikamente –
Foto: Imago/DepositphotosDurchbruch für die Prophylaxe
Entspannungsinseln, Bewegung, Achtsamkeit

Bevor Prophylaxe-Medikamente genommen würden, sollten nichtmedikamentöse Optionen wie etwa autogenes Training versucht werden
Foto: Imago/Zoonar
Vergessene Volkskrankheit
Für die Zukunft erwartet Goßrau Entwicklungen im Bereich weiterer Antikörper sowie Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Migräne und Ernährung und hier vor allem dem Blutzuckerspiegel.
Schon bald könnten zudem auch in Deutschland Medikamente aus der Wirkstoffklasse der Gepante auf den Markt kommen, unterstreicht Maihöfner. Diese kleinen Moleküle werden oral verabreicht, blockieren den CRGP-Rezeptor und stellen eine weitere Option im immer individuelleren Arsenal der Migränetherapien dar.
Laut Goßrau würde es sich zudem lohnen, Unterschiede zwischen Migräne mit und ohne Aura genauer zu erforschen und auch die Epigenetik zu berücksichtigen. "Dazu sind aber wirklich große Untersuchungsgruppen und viel Geld nötig", resümiert die Neurologin. Im Bereich Migräne oder Kopfschmerz allgemein sei es allerdings schwierig, Forschungsgelder zu bekommen. Leider ist es so: Volkskrankheiten wie eben Migräne und Kopfschmerzen werden immer noch gern vergessen."