Natur
: Pilze sammeln in Baden-Württemberg: Was man beachten muss

AnzeigeOb Steinpilz, Pfifferling oder Marone – Baden-Württembergs Wälder bieten im Herbst eine beeindruckende Vielfalt an schmackhaften Pilzen. Hier erfahren begeisterte Sammler nicht nur die beliebtesten Arten, sondern auch alles Wissenswerte rund ums Bestimmen, Sammeln und Zubereiten.
Von
rap
Stuttgart

Eine Handvoll Pilze reicht aus, um eine leckeres Abendessen zu zaubern.

Shutterstock/Viktor Sergeevich

Pasta mit Steinpilzen, eine bunte Pilzpfanne oder leckere Pilzsuppe – allein der Gedanke reicht und das Wasser läuft einem im Mund zusammen. Umso besser ist das Gefühl, wenn man diese Pilze selbst gesammelt und geerntet hat. Allerdings gibt es einiges, das man auf seiner Abenteuer-Suche unbedingt beachten muss. Besonders Anfänger finden hier einen Guide mit allen nützlichen Informationen für die nächste Pilzsammel-Tour.

Der Herbst: Hauptsaison für Pilze-Sammler

Pilze brauchen Feuchtigkeit zum Wachsen. Deshalb ist die Zeit von September bis Dezember – dank der vermehrten Niederschläge – die beste für eine erfolgreiche Tour. Es gilt die Faustregel: wenig Niederschlag gleich magere Ernte. Nicht alle Pilze wachsen aber zur selben Zeit. Deshalb gibt es hier eine kleine Liste der beliebtesten Speisepilze:

  • Schopftintling: April bis November
  • Wiesenchampignon: Juni bis Oktober
  • Steinpilz: Juni bis Oktober
  • Pfifferling: Juni bis November
  • Parasolpilz: Juli bis Oktober
  • Maronen-Röhling: September bis November
  • Austernpilz: November bis Januar
  • Rechtliches und Regeln: Was ist beim Pilzesammeln erlaubt?

    Wo darf gesammelt werden?
    In Deutschland darf man prinzipiell in allen Staats- und Privatwäldern Pilze sammeln. Allerdings gibt es Ausnahmen, die man beachten muss: Naturschutzgebiete, in eingezäunten Zonen, in denen aufgeforstet wird oder auf knöchelhohen Wiesen, da sich dort Nester und Gelege befinden können, die unter Umständen zerstört werden.

    Wie viele Pilze sind erlaubt?
    Je nach Bundesland und Landkreis unterscheiden sich die Bestimmungen zur maximalen Pilzernte. In Baden-Württemberg beschränkt sich die Zahl auf ein Kilogramm pro Person pro Tag. Im Zweifel sollte man sich allerdings immer bei der zuständigen Naturschutzbehörde des Landratsamts informieren. Wer mehr als erlaubt sammelt, muss in Baden-Württemberg mit empfindlichen Bußgeldern bis zu 2500 Euro rechnen – in besonders schweren Fällen sogar bis zu 10.000 Euro.

    Wann darf gesammelt werden?
    In Deutschland gibt es dazu keine Einschränkungen. Befindet man sich allerdings auf Wander-Tour in Österreich oder der Schweiz muss man örtliche Sammelzeiten beachten.

    Ein Pilzmesser oder Taschenmesser ist ideal, um den Pilz knapp über dem Boden abzuschneiden.

    Shutterstock/Ground Picture

    Diese Ausrüstung darf beim Pilzesammeln nicht fehlen

    Festes Schuhwerk und Kleidung: Wer querfeldein unterwegs ist, hat die besten Chancen auf reiche Pilzfunde. Um unbeschadet durch das unwegsame Gelände zu kommen, ist festes Schuhwerk empfehlenswert. Regenjacken schützen nicht nur vor Nässe, sondern auch vor Stechmücken.

    Pilzbestimmungsbuch: Um nicht in die Falle zu tappen, hilft ein bebildertes Buch besonders Anfängern bei der Bestimmung der Funde und kann Unsicherheiten ausräumen.

    Messer: Ein Messer mit scharfer Klinge darf nicht fehlen, um die Pilze abzuschneiden. Man sollte außerdem darauf achten, dass es nicht zu lang ist, um präziser schneiden zu können.

    Sammelbehältnis: Ein Weidenkorb eignet sich optimal als Transportbehältnis. Damit die Pilze nicht zerdrückt werden, sollte man sie nebeneinander lagern. Unbedingt vermeiden sollte man die Lagerung in Plastiktüten, da sie sich durch den Luftabschluss schneller zersetzen.

    Pilzbürste: Spezielle Pilzbürsten unterstützen dabei, den Fund sofort von Verunreinigungen zu befreien, was auch die Identifikation erleichtert.

    Lupe: Dabei hilft auch eine Lupe, durch die feine Details ohne Mühe sichtbar werden.

    Welche Pilze dürfen gesammelt werden?

    Es gibt Pilzarten, die durch die Bundesartenschutzverordnung geschützt sind und nicht gesammelt werden dürfen. Für den Eigenbedarf gibt es hier allerdings einige Ausnahmen, wie zum Beispiel Steinpilze, Morchlinge, Birkenporlinge oder Pfifferlinge. Letztere sind in Baden-Württemberg allerdings auf der „Roten Liste gefährdeter Pilze“ und sollten geschont werden, da sie rückläufig und sehr trittempfindlich sind.

    Wo findet man die besten Speisepilze?

    Im Nadelwald zeigen sich Steinpilze und Maronen besonders häufig, während in Laubwäldern vor allem Pfifferlinge und Champignons zu finden sind. Auf offenen Wiesen und Weiden gedeiht der Wiesenchampignon, der dort oft in größerer Zahl wächst. Selbst im Stadtgebiet lassen sich gelegentlich Pilze entdecken – darunter Rötlinge und Tintlinge, die mitunter sogar an Straßenrändern sprießen.

    Besonders beliebt sind Pfifferlinge, die allerdings in Baden-Württemberg auf der „Roten Liste gefährdeter Pilze" stehen.

    Shutterstock/Olgalucherino

    Pilze korrekt ernten

    Bei Pilzarten, die man ohne Zweifel korrekt bestimmen kann, bietet es sich an, den Pilz glatt über dem Boden abzuschneiden. So besteht die Chance, dass an der gleichen Stelle weitere Pilze nachwachsen. Ist man sich dagegen unsicher, sollte man den Pilz vorsichtig herausdrehen, um das unterirdische Wurzelgeflecht – auch Myzel genannt – nicht zu beschädigen. Die Basis am Ende des Stiels ist für Sachverständige entscheidend für eine eindeutige Bestimmung. Hier ist es dann wichtig, das entstandene Loch mit Laub oder Erde zu bedecken, damit das Myzel nicht austrocknet.

    An Ort und Stelle sollte dann auch rasch die mitgebrachte Pilzbürste zum Einsatz kommen. Nachdem man die geernteten Pilze grob abgeputzt hat, lässt sich besser erkennen, ob die Pilze zum Beispiel von Würmern befallen sind.

    Zubereitung von Pilzen: Genuss ohne Risiko

    In Deutschland gibt es glücklicherweise keine kontaktgiftigen Pilze. Deshalb muss man sich spätestens bei der Zubereitung Gedanken machen, ob man nicht einen giftigen Doppelgänger erwischt hat. Ist man sich sicher, nur noch Speisepilze im Weidenkorb zu haben, geht es an die Zubereitung. Wichtig ist, keine rohen Pilze zu verspeisen. Viele erhalten ihr Aroma auch erst nach dem Braten, Schmoren oder Grillen. Mindestens 15 Minuten sollten sie dazu gegart werden. Es wird empfohlen, nicht mehr als 250 Gramm pro Woche zu konsumieren, da Speisepilze hohe Mengen an Schwermetallen aufnehmen.

    So verhält man sich bei einer Pilzvergiftung

    Sollte man wider Erwarten doch eine giftige Pilzart gegessen haben und Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Schweißausbrüche oder Benommenheit treten auf, besteht der Verdacht einer Pilzvergiftung. Wichtig ist es dann, sofort eine Klinik oder einen Arzt aufzusuchen und Reste der Mahlzeit oder Putzreste zur Bestimmung aufzubewahren. Achtung: Bei Symptomen, die sich erst nach acht oder mehr Stunden bemerkbar machen, besteht akute Lebensgefahr. In diesem Fall muss sofort der Notarzt gerufen werden.

    Trotz aller Vorsicht – das Risiko einer Verwechslung gehört beim Pilzesammeln dazu und sollte nie unterschätzt werden. Wer jedoch gut vorbereitet in den Wald geht, aufmerksam sammelt und sich bei Unsicherheiten zurückhält, kann unbesorgt in den Genuss der selbst gesammelten Schätze kommen. Und wer leer ausgeht, hat immerhin frische Waldluft geschnuppert – ganz ohne Kalorien.

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