Marie Kondo und Co.: Minimalismus leben: Tipps und Ideen für den Einstieg

Minimalistisch leben bedeutet auch, Ordnung ins Chaos zu bringen. Das bringt Struktur in den Alltag.
Shutterstock/Kostikova NataliaMinimalismus scheint der Trend der Stunde zu sein – es wird aussortiert, aufgeräumt, neu geordnet – und zwar nicht nur der Kleiderschrank, sondern das komplette Leben – und alle reden darüber.
Spätestens seit der erfolgreichen Fernsehserie „Aufräumen mit Marie Kondo“ ist der Wunsch nach mehr Klarheit im Leben und das Interesse für die Konmari-Methode auch bei denjenigen angekommen, die gerne Horten und Sammeln.
Doch Minimalismus ist viel mehr als ein Trend. Hinter dem Modebegriff verbirgt sich ein achtsamer Lebensstil, eine Geisteshaltung.

Kochen als echte Handarbeit und mit wenigen Zutaten statt Fast Food und Zusatzstoffe.
Shutterstock/SantypanWas ist Minimalismus?
Wer minimalistisch leben möchte, will weniger und bewusster konsumieren. Es sollen nur noch Dinge die eigenen vier Wände schmücken, die einen wirklich glücklich machen. Überzeugte Minimalisten sind außerdem der Meinung, dass weniger Besitz auch mehr Lebensqualität und das Gefühl von Glück bedeutet. Dabei geht es keineswegs darum, so wenige Dinge wie möglich zu besitzen, sondern sich ausschließlich mit Objekten zu umgeben, für die man sich bewusst entschieden hat. Und das ist gar nicht mal so einfach, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Westeuropäer im Besitz von etwa 10.000 Gegenständen ist.
Die Frage, was Minimalismus ist, wird jeder individuell ein wenig anders beantworten. Ein gewisser Konsens herrscht aber darüber, dass Minimalismus generell bedeutet, sich von Ballast zu befreien, um sich den Dingen und Menschen widmen zu können, die einem wichtig sind.
Dieser Ballast kann Materielles genauso meinen, wie leidige Verpflichtungen und Routinen bis hin zu negativen Beziehungen.
Was sind die Gründe für Minimalismus?
Menschen, die sich für den Minimalismus entscheiden, haben ganz unterschiedliche Beweggründe. So strebt der eine nach einer cleanen, aufgeräumten Wohnung, der andere möchte achtsamer sein und so gut es geht durch eine nachhaltige Lebensweise Ressourcen schonen.
Dass aller Anfang schwer ist, weiß jeder, der einmal versucht hat, seine Wohnung zu entrümpeln. Dabei geht es jedoch nicht nur ums Loslassen und überflüssigen Dingen adieu zu sagen, sondern umgekehrt auch um das Wertschätzen von all jenem, das uns jeden Tag aufs Neue Freude bereitet. Und das darf bleiben.
Warum entscheiden sich Menschen für ein minimalistisches Leben?
Ist all der unnötige Nippes erst einmal aussortiert, dann merkt jeder schnell, wie flott abstauben und putzen plötzlich von der Hand geht. Auch das lästige Suchen entfällt, da alles seinen Platz hat. Das spart Zeit und Nerven. In einer weniger zugestellten Wohnung ist mehr Raum – im übertragenen wie im eigentlichen Sinn. Das Durchatmen fällt leichter. Zudem ist man organisierter, da der Minimalismus dem Leben mehr Struktur gibt.
Haben Minimalisten mehr Geld?
Die Antwort auf diese Frage steckt schon im Wörtchen minimal: Für diesen Lebensstil braucht man kein extra Geld, sondern man spart sich sehr viel ein. Durchs Verzichten, durchs Weglassen. Wer früher zehn T-Shirts gebraucht hat, dem reichen nun vielleicht drei. Der Verzicht auf Unnötiges macht sich auch im Geldbeutel bemerkbar.

Es muss nicht gar so nüchtern sein, aber die Wohnung nicht mit Deko zu überladen, lässt durchatmen.
Shutterstock/nuchaoWas macht Minimalismus mit der Psyche?
Minimalismus kann Ruhe und Gelassenheit schaffen. Durch die Ordnung etwa in der Wohnung stellt sich auch im Inneren ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit ein.
Ist Minimalismus gesund?
Minimalismus kann befreien von Angst, Stress und Trauer. Er kann helfen, Schulden abzubauen, ein besser organisiertes Leben zu führen. Minimalismus bedeutet, loszulassen.
Wie ernähren sich Minimalisten?
Minimalistisch kochen heißt, aus frischen und vollwertigen Lebensmitteln etwas Leckeres auf den Teller zu zaubern. Es soll weder aufwändig noch mit vielen verschiedenen Zutaten oder Geräten in der Küche gewirbelt werden.
Was bedeutet Minimalismus im Job?
Minimalismus im Job kann bedeuten, seine Prioritäten neu und anders zu setzen. Die essenziellen Dinge sollen wieder im Vordergrund stehen: Qualität vor Quantität, mehr Sinn in der Arbeit, eine Lebenskarriere statt eines schnellen Aufstiegs, einer Beförderung oder Gehaltserhöhung.
Wie startet man sein minimalistisches Leben?
Wichtiger Schritt: Alles sichtbar machen. Von Klamotten über Lebensmittel bis hin zu Büchern. Denn wer seine Dinge im Blick hat, weiß, was er besitzt und kauft nicht unnötig Neues.

Die Schuhsammlung auszumisten kann sehr befreiend sein.
Shutterstock/Kostikova NataliaTipps für ein minimalistisches Leben
Minimalistischer leben bedeutet nicht, in eine winzige Wohnung zu ziehen, das Auto zu verkaufen, die kriselnde Beziehung zu beenden oder den Job hinzuschmeißen. Man muss auch nicht gleich ein Wochenende lang die Abstellkammer entrümpeln. Kleine Veränderungen bringen bereits mehr Einfachheit und Klarheit ins Leben.
Hier kommen Tipps, wie es sich minimalistischer leben lässt. Step by step. Jeder der Vorschläge lässt sich in kurzer Zeit umsetzen:
Was sind die Vorteile von Minimalismus
Was sind die Nachteile des Minimalismus?
Hoher Initialaufwand
Es ist ein weiter Weg vom Durchschnittshaushalt zum Minimalismus. Zunächst einmal muss man tausende Entscheidungen treffen:
Daher kann es locker Wochen, Monate oder vielleicht sogar Jahre dauern, bis man das richtige Maß Minimalismus für sich gefunden hat und damit wirklich zufrieden ist.
Viel Disziplin notwendig
Es ist nicht einfach, bewusst bei jedem anstehenden Neukauf “Nein” zu sagen oder jedenfalls genau zu hinterfragen, ob er wirklich nötig ist. Schafft man das nicht, wird man innerhalb kürzester Zeit den Ursprungszustand wieder hergestellt haben und das Spiel beginnt von Neuem.
Die Wohnung wird ungemütlich
Übertreibt man das Entrümpeln, kann die eigene Wohnung schnell leer und kalt wirken.
Dinge müssen neu gekauft werden
Wenn man zu viel aussortiert, kommt man vielleicht irgendwann in eine Situation, in der man etwas neu anschaffen muss. Wenn man sich zum Beispiel von seinem Auto trennt und dann feststellst, dass es nicht praktikabel ist, drei Kinder im Winter mit dem Rad zum Kindergarten zu fahren, wird man möglicherweise mehr Geld für ein neues Auto ausgeben müssen. Umso mehr gilt der Ratschlag, es mit dem Minimalismus langsam angehen zu lassen.
Minimalismus wird zum Zwang
Menschen neigen oft dazu, in Bereichen, mit denen sie sich sehr viel auseinandersetzen, etwas fanatisch oder zwanghaft zu werden. Hier gilt: Öfter mal innehalten und hinterfragen, ob man das Richtige tut. Wer sich mit dem Minimalismus nicht wohlfühlt, sollte es bleiben lassen und nicht nur einem Trend folgen wollen.
„Anders sein“ kann ausgrenzen
Minimalistisch leben kann einen in manchen Kreisen zum Außenseiter machen. Bei einigen Leuten löst dieser Lebensstil sogar Abneigung aus, da sie indirekt ihre Wertvorstellungen in Frage gestellt sehen. Da ist eigene Stärke und Überzeugung gefragt, um die Ablehnung auszuhalten
Fazit: Die Entscheidung für ein minimalistisches Leben sollte nicht aus einer Laune heraus getroffen werden. Eine Umstellung braucht Zeit und muss auch nicht radikal erfolgen, sondern schrittweise und mit Bedacht.